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Entspannt

Nach einigen Tagen hatte ich jedoch das Gefühl, weiterziehen zu wollen und packte meine Sachen in perfekter Balance. In der gewohnt synchronistischen Manier stellte ich mich mit einem optimistischen Lächeln an die Straße und wartete entspannt gespannt, wer mich denn mitnehmen würde.

Und so hüpfte ich auf Ladeflächen oder konventionell auf einem bescheidenen Sitz von Alegría weiter Richtung Osten und Grenze, über Usulután und einen Ort mit dem ominösen Namen „El Delirio“. Dort aber bog ich scharf rechts ab über eine Hügelkette nach El Cuco, nachdem ich mir ein köstlich erfrischendes Agua de Coco in einer nachhaltigen Plastiktüte gekauft hatte.

Boykott

Ort und Strand von El Cuco sahen jetzt nicht sehr einladend aus, außerdem hatte ich bereits eine Bleibe im Blick, auf die ich wiederum im Lonely Planet gestoßen bin; noch immer gerate ich aus der Fassung deswegen!
Dort war dann allerdings Schluss, denn der Taxi-Mensch wollte fünf Dollar für drei Kilometer. Soviel hatte ich gerade mal, wenn überhaupt für die gesamte Strecke von Ataco im äußersten Westen bis ans andere Ende des Landes bezahlt.

Niemals, lieber gehe ich im Staub und in der Mittagshitze zu Fuß; nicht bevor ich jedoch leckere Shrimps für vier Dollar in mich reingeschaufelt und mir eines dieser vorzüglichen Speiseeise mit knackiger Schokolade überzogen auf den Weg geholt hatte.
Habe ich erzählt, dass ich mittlerweile eine Sucht nach Eis entwickelt hatte?

Einbildung

Nun ja, im Grunde wollte ich mir zu jener Zeit die ganze Zeit etwas zwischen die Zähne schieben, egal was, wobei Zucker stets noch am besten funktioniert, denn seit nunmehr einer Woche etwa hatte ich nicht mehr geraucht.

Na, bis jetzt geht’s. Viele Leute fühlen sich ja dann anders oder fitter oder besser, aber ich merkte eigentlich nicht sehr viel, außer dass mein Mundgeruch morgens mehr nach abgestandenem Essen als nach kaltem Zigarettenrauch schmeckte.
Hm, weiß ich jetzt nicht.

Tortuga Verde

Ich esse und habe noch immer Lust auf Obst, was eigentlich ein triftiger Grund wäre, schnellstmöglich wieder anzufangen, aber sei’s drum.
Vielleicht hat meine kurzlebige Krankheit in Ataco im Sinne einer höheren Läuterung dauerhaft etwas in mir umgestellt, vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein, was sehr viel wahrscheinlicher ist. Aber an die Sache mit den Früchten muss ich mich erst mal gewöhnen.

…Oooh, so eine saftige, faserige Ananas oder ein praller, knackiger, ungespritzter Apfel, da läuft mir schon das Wasser- Nun, das ist alles ziemlich verstörend.
Saftig im Sinne von schweißgebadet kam ich denn endlich in der Grünen Schildkröte („Tortuga Verde“) an, einem der wie an einer klebrigen Perlenschnur aufgereihten Resorts am Strand von El Esteron.

Morning Sunshine

Auf den ersten Blick machte es nicht viel her, und von dem spirituellen Charakter, von dem der LP großspurig berichtete, schien bis auf einen lustigen Zwischenfall, von dem ich noch berichten werde, nicht mehr viel zu übrig zu sein. Doch für zehn Dollar ergatterte ich ein bezahlbares Bett im Dorm; es war brütend heiß und der Ventilator tat sein Bestes.

Die netten und aufmerksamen Angestellten trugen gebrandete Shirts, kein gutes Zeichen eigentlich, jedoch belehrte mich ein kleiner Rundgang eines Besseren:
Da gab es zum Beispiel eine kleine Auffangstation für gestrandete Schildkröten, jeden Morgen gab es -theoretisch und je nach Bedarf- Yoga-Unterricht und -theoretisch und je nach Compliance- wurde der Müll getrennt.

Wochenende

Freitags und Montags sammelten sie denselben auch am Strand ein, unliebsames Treibgut nach der ungeniert ignoranten Wochenendflut aus dem Umland, die sich durchaus sehen lassen kann.
Ob man sie sehen will, ist wiederum eine andere Frage, ich für meinen Teil hatte leider Gottes keine andere Wahl und kam von Freitag bis Dienstag in das zweifelhaft interessante Vergnügen, beide Gezeiten kennenzulernen.

Mei, solang sie mich in Ruhe lassen, können sie ihre Vodka-Flaschen in ihre Pappbecher und danach hinter die Kanüle kippen soviel sie mögen, das haben wir früher ja auch nicht anders gemacht. Solang sie sich am Sonntag hübsch wieder schleichen, ist mir das Latte. Gell?

Bewundern

Zum beeindruckenden Arsenal an Plastiktischen und -stühlen für die kurze Tide des Massenwahnsinns gesellten sich auch eine stattliche Anzahl an Hängematten, ein hauseigener Pool, den ich im abendlichen Laternenlicht gerne bewunderte, sowie gemütliche Sessel und abscheulich weiße Strandliegen.

Man konnte sich Surfbretter ausleihen oder gar für zehn Dollar einen Lehrer dazu nehmen – aber ich bin ja nicht bescheuert. Ich setzte mich schön hinter meinen Kaffee und schaute den armen Trotteln da draußen im Pazifik zu.

Fernsehen

Ins Wasser ging ich erst, als mein Schweiß einen derart haftenden Film zwischen meinem Körper und dem Stuhl und im Verlauf dieses Prozesses ein Vakuum gebildet hatte, dass zwei Pferdegespanne nicht ausgereicht hätten, um mich, ähnlich wie die Magdeburger Hemisphären, davon zu trennen.
Den Stuhl hab’ ich dann halt mitgenommen.

Das war so gegen vier Uhr am Nachmittag, danach duschte ich mich gütlich ab und bereitete mich langsam auf den Sonnenuntergang vor.
Das war im übrigen eine gute Zeit zum Duschen, denn dann waren die Pelikane meist fertig.

Ungeniert

Kein Müll

KITSCH!!

Auffangbecken

Kein Scherz

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