18

Jul

Eine Affeninsel ohne Affen – und andere Kuriositäten

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Wollknäuel von Raubtier…
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Ewig lockt…

Ometepe war… komisch.
Eigentlich wollte ich noch ein letztes Mal einen Vulkan besteigen.
Eigentlich wollte ich mir noch ein letztes Mal einen Wasserfall anschauen.
Eigentlich wollte ich noch einmal mit ein paar wohlfeilen Hippies abhängen, ätherischen Te Mazcal- und Kakaozeremonien beiwohnen, nackt ums Feuer hüpfen und mit den Hunden den Mond anheulen.

Stattdessen tat ich nichts dergleichen und endete an einer Bar mit irischen Suffköpfen, schaute Rugby, schlechte amerikanische Comedy-Serien, sogar den Eurovision Song Contest!, und trank Cuba Libre – was bitter notwendig war, um all das ohne schwerwiegende Folgeschäden überstehen zu können.
Hm. Not… what I expected.

Vertraut

Moment, ich hab’s versucht!
Ich wollte zu dem Wasserfall wandern, aber leider unterschätzte ich die Entfernung und überschätzte meine Geschwindigkeit an jenem Tag. Natürlich hätte ich mir wie alle anderen ein Moped leihen können, aber doch nicht für zwanzig Dollar am Tag, meine Herrschaften, ja, wo sind wir denn? Radlfahren machte auf den dortigen Holperpisten keinen großen Spaß, also kroch ich lieber auf allen Vieren über die Insel, schwitzend und stinkend.

Immerhin, ich schaffte es einmal halb um den Maderas-Vulkan herum zu einer winzigen, vorgelagerten Insel, die vollkommen unspektakulär und nichtssagend im Wasser trieb. Ich tat das auch nur, weil sie entzückenderweise „Monkey Island“ hieß und sich somit mein karibischer Kreis anmutig schloss.

Affeninsel

Das war wirklich der einzige Grund, es gab da nicht einmal Affen. Der Name war im Prinzip nur ein Werbegag einiger anwohnender Fischer, die hofften, so ein paar Touristen in jene verlassene Ecke zu locken und ihnen hernach das obligatorische „Eintrittsgeld“ für den Freigang auf ihrem Privatgrundstück abzuluchsen.

Nun, zumindest dieses eine Mal ging ihre Strategie fast auf, doch zahlte ich nichts, da ich wohlan kein Anfänger mehr bin und mich listig und ungesehen an sämtlichen Behausungen vorbeischlich.
Sightseeing-technisch gesehen war dieser Tag somit ein kompletter Fail, doch ich musste es tun.

Vulkaninsel

Ich habe mich auch mehrmals nach Touren auf einen der beiden Vulkane erkundigt, aus denen die Insel im Prinzip besteht und somit aussieht wie eine liegende Acht, aber entweder es gab keine oder ich hatte Wichtigeres zu tun, siehe oben. Allein ohne Guide machte es wiederum wenig Sinn, weil erst vor zwei Wochen Touristen auf ihrem solitären Weg nach oben ausgeraubt wurden.

Zudem opferte ich mehrere Stunden meines Lebens und schaute mir verschiedene „Fincas Ecologicas“ oder ähnlich alternative Crusoe-Hide Outs an, aber vor deren Atmosphäre grauste es mir, und ich stolperte sogleich rückwärts wieder hinaus. Vor allem das berüchtigte „El Zopilote“ hatte fast schon etwas Düsteres und Kaltes an sich. Sauteuer waren sie außerdem, pff. Immer wollen sie Geld, Geld, Geld, und noch mehr Geld. Ich armes Würstchen!

Rapunzel

Was bleibt einem denn da anderes übrig als in ein staubig kuschliges und von Spinnweben überzogenes Holztürmchen für fünf Euro die Nacht zu ziehen, inklusive free wifi, coffee, shots & cigarettes?
Und Brian aus Bray bei Dublin präsentierte sich, noch während er mir den verwilderten Garten vom „Little Morgan’s“ – direkt am Seeufer by the way – zeigte, als ein derart griabiger und pfundiger Zeitgenosse, so dass es in Wirklichkeit gar keine Wahl gab.

Auch die anderen Volontäre waren mir sehr sympathisch: Woody, ebenfalls ein aus Galway stammender Ire, kam mir vor wie eine Figur aus Dürrenmatt’s „Die Physiker“, Luisa war eine französische Hexe mit rockig-kratziger Stimme, die ständig neue Schnäpse produzierte, und Ria das australische Blumenmädchen, offenes Herz und DJ.

Brian & Sol

Brian dagegen wirkte eher wie der Herr im Haus, mit dem sich bei einem Glas Brandy und einer Zigarre angeregt und eloquent über Politik und Wirtschaft diskutieren ließ, während die britische Sol meist auf der verratzten Couch lag und mit ihrem Freund Ty telefonierte.

Doch über allem schwebte, ja, alles war durchdrungen vom Geiste Morgan’s, der ab und an vorbeizog wie eine angenehme Brise in der schwülen Hitze der Regenzeit und sich einen strammen Rum einschenkte in einen der größten Plastikbecher, die ich je in meinem Leben gesehen habe.
Als ich das erste Mal in seine vom inhärent andauernden Alkoholexzess etwas wässrigen, doch vergnügt glitzernden blauen Augen blickte, wusste ich, ich bin an einem guten Ort.

Default

Wenige Stunden später saßen wir alle an der Bar und würfelten um Schnäpse und Ohrfeigen, sahen uns das Rugby-Pendant des Champions League-Finales an, das Morgan’s Favoriten in letzter Minute noch drehen konnten und waren fassungslos über die korrupte, völlig willenlose und sinnbefreite Punktevergabe beim Eurovision Song Contest.

Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich diesen Schund jemals noch in der mir auf dieser Welt verbleibenden Zeit anschauen würde, aber hey, überrascht bin ich darüber mittlerweile auch nicht mehr. Der Planet und ich haben bereits und werden noch verrücktere Dinge (ge)sehen.

Wohlfeile Feige

Aber gebt Euch das mal! Da wird also geschlagene zwei Stunden großspurig, ausufernd, und gekünstelt über zahlreiche Werbepausen hinweg darüber berichtet, welches der 43 teilnehmenden Länder welchen zehn oder zwölf anderen Vertretern wieviele Punkte gibt, ein haarsträubendes Kopf an Kopf-Rennen aufmerksamkeits- und liebesbedürftiger Narren in derart grauenhaften Kostümen, das einem speiübel wird.

Und grade wenn man denkt, dass das ganze lächerliche Brimborium endlich vorbei ist und sowieso wie von Anfang an klar Schweden gewinnt – da schaltet sich auf einmal eine ominöse und in den Schatten schwebende „Jury“ ein und vergibt ein weiteres Mal, und zwar in aufsteigender und exponentieller Manier noch viele weitere Punkte, die sich zum Ende hin derart potenzieren, dass der letzte Teilnehmer auf einen Schlag mehr bekommt als von allen anderen Ländern zusammen.

Kater

Das bedeutet, dass der ganze römische Zirkus davor ad absurdum geführt und völlig sinnlos gewesen war, denn das Ergebnis stand nun heillos auf dem Kopf, und der Gewinner hieß auf einmal Israel, just nachdem der Iran ein paar Raketen in deren grobe Richtung abgeschossen hat. Hm.

Was für eine hanebüchene, korrupte und scheinheilige Farce. Gehören die auch zur FIFA? Naja, immerhin hatten wir unseren Spaß und konnten uns hernach in gleißender Selbstgerechtigkeit suhlen, on the rocks und gepfeffert. Was braucht man mehr für ein rauschendes Fest?

 

 

 

Conceptión

Maderas

 

 

 

 

 

 

 

Piste

Herum

 

 

 

 

 

 

 

Lago Cocibolca

Affenjagd

Schätzen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Bitte umblättern: Armer Meister…

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