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Mrz

Alltagsmagie: Wenn die Welt mal Pause macht

Und wenn ihr Gott erkennen wollt, seid nicht deswegen Entwirrer von Rätseln.
Blickt euch lieber um, und ihr werdet Ihn mit euren Kindern spielen sehen.
Und blickt in den Himmelsraum: Ihr werdet Ihn in der Wolke wandeln, im Blitz Seine Arme ausstrecken und im Regen herabsteigen sehen.
Ihr werdet Ihn in Blumen lächeln sehen und dann emporsteigen und aus Baumkronen winken.“
(K. Gibran, „Der Prophet“)

Ist es nicht geradenwegs magisch, wie sich das Glitzern kleiner Teicheswellen im überhängenden Geäst und bis in die Blätter säumender Ufergewächse spiegelt und fortzupflanzen scheint?

Nature will not be Buddhist; she resents generalising, and insults the philosopher in every moment with a million of fresh particulars. It is all idle talking: as much as a man is a whole, so is he also a part; and it were partial not to see it. (…) You have not got rid of parts by denying them, but are the more partial. You are one thing, but nature is one thing and the other thing, in the same moment. (…) but it is not the intention of nature that we should live by general views. We fetch fire and water, run about all day among the shops and markets; and get our clothes and shoes made and mended, and are the victims of these details, and once in a fortnight we arrive perhaps at a rational moment. If we were not thus infatuated, if we saw the real from hour to hour, we should not be here to write and to read, but should have been burned and frozen long ago. She would never get anything done, if she suffered admirable Crichtons, and universal geniuses. She loves better a wheelwright who dreams all night of wheels, and a groom who is part of his horse; for she is full of work, and these are her hands. As the frugal farmer takes care that his cattle shall eat down the rowen, And swine shall eat the waste of his house, and poultry shall pick the crumbs, so our economical mother despatches a new genius and habit of mind into every district and condition of existence, plants an eye wherever a new ray of light can fall, and gathering up into some man every property in the universe establishes thousand-fold occult mutual attractions among her offspring, that all this wash and waste of power may be imparted and exchanged. (…) The rotation which whirls every leaf and pebble to the meridian, reaches to every gift of man, and we all take turns at the top.
For nature, who abhors mannerism, has set her heart on breaking up all styles and tricks, and it is so much easier to do what one has done before, than to do a new thing, that there is a perpetual tendency to a set mode. (…) Why have only two or three ways of life, and not thousands? Every man is wanted, and no man is wanted much. We came this time for condiments, not for corn; for one star more in our constellation, for one tree more in our grove.“
(R.W. Emerson, „Essays and other Writings“)

Dafür, dass ich unendlich bin, bin ich recht gut strukturiert.

Glaub bloß nicht, dass du mich von deiner Existenz überzeugen kannst, nur weil du existierst.“
(T. Pratchett, „Einfach göttlich“)

It is not down on any map. True places never are.“
(H. Melville, „Moby Dick“)

Dieses angenehm schummrige, leicht verwaschene und ssssurrende Gefühl, der Welt ein wenig entrückt zu sein; es fließt sanft und heilt. Und es war schon immer da, nur wusste ich nicht, was es war, nämlich: die Verbindung zu meiner Seele, zum Unterbewusstsein. – Das ist im Grunde so ähnlich, wie wenn man Grippe hat.

Es war jene Liebe, wie der Jäger sie für alles Lebendige empfindet und die er nur so zu äußern weiß, daß er mit seiner Flinte darauf zielt.“
(I. Calvino, „Der Baron auf den Bäumen“)

Manchmal, wenn ich so daliege und ganz tief und weit in mir drin bin, wenn alles sich entspannt und ganz weich wird – da fühlt es sich an, als ob die Moleküle und kleinsten Teilchen meines Körpers sich mit denen der Welt verbinden, sich quasi zwischen sie schieben. Dann bribbelt alles und verschwimmt.

Die Betrachtung der Ewigkeit in der Bewegung des Lebens.“
(M. Barbery, „Die Eleganz des Igels“)

Aber wie verhält sich der Spaziergänger, wenn er auf seinem Weg zufällig an einen Ort gelangt, wo sich Straßen oder Täler kreuzen und wo nicht nur der Blick, sondern auch die Dinge nach allen Seiten hin ausstrahlen?
Dann fällt der subjektive Gesichtspunkt mit einer objektiven Gliederung der Dinge zusammen und Wahrnehmung entfaltet sich in ihrer ganzen Fülle. Die Landschaft enträtselt und erhellt sich. Man sieht.“
(P.T. de Chardin, „Der Mensch im Kosmos“)

Chrome biegt sich in lasziver Prüderie um rotes und himmelblaues Glanzleder, das aussieht wie der erwartungsvolle Schoß der verführerischen Matrosin in ihren schwarzen Strapsen, die mir von der Wand entgegenzwinkert. Neben ihr hängt ein Bild von Elvis Presley, selbstsicher und zuversichtlich inmitten alter Vintage-Reklame für Union Pacific und so alten Streifen wie „Kampf der Welten“ und „Angriff der 50-Meter-Frau“.
Das Original von „Stand by Me“ schwebt
leise und getragen im Raum, oder ist es doch ein Cover? Bei derart zeitlosen Songs weiß man das ja nicht. Jedes Mal, wenn man meint, man hätte die ursprüngliche Version entdeckt, stellt sich im Nachhinein heraus, dass es doch immer noch ein ältere Variante gibt, bis man scheinbar bei mittelalterlichen Minnegesängen angelangt ist.
Auf meinem Teller grinst mich ein Stück saftiges Rosa aus dem dunklen, fast kohleartigen Kokon meines Burgers an, während der Milchschaum meines Cappuccinos sacht auf meiner Zunge bitzelt. Ich spüre die raue Faser meines Paperbacks…
Ich stehe nun vor einer schwierigen Entscheidung: Soll ich später noch einen Dübel rauchen und danach griechischen Yoghurt mit Stracciatella essen, gefolgt von ofengebackenen Paprika-Chips und sündhaft prallem Nutella? Hmmm.
(Tage in Barcelona)

Similarly, Braden once asked a Native American rainmaker what he did when he prayed for rain. ’I don’t pray for rain,‘ the shaman corrected him. ’I pray rain.‘ In other words, the shaman embodied the experience of rain. He felt what it felt like to have rain fall onto his body, his bare feet in the wet mud. He smelled the rain and imagined himself walking through rain-nourished fields of corn. From his extensive research on the nature of prayer, Braden concluded that we communicate with the field through the language of emotion, by experiencing the intent of the prayer as if it had already occurred.“
(Lipton & Bhaerman, „Spontaneous Evolution“)

Weißt Du, was der Ausdruck „Soul Food“ eigentlich bedeutet?
Stell Dir mal ein Stück K
äsekuchen vor: so ein süßes und ungezogen saftiges Stück Ewigkeit, das in Deinem Mund ein Feuerwerk aus explodierenden Geschmacksnerven entzündet und Dich unversehens in die Gegenwart zurückholt, in die umgeschminkte und ungestriegelte Realität des Augenblicks, in dem alle Zeit kondensiert wie Tau im Morgenlicht, in dem Du Dich und Deinen Körper spürst und Dein ganzes Wesen bis in die kleinsten Ritzen und Fasern Deines Bewusstseins hinein wahrnimmst.
Du
fühlst, wie sich seine zart schmelzenden und gottgleichen Atome mit den Deinen verbinden und wie Ihr, Bissen für Bissen, Eins werdet in der Heiligen Leere der Jetztzeit.
Das, ja das! ist in der Tat Nahrung für die Seele, in ihrem ureigensten Sinn, denn sie
destilliert und erinnert Dich an Deine Essenz, an das, woher Du ursprünglich kommst.
Der Kuchen ist dabei allerdings nur der Auslöser.

Das gibt es manchmal – am Mittag, wenn alles in der Hitze schläft – Dann wird die Welt durchsichtig. – Wie ein Fluss, verstehst du? – Man kann auf den Grund sehen.“
(Beppo Straßenkehrer; In: M. Ende, „Momo“)

How I snuffed that Tartar air! – how I spurned that turnpike earth! – that common highway all over dented with the marks of slavish heels and hoofs; and turned me to admire the magnanimity of the sea which will permit no records.“
(H. Melville, „Moby Dick“)

Wenn die Stimmung in einem Club kippt und der Beat wechselt, wenn das ganze Leben plötzlich wie eine Flutwelle durch die tanzenden Körper brandet und die Luft im Raum zu explodieren scheint!
Und dann dieser ernüchternde Moment in einem namenlosen Taxi auf der Fahrt nach Hause, wenn Du realisierst, dass Du wieder einmal keine Frau abbekommen hast und unweigerlich in die eigene Pubertät zurück katapultiert wirst.
Dann geht
sämtliche Energie wie Luft aus einem Ballon wieder hinaus und zieht sich irgendwo im Vakuum eiseskalter Realität zusammen, und ein weiterer Zyklus findet sein Ende.

Die schönste Zeit, die Minuten, in denen ihn kein Gedanke beschwerte, die schönste Zeit, dachte er, war jene, die er nicht wahrnahm.“
(M. Barbery, „Die Eleganz des Igels“)

The best way to face the unknown is by not knowing.“
(Swami Beyondananda; In: „Spontaneous Evolution“ by B. Lipton & S. Bhaerman)

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