25

Aug

Blutende Herzen am Rand der Welt – Ein Traumgesicht

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Drachen, Veganer…
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Ausgespuckt

Jedenfalls flohen viele äthiopische Juden über den Sudan und Ägypten nach Israel. Für diejenigen, die das nicht schaffen konnten, wurde sogar eine Luftbrücke der amerikanischen und israelischen Streitkräfte eingerichtet, ganz ähnlich wie bei uns zur Zeit des Kalten Krieges.

Risse

Die einzige nennenswerte jüdische Gemeinde, die demnach heute noch in Äthiopien existiert, befindet sich übrigens ganz in der Nähe von Gondar.

Irgendwann am frühen Nachmittag erreichten wir auch tatsächlich den Startpunkt unseres Treks, aber wie das dort so ist, da wird noch schnell was besorgt, hier kurz angehalten, um Onkel und Tante hallo zu sagen, und so schwindet die Zeit unmerklich dahin und versickert lautlos in den Spalten des rissigen Bodens.

Anfang vom Ende

–- Potzblitz! Denn praktisch ohne Vorwarnung wurden wir direkt am Ende der Welt ausgespuckt!

Das muss ich schon sagen, also, an der Dramaturgie müssen sie noch arbeiten, weil der Spannungsbogen fehlte komplett. Ohne auch nur einen Schritt tun zu müssen, befand ich mich …ooh… vor einer Kulisse, die bei näherer Betrachtung eigentlich gar nicht von dieser Welt stammen konnte.

Schoß

…Natürlich tut sie das im übrigen, weil unser ganzer Planet scheint mir nicht von dieser Welt zu sein; und somit ist das völlig normal. – Aber was soll ich machen, mir gehen langsam die Beschreibungen aus.
Teh, kein Wunder, dass die Ecke dort früher einmal „Abessinien“ (abyss = Abgrund) genannt wurde.

Vor mir fiel das Land jäh ab, tief und immer tiefer, hunderte Meter nach unten und ging schließlich sanft über in seinen bewaldeten Schoß vor einer schroff zerklüfteten Gebirgslandschaft, die sich bis zum wolkenverhangenen Horizont erstreckte. Wir schienen in einem Gebirge über einem Gebirge zu stehen.

Rudel

Jetzt verstehe ich auch, warum der Pygmäenstamm Xi während seines wundersamen Abenteuers an einen ganz ähnlichen Ort schickte, um die bösartige Cola-Flasche loszuwerden und über den Rand der Welt zu schmeißen.
Erinnert Ihr Euch an den alten Streifen, „Die Götter müssen verrückt sein“?

Blutendes Herz

Davor bereits mussten wir kurz Halt machen, weil das erste Rudel der berühmten Gelada-Affen oder „Bleeding Heart Baboons“ unseren Weg kreuzte.
Schaut Euch die Bilder an, vielleicht kommt Ihr drauf.
Okaaay, aber was kann denn jetzt noch kommen? Eigentlich könnten wir wieder heimfahren, oder nicht?

Nein? Na gut. – Fast widerstrebend setzten wir uns also in Bewegung und begannen doch noch mit der Wanderung. Die ersten Kilometer führten uns just an dieser fast schon melodramatisch senkrechten Abbruchkante entlang, die sich wie übrigens die gesamte Gegend dort als Überbleibsel eines monumentalen Vulkanausbruchs entpuppte.

Melodramatik

Ich sage „Wanderung“, aber in Wirklichkeit ähnelte es eher einem Sonntagnachmittags-Spaziergang, weil wir alle fuffzig Meter stehen bleiben mussten, um die unfassliche Aussicht zu genießen und unserem rechtschaffenen Tagewerk als ver- und entrückte Touristen nachzugehen.

Tagewerk

Ein paar freche Regentropfen fielen an jenem ersten Tag, aber das weiß ich nur, weil wir zu dem Zeitpunkt noch im Auto saßen und diese sich vage und zaghaft auf der Windschutzscheibe abzeichneten, um danach wie unwillige Galaxien auseinander zu driften.

Frech waren auch die niedrigen Wäldchen dazwischen, da sie uns die Sicht auf diese heillose Augenweide versperrten und die auch in den Simien-Bergen in zaubrischen Baumbart kleideten. Des weiteren erwiesen sich Wacholder, Heidekraut, bleiche Gräser und süß und rosig duftende Blumensträucher als unsere ersten Weggefährten.

Gesellen

Kurz bevor wir das erste Camp „Sankober“ erreichten, trafen wir unvermutet auf die zweite Gruppe Geladas, und das war… woooow, ganz anders. Unbeschreiblich, aber mal echt. Das Herz lief mir über, soviel weiß ich noch.

Die Viecher scheißen sich ja mal gar nichts.
Wir konnten uns praktisch mitten unter sie stellen und gesellen, das juckte die überhaupt nicht, die pickten sich nur weiter gegenseitig Flöhe aus ihrem struppigen Fell oder buddelten im Boden eifrig nach etwas Eßbarem. Ab und zu schnauzten sie sich gehörig an, grad wie die Äthiopier.

Patriarch

Am beeindruckendsten war da der alte Patriarch, der das Rampenlicht sichtlich genoss und einen Blick drauf hatte wie Marlon Brando in „Der Pate“, welcher zu sagen schien:
„Look at me! I – am – FABULOUS. (…and if you don’t think so I just might have to kill you.)“ Im Allgemeinen finde ich ja, dass eben diese älteren Exemplare ein klein wenig aussehen wie Rod Stewart, was meint Ihr?

Kommunikation

Oh, zu sagen hatten sie in der Tat viel. Es war erstaunlich geradezu, was für unterschiedliche und darüber hinaus klar definierte Laute da aus ihren Kehlen sprangen! Sowas hatte ich bei Tieren noch nie erlebt, das schien schon einer eher ausgefeilten Sprache zu ähneln als irgendwelchen primitiven Grunzlauten.

Auf die Assoziation kam ich natürlich nicht von allein, das hat Dani irgendwo im Internet gelesen. Anscheinend besitzen die Geladas in der Tat von allen Primaten die feinste und ausgeklügeltste Form der Kommunikation.
Mit etwas Geduld, wenn man sich zu ihnen hinsetzt, könnte man mit ihnen irgendwann sicherlich über die Vorzüge von Ofenkartoffeln debattieren oder die indischen Veden neu auslegen.

Wie im Traum

Ich war wie in einem Traum. An der Stelle übernahm mein vegetatives Nervensystem und bewegte ohne bewusstes Zutun meine Arme, um einmal Fotos mit der Kamera zu machen und gleichzeitig oder versetzt kurze Filmsequenzen in den großzügigeren Speicher meines Fons zu betten.

Unendlichkeit

Ähnlich erging es mir nur in Indien, als ein Elefantenjunges seinen Rüssel zärtlich um meinen Unterarm wickelte oder vielleicht im Dschungel von Indonesiens Borneo, wo ich einem Orang-Utan stundenlang dabei zuschauen konnte, wie er ganz entspannt die Obstbäume unseres Camps kahl fraß.

Und das war erst ein halber Tag! Mich wunderte es fast, dass die letzten zwei Kilometer auf der Schotterstraße* keine Highlights mehr- Oh! Doch. Da rechts, seht Ihr? Ein elysisches Tal, das sich in die Unendlichkeit erstreckt.

Walia?

Na, wer sagt’s denn. Und links am Hang zwei scheue Rehkitze. Da war ich mir jetzt aber nicht sicher, ob das einzigartige, junge Walia-Steinböcke waren oder nur gewöhnliches Wild.

„Walia“ heißt im übrigen ein äthiopisches Bier, während ihr Pendant in den Bale-Bergen, die Nyala-Böcke, für eine Zigarettenmarke herhalten müssen. Da sieht man, was den Leuten in Äthiopien wichtig ist. Auch das ist nicht weiter verwunderlich, immerhin sind es Menschen.

*Ja, man hätte die ganze Strecke auch faul und fett mit der Karre abfahren können, aber das hätte natürlich die wildnatürliche Romantik aus der Isomatte gelassen.

Am Abgrund

Picken

Elysium

Kante

Abbruch

Auszug

Gefährten

Entlang

Sammler

Hochland

Baumbart

Zaubrisch

Oooh…

Spaziergang

Bleiche Gräser

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Bitte umblättern: Forscher beweist…

 

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