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Jan

Wendet die Pfannen! – Die Insel

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Siehste mal…
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Vibe

In der Zwischenzeit war ich guter Dinge, denn ich durfte endlich ins „La Isla“ einchecken. Zuerst einmal jedoch wollte ich mich verängstigt in eine Ecke verkriechen, denn ich wurde Zeuge eines ganz dämonischen und Furcht erregenden Schauspiels.
Noch voll bepackt sah ich mich vier gackernden und ganz närrisch umher springenden Hühnern Anfang Zwanzig in Pyjama-Hosen gegenüber.

Zeichen

Die Luft war erfüllt vom parfümierten Kadavergestank einer fluffigen Kissenschlacht. So musste sich Gandhi gefühlt haben, als er zum ersten Mal indischen Politikern begegnet ist. Sollte mein sonst so zuverlässiges Bauchgefühl mich etwa getäuscht haben?

Das ist hier nämlich gar nicht so einfach. Allein auf der ersten Seite von so einschlägigen und verachtenswert monopolistischen Seiten wie Hostelworld findet sich in dieser Stadt eine Fülle an hochbewerteten, süß eingerichteten und vielversprechenden Unterkünften (siehe oben), die einen auf den ersten Blick schon mal erschlagen kann.

Vertrauen

Man muss gut in sich hineinhören und seiner Intuition vertrauen.
Und trotz dieser ersten Schreckminuten stellte ich schnell fest, dass sie mich auch dieses Mal nicht im Stich gelassen hat. Sowohl vom Staff als auch von den anderen Gästen wird man von der ersten Sekunde an mit derart offenen Armen empfangen, dass es ganz unmöglich erscheint, sich nicht vom Fleck weg in diesen schnuckligen Hafen zu verlieben.

Alle sind so rücksichtsvoll und zuvorkommend, dass sich auch jeder noch so zappelige Partylöwe an die stillen Stunden ab elf Uhr abends hält.
Das ist faszinierend zu beobachten. Bis dahin ein jenseits Geschnatter, Geklimper und Gewusel, und von einer Sekunde auf die andere ist es im Wohnzimmer ruhiger als in einem versiegelten Pharaonengrab. Nur ein leises und beinahe gespenstisches Flüstern erfüllt die Luft, bis auch dieses sich langsam verflüchtigt wie ein sanfter Windhauch in der langen Stille der Nacht.

Aktivisten

Da wird fleißig gestrickt, gelesen, gebastelt, gewhatsappt, geradezu aufopfernd idealistisch und meiner Meinung nach etwas aktivistisch gekocht, wenn man bedenkt, dass eine fesche organic Mahlzeit in einer veganen Burgerlounge, in der allen vor Gesundheit strotzenden Mitarbeitern die Liebe für’s Detail am Herd aus der glücklich und mit meditativer Hingabe geschnibbelten Zwiebelschale springt, gerade mal drei, vier Flocken aus der handgewebten und unfassbar unpraktischen Geldbörse lockt.

Klar hab’ ich mitgemacht! Und wie. Mit dem ganzen Verve und Elan, der mir aus den mittlerweile im fernen Dunst des Vergessens entschwindenden Zwanzigern noch übrig geblieben ist, jonglierte ich aufgeregt swingend mit Brotzeitmesser, Karotten und Knoblauch, trommelte zum fauchenden Beat des Gasherds mit Holzlöffeln auf der Größe nach sortierten Pfannen, debattierte hitzig über die etymologische Bedeutsamkeit von Begriffen wie „Pfannenwender“ und „Freikörperkultur“.

Wo ist der Buddha?

Es war ein bisschen wie eine Zeitreise zurück in meine kontrolliert wilde Studienzeit, Hallo McFly, jemand zu Hause?
Ganesha winkt mir von der gegenüberliegenden, mit groben, geometrischen Mandalas verzierten Wand aus zu, ein lachender Buddha fläzt fast schon vulgär auf der Holzvertäfelung über dem prasselnden Kaminfeuer; klar hat der zu lachen, der hat’s immer warm.

Alles hier ist bunt, verspielt und verströmt eine Atmosphäre, dass einem nichts anderes übrig bleibt als sich wohl zu fühlen. Zwei Katzen klettern die mit kleinen Kräuterbeeten versehenen Wände der Terrasse im ersten Stock hoch und blicken über die Stadt auf der Suche nach Nahrung oder fellsträubenden Abenteuern.

Buntes Treiben

Mein Tag begann meistens so: Nach einer kurzen belebenden, weil halb gewollt kalten Dusche, und meiner Sonnengruß-Morgenmeditation setzte ich mich behaglich schmatzend auf einen Holzstuhl in der aus Natursteinen bestehenden Küchennische und wartete versonnen grinsend, bis sich langsam und andächtig eine Tasse tiefschwarzen regionalen Kaffees aus der Peripherie in mein verklärtes Blickfeld schob.

Guten Morgen

Den Müsli-Frucht-Yoghurt-Cocktail schlang ich schnell und ohne mit der Wimper zu zucken hinunter, um mich dafür umso ausgiebiger den frisch getoasteten Baguette-Häppchen mit Guacamole und Erdbeermarmelade zu widmen.
Das Schönste war immer der Moment, als ich mit großen Augen und angelegten Ohren um eine zweite Tasse dieses köstlichen Getränkes aus gerösteten Bohnen bat.
So ähnlich wie der gestiefelte Kater bei „Shrek“.

Sodann fläzte ich mich mit einigen anderen Faulpelz-Pionieren auf den mit Kissen marinierten Sofas und Sitzgelegenheiten für eine weitere Jam-Session mit Gitarre, Cajón und irgendwelchen Rasselinstrumenten. Später vielleicht ein kleiner Spaziergang durch die schnucklige Altstadt, ein Taco hier, eine Quesadilla da, Kuchen und Kaffee in einem der gemütlichen Cafés…

Spazieren

Leute, es gibt hier Rübli-Kuchen! Und was für einen, Holla die Waldfee. Pastel de Zanahoria (Karottenkuchen) heißt das hier und gibt es in fast jedem Café. Vitamine und Mineralstoffe geopfert auf dem Stufenaltar des Verlangens.
Das Perverseste aber war folgendes. Stellt Euch das vor: eine bescheidene Basis aus Käsekuchen, darüber eine etwa zwei bis vier Fingerbreit dicke Schicht Schokobrownies – das Ganze garniert mit Karamelsauce!

Lecker

Danach fühlt man sich, als ob man ein Lebkuchenhaus gegessen hätte, der Magen scheint nur noch aus Zuckerwatte und Pflastersteinen zu bestehen, aber es ist der absolute Wahnsinn.

Um mein Gewissen zu erleichtern, habe ich an den Wanderungen teilgenommen, die Esteban und Nico vom Hostel aus anbieten. Einmal kraxelten wir durch Wald und Gestrüpp an einem idyllischen Fluss entlang, vorbei an bezaubernden Pinien bis zu einer kleinen Höhle mit einigen ausgefallenen Felsformationen.

Soweit so gut

Ein Stück weiter oben erwartete uns ein toller Ausblick auf das Tal mit seinem Teppich aus Beton, Teer und Pflastersteinen; Adler oder ähnliches Geflügeltes kreisten pittoresk über die malerische Szenerie. Eine Tür führte ins Nichts. Ich meine, Wände sind optional, aber eine Tür zu haben ist immer gut. Kleine Schritte.
Auf der Rückfahrt sah ich sogar eine Moschee, wobei das Minarett eher aussah wie ein depressiver Wasserturm.

Magda bot einmal in der Woche Yoga an, es gab lauschige Videoabende mit „Science of Sleep“ und „Buena Vista Social Club“, ein wahres Vorzeigehostel für Kamillenteetrinker und Kuscheldeckenextremisten.

Pinien

Stalagsies

Wege

Idylle

Synchron

 

 

 

 

 

 

 

Kraxeln

Belohnung

 

 

 

 

 

 

 

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