28

Jan

Sirenen, Prinzen & Banditen – und ein Bier am See

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Heiße Öfen…
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Sprachen

Auf dem Weg zum städtischen Inwa-See gabelten wir Rain (so stellte er sich uns vor) auf, einen dieser enthusiastischen jungen Locals, die unbedingt ihr Englisch mit nichtsahnenden Touristen aufbessern wollen. Im Gegenzug brachte er uns ein paar Brocken Birmesisch bei.

Die Sprache ist recht verwirrend, muss ich sagen. Genau wie beim Thai handelt es sich um eine tonale Sprache, heißt, je nach der Tonhöhe beim Sprechen kann ein Wort acht komplett unterschiedliche Bedeutungen haben. Außerdem wohnen in diesem Land etwa 140 verschiedene Volksgruppen, die allesamt verschiedene Vorstellungen von ihrer Muttersprache haben.

Nicht zuletzt befinden sich unter ihnen Nachfahren portugiesischer, französischer und holländischer Söldner und Abenteurer, Urenkel von chinesischen Banditen, indischen Geldwechslern und Kolonialbeamten sowie von muslimischen Flüchtlingen des indischen Mughal-Reiches. Bäm.

Lauschen

Deshalb haben die auch immer noch soviel Stress dort; erst 2012/13 kam es zu den letzten pogromartigen Ausschreitungen gegen Muslime.
Das ist so, als würde man ganz Europa gewaltsam unter einen Verwaltungsapparat pressen wollen. – Also so etwas wie die EU. Hm… Stellt Euch das mal vor. FRANZOSEN.

Nein hehe, ich mach’ nur Spaß…
Jedenfalls, wenn man mal fünf unterschiedliche Versionen von „Noch ein Bier, bitte“ gehört hat, fühlt man einigermaßen ratlos. Aber dafür gibt es ja Hände und Füße. Und Menschen wie Rain.

Immer

Denn jener führte uns trotz seiner genervten Freundin im Schlepptau* beglückt zu einem bezaubernden Abschnitt des Sees mit Restaurants, Snackbuden und lauschigen Picknickplätzen am Ufer. Da gab es frittierte Shrimps, in die ich mich hätte hineinlegen wollen, und alles, was man nur in Fett tunken kann, so dass die Leber einen hysterischen Schreikrampf bekommt. Sauuulecker und naturgemäß eklatant ungesund.

*Mich beschlich dabei das unwillkürliche Gefühl, dass sie das nicht zum ersten Mal , stoisch und wie eine Buddha-Statue aus Beton grinsend über sich ergehen ließ.
Aber da war doch nichts dabei; im Grunde taten wir Drei nichts anderes als zu Hause auch: mit einem Bier am Wasser sitzen und chillen, nur halt am Inwa statt an der Isar .

Brückenmarkt

Ein Markt durfte natürlich auch nicht fehlen. Auf dem „Bogyoke Aung San“ deckten wir uns mit „Longyis“ (Sarongs) ein. Für asiatische Verhältnisse mag man ihn wohl als geordnet bezeichnen, und er schrammte gar knapp nur an einer Art gepressten Weitläufigkeit vorbei.

Es durfte gehandelt werden, allerdings sollte man sich eher an der Bescheidenheit von Monty Python’s „Prian“ orientieren, wenn man sich schmerzverzerrte Gesichter und Tränen auf Seiten seiner Gegenüber ersparen will. Da müssen die Leute noch bei ihren Nachbarländern in die Lehre gehen, denn selbst dort gestalten sich die Preise enttäuschend authentisch.

Magisch

Die „Shwedagon“-Pagode zogen wir uns selbstredend auch rein, mit hundert Metern Höhe die größte buddhistische Stupa in Myanmar und zudem komplett vergoldet! Unzählige Schreine, Tempel, Bodhi-Bäume, Glocken, Statuen sowie wandernde Digitalkameras beteten sie an.

Am verführerischsten war dies kurz nach Sonnenuntergang, wenn das ganze Areal warm und sanft beleuchtet wird und man sich vorkam wie in einem Elfenreich aus goldenem Licht, das auf magische Weise aus dem Mantel der Nacht heruntertropfte und sich wie Morgentau auf die Welt legte, um in der Dunkelheit die Seele jeden lebenden Wesens zu benetzen.

Himself

Mh-hm. Es heißt, dass in ihrem Inneren acht Haare von Siddhartha himself verwahrt seien, die angeblich von zwei urburmesischen Prinzen aus Nordindien dorthin gekarrt wurden, nachdem sie ihn bei einer seiner Reden anscheinend persönlich kennenlernen durften. Soso.

Und da die Bir-Burmesen fleißige Spender waren, gab es da sogar ATMse, von denen man mehr und größere Scheine als an jedem anderen Geldautomaten der Stadt abheben konnte. Ich sage es ja immer wieder: same same.

Exotisch

…Also was jetzt? Birma, Burma oder Myanmar?
Hm. Schwierig.

Der namensgebende Stamm der „Myanma“ machte sich im achten oder neunten Jahrhundert aus den tibetischen Foothills in die Niederungen des Ayeyarwaddy-Tals auf, da ihnen Schneeballschlachten zuwider waren. Da vermischten sie sich naturgemäß mit bereits ansässigen und wohl aus Indien stammendem Volk, weil, wer vögelt nicht mal gern exotisch?

Wanderer

Der Name „Bamar“ wiederum stammt von indischen Einwanderern im Schlepptau ihrer englischer Herren Kolonisten. Die Briten machten daraus „Burma“ und die Deutschen „Birma“. Und Kolonialbuben haben immer recht, das ist allgemein bekannt.
Weil sie bessere Waffen haben. Also stimmt alles und nichts. Aber die jetzige Regierung hätte halt gerne, dass man Myanmar sagt.

Nun gut, allerdings wollten wir nicht zuviel Zeit in der Stadt vergeuden, weil 28 Tage auf den Straßen Myanmars ist lange nicht soviel wie es sich anhört. Visum verlängern ist leider (noch) nicht.

Sirene

Oder doch, irgendwie: man kann im Prinzip seinen Aufenthalt willentlich überziehen und die Strafe für die einzelnen Tage bezahlen, die sich am Ende wohl kaum auf mehr als die Kosten für ein weiteres Visum belaufen dürfte. Ich denke, das war zumindest zu dem Zeitpunkt der Status Quo bezüglich einer etwaigen „Visaverlängerung“.

Ticket?

Wie auch immer, das sirenenhafte Palmenrauschen von Ngapalis Traumstränden umspielte bereits sacht unsere Ohrmuscheln, und da wir keinen Strick hatten, um uns irgendwo in der Neunzehnten festzubinden, kauften wir schnell ein Busticket an die Westküste, das es laut der staatlichen Behörde für Touristen gar nicht geben dürfte.

Wenn es nach denen ginge, dann müssten wir überall hin fliegen. JA, von wegen! Die Umwelt noch mehr verschmutzen als wir es ohnehin schon taten und dann auch noch den Geiern von der Regierung das hart verdiente Geld in ihre maßgeschneiderten Unterhosen stopfen, wo es dann still und heimlich versickert wie der Fallout ihrer metastasierten Prostata; herzlichen Dank, aber nein.

Aber jetzt habe ich den Schlusspunkt verpasst, naja, kann passieren.

 

Schrein

Biber

Glocke

Timing

Volk

Same same

Gold

Labyrinth

Geistige Antennen

Tempel

Anbetung

Überzogen

Morgentau

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Bitte umblättern: Dionysos & Kleopatra…

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