24

Feb

Entspannungskrämpfe; Oder: Die Agonie der Stille

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Überschwemmung…
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Sodann umfing mich der süße Treibsand des Nichtseins und verschlang mich mit Haut und Haaren, bis nur noch die dunkle, unerklärliche Leere des puren Seins meinen Geist erfüllte.

Blick vom Ravi Teja

Genüsslich lehnte ich mich in den weichen Polstern des offenen Restaurants zurück. Die Idee, das Guest House zu verlassen, erschien so absurd wie eine Schnecke im gelben Trikot auf der Tour De France, die Entscheidung zwischen Milchkaffee und Chai so schwerwiegend wie der Atomausstieg.

Das dauerte circa eine halbe Stunde. Dann begann das Kopfkino:
AAAABER! Ich könnte doch an meinem Blog schreiben.

Mein Blutdruck schoss in die Höhe wie ein Schuhplattler mit frisch geernteten Chilischoten unter der Lederhosn. Keuchend und kammerflimmernd würgte ich den geißelbewehrten Kloß meiner auf Werkseinstellungen zurückgesetzten Verpflichtungshaltung hinunter und brachte unter Einsatz einiger Lebensjahre meinen konvulsivischen Körper wieder unter Kontrolle.

Sissyphus

Bis der nächste Anschlag meiner höchst eigenen Taliban-Zelle verübt wurde:
Ich könnte doch die Gegend erkunden, wandern, Ruinen bestaunen, Reisfelder durchwaten, Felsbrocken die Hügel hinauf rollen – rund genug waren sie ja – und sie hernach zu einem Mandala zusammenfügen, welches man noch vom Mond aus betrachten kann. Ich könnte Kornfelder stampfen und zur Verblüffung der Nasa die Nazca-Linien nachzeichnen und dergestalt einigen übernervösen Verschwörungstheorikern auf Blutverdünnern zu einem gnadenvollen Tod verhelfen.

Zorn verhüllte mein Blickfeld, Wut über mein eigenes Unvermögen zur inneren Einkehr im Nachgang zur äußeren wogte durch meine Adern.
Aber ich mach das ja nicht zum ersten Mal. Gekonnt und routiniert ließ ich mich erneut zurücksinken, atmete tief in meinen Blinddarm und leerte meine zuckenden Gehirnwindungen, um erneut in die abgrundtiefe Stille der Meditation zu versinken…

Ein Fest

…Kinder und Jugendliche plantschen, spritzen, keuchen und prusten im verstörend klaren Wasser des Flusses, veranstalten ein Fest des Lebens.

Das Tuckern und Röhren der Personenfähre, während sie mühsam zwischen den Ufern hin- und herpflügt.
Einige der Passagiere sitzen auf Mopeds, welchen ich – lediglich an der kräuselnden Oberfläche meines Bewusstseins sorgenerfüllt – zusehe, wie sie wie der Terminator ihre Öfen auf das Boot mänovrieren.

Bunte Vögel flattern emsig tschirpend von Baum zu Baum, die Schmetterlinge in ihrer Welt weiter unten versuchen still, es ihnen nachzutun.
Auf der anderen Seite ragen die großartigen Tempelbauten der alten Metropole auf, prall und abenteuerliche Fremdartigkeit verheißend.

Motten

Kinder und Touristen (oftmals das gleiche) paddeln vergnügt in geflochtenen Korbbooten über den Fluss, die aussehen wie ein umgedrehter Schildkrötenpanzer. Majestätische Vogelschwärme fliegen wie Motten in Richtung der orange und rot flirrenden Abendsonne.

Obwohl es nur ein winziges Dorf ist, hallt die Umgebung wider von bellenden Hunden, johlenden Frechdachsen, welche schon bald zu heftig gestikulierenden und schnatternden Erwachsenen heranwachsen, und plärrenden Musikanlagen, deren Playlists einem manchmal einen sauren Knoten ins limbische System tackern. Sie hallt wider vom heiligen Hupen der tuckernden Auto-Rikschas sowie dem stolzen Knattern der altehrwürdig rostenden Royal Enfields…

Egal, wie wenige Einwohner ein Ort hat, es ist IMMER Verkehr. Dann müssen halt die wenigen die ganze Zeit hin und her über die Hauptstraße düsen wie nach einem Schlagtreffer beim Cricket.

Zum Licht

Ich habe mich schon oft gefragt, ob es in Indien nicht sowas wie ein Kilometergeld gibt, eine Art bedingtes Grundeinkommen, solange man nur Sprit verbraucht.

Dergestalte Übungen verhalfen mir zu einigen glückseligen Momenten vollkommenen Friedens, und die Himmelfahrt schien nur einen Tuk-Tuk-Hopser entfernt.

Doch ein ums andre Mal schlich sich ein neuer oder alt gärender Gedanke in mein Bewusstsein, und wieder erfassten mich Unwillen und Missmut.
Zefix, ich werd‘ mich doch wohl noch im Urlaub unter Palmen und ihren damischen Kokosnüssen entspannen können! MIT STROHHALM!!
Schau die Reisfelder Herrschaftszeiten! Ist das nicht IDYLLISCH??!! Kreizdeifi, b’stell des verreckte Birnen-Lassi und rauch an Joint, du Haderlump, du greisliger! Hier geht’s um GEMÜTLICHKEIT!!!!

Stille

 

Krone

Steingravuren

Spalier

Dazwischen

Stock und Stein

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Bitte umblättern: Begegnungen…

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