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Schwimmweste?

Air Arabia macht das ja clever. Das Sicherheitsvideo, das sich normalerweise schon mit Fleiß kein Mensch vor dem Start reinzieht, haben sie mit lauter Kindern drehen lassen, die jeweils Einweiser und Fluggäste mimen, und das so zuckersüß und lustig, dass man sich das sogar gerne noch ein zweites Mal anschaut.

Was sonst todesunprofessionell wirken würde, lässt sich so auf charmante Weise verdeutlichen: Die Schwimmwesten befinden sich unter dem Sitz.” Aber ganz ehrlich, hat irgendjemand jemals schon mal nachgeschaut, wo genau die sind und wie man sie im Ernstfall da unten raus bekommt?

Das wird nämlich nie gezeigt. Ich bin mir ziemlich sicher, das mit den Sauerstoffmasken würd‘ ich hinkriegen, aber die Schwimmweste? – Wahrscheinlich nicht ohne mittelschwere Verletzungen.
In diesem Video jedoch hängt ein Junge kopfüber hinter dem Sitz und zeigt auf die Weste darunter. Ja? Wie ich schon sagte, ziemlich clever.

Der Damawand

Nachdem ich die Treppe nach der Gepäckaufnahme am Flughafen auf feindliche Bewegungen sondierte, rollte ich mich gekonnt über meine rechte Schulter ab und suchte Deckung hinter einem Blumenkasten. Es schien alles ruhig. – Zu ruhig. Ich vergewisserte mich, dass ich unbemerkt blieb, und robbte klammheimlich Zentimeter um Zentimeter zu einem Geldwechselinstitut.

Der Angestellte entdeckte mich erst, als es bereits zu spät war. Ich hielt ihm mein Campingbesteck an die Halsschlagader und schrie aus Leibeskräften, er solle SOFORT 20 Euro in Riyal umtauschen, wenn ihm sein Leben und das seiner Familie lieb sei.

In dem Moment, als meine Versorgung gesichert war, sprintete ich mangels Deckung zum Ausgang, brach durch die Tür und kaperte ein Taxi, nachdem ich den Fahrer mit meinem Hüttenschlafsack betäubte. Ich trat aufs Gas und bahnte mir meinen Weg Richtung Tehran, nichts konnte mich jetzt noch aufhalten.

Vorurteile

Verwirrt runzelte ich die Stirn, während ich die Schranke der ersten Mautstation im Bruchteil einer Sekunde zu Zahnstochern verarbeitete.
Irgendwas konnte nicht stimmen. Kein Flankenfeuer, kein Artilleriedonnern, keine versteckten Heckenschützen, die mir die Reifen zerschießen. Das einzige Geräusch das sanfte Brummen des erstaunlich gut verarbeiteten Asphalts unter meinen Füßen.
Wo waren die ISIS-Geschütze, ihre auf Pick-Ups montierten Flaks? Nicht einmal ein nuklearer Pilz war am Horizont zu sehen.

Enttäuscht sicherte ich meine Kamera wieder und legte sie auf den Beifahrersitz.
Sind denn Geheimdienstjournale heutzutage überhaupt gar nichts mehr wert?

Nur der Form halber rammte ich während des Überholvorgangs ein paar einheimische Fahrzeuge, um mir den Rücken frei zu halten.
Man darf diesen Burschen niemals trauen. Im einen Moment bieten sie Dir eine Wasserpfeife an und im anderen hängt man kopfüber gefesselt an einem Kebab-Spieß.

Bescheidene Ruhestätte

Rechts von mir erhaschte ich einen verstohlenen Blick auf die Minarette von Khomeinis Grabmal. Nach eingehender Prüfung des umliegenden Geländes erwählte ich es zu meiner ersten Operationsbasis; es sollte mir ein leichtes sein, das Wachpersonal und die wenigen kollateralen Touristen zu überwältigen. Mit einem kurzen, geschulten Blick erfasste ich exakt ihre Zahl. Es waren nicht mehr als 78.

Mit quietschenden Reifen brachte ich das Vehikel vor dem Kassenhäuschen zum Stehen, fintierte einen Ticketkauf, tauchte jedoch kurz vor der Geldübergabe nach links unten ab, nahm erneut Anlauf, warf mich mit voller Wucht gegen einen Passanten und hieb ihm meinen Reiseführer in die Magengrube.

Zum Angriff?

Ich ließ ihm keine Zeit zur Reaktion, sondern schlang ihm das Ladekabel meines Tablets um den Hals. Auf Farsi verlangte ich den genauen Aufenthaltsort seines Brigadekommandanten zu erfahren, während ich ihm durch eine leichte Erhöhung des Drucks um seine Luftröhre die Alternative aufzeigte.

Er blinzelte jedoch nur verwirrt und bot mir mit einem demütigen Lächeln sein Brot und ein Sprite an. Er werde ja wohl nicht glauben, dass ich auf so einen billigen Trick hereinfalle. Ha!! Sprite! Wenn der ein Neoliberaler ist, bin ich ein lachender Derwisch.

Doch auch nach drei Stunden Verhör unter Schlafentzug war in der Tat nichts aus ihm herauszuholen und deprimiert musste ich mir eingestehen, dass er wohl die Wahrheit sagte.

Nur noch halbherzig wirbelte ich in einem Drei-Achtel-Salto um ihn herum, trat ihm von hinten gegen das Wadenbein und unterstützte seinen Fall mit einem gezielten Ellbogenstoß in seine unteren Rippen. Noch während er das Bewusstsein verlor, grübelte ich weiter über meine so verfahrene Situation.

Keiner will!

Das war kein würdiger Gegner! Niemals hatte jener eine fundierte terroristische Ausbildung genossen. Ich blieb weiterhin unbehelligt und alles um mich herum totenstill.

Was war nur mit der Welt geschehen?

Khomeini-Grabmal

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