15

Jun

Geweihnachten

Oh Du fröhliche, sittsam sterbliche –
Oh Du selige, Plätzlein mehlige,
Gnadenschwingende Geschenkezeit
In flirrendem Kleid aus Nervenleid.

Was nur fehlt, ist die Gemütlichkeit;
Hat’s denn wenigstens geschneit?

Englein singen, Eltern schrein;
Kerzen brennen, Kindlein flennen.
Väter vergehn im Christbaumrennen:
Ist einer da, sie zu verstehn?

„Zu groß, zu breit, und überhaupt!
Dass dieser Schuft es sich erlaubt,
So einen Krüppel vor allen Dingen
In unser schönes Haus zu bringen!“

Doch kann man Mutter es verdenken?
Plagt sie sich wohl von früh bis spaten
Mit Kaffee, Kuchen und dem Braten:
Man sollte beiden einen Orden schenken.

Auf Kommando stillgestanden!
Prrräsentiert der Ellen Kanten,
Und seid gewappnet für den Kauf!
Wer überlebt den Rutenlauf?

Im regalnen Labyrinth,
Vollgestopft mit Waren,
Der Faden aus Geduld zerrinnt.
(Wollten wir nicht sparen?)

Wo gute Absicht sich verlief…
Wer bleibt da noch kreativ?
So welkt Ruhe, welkt Besinnlichkeit
– Welch sonderbare Eigenheit! –

Im Stechschritt biedrer Perfektion.
Verkehrte Welt aus ihnen dringt,
Und immer tiefer, tiefer klingt
Der spitze Keil aus schwarzem Hohn.

Und doch, und doch, und doch…

Beim Krippenspiel der Kinder
Zur Sonnenwend’ im Winter,
All das Lachen, ihr Geschnatter;
Taumeln Sinne satt und satter

Hinein ins Schwarze Gaumenloch.

Das Leuchten kugelrunder Augen,
Vertausendfacht im Lichterschein,
Spült wunde Seelen zaubrisch rein
Und scheint dem Weihnachtsmann
Zu taugen.

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