3

Apr

Geschafft: Ungefähre Punktlandung

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Unsichtbare Entscheidungen…
———————————————–

Irgendwie da

Vom Arbeiten im Besonderen und vom Leben im Allgemeinen ziemlich geschafft landete ich also in Allahmabad und fragte mich, wie ich die nächsten Tage nur überstehen soll, ohne sicherheitshalber in ein Koma zu fallen. Diese Übersetzer-Schrägstrich-Dolmetscher-Tätigkeit macht zwar einen Heidenspaß, ist aber mordsanstrengend.

Also, eigentlich bin ich viel zu fertig und überhaupt ist mir alles zu stressig. Ich bin nicht fit in der Birne, sonst eingespielte Abläufe geraten ins Stocken, Handgriffe gehen daneben, ich bin schüchtern und in mich gekehrt, selbst mein Englisch kommt nur zögerlich. Die Zeit scheint mir zu zerrinnen wie Butter in einer Pfanne, die in einen Vulkan geworfen wird. Beste Voraussetzungen.

Korodierungsgruppe

Kultas würde jetzt seine vergnügt glitzernden Augen verdrehen und sich über die heutige Arbeitsmoral der Jugend auslassen, aber das ist in Ordnung, weil er grinst immer so schelmenhaft dabei. Er ist Berater von Andarion sowie Unterstützer der Englisch- und Französisch-Übersetzung, so eine Art Allround-Feuerwehr.

Andarion ist Hauptkorodinator und korodiniert antiautoritär die Korodierungsgruppe.

Planvoll

Warum Französisch? Nun, von der eigentlichen Gruppe waren außerdem anwesend Euphorius aus dem Congo, alte französische Kolonie, sowie Prabaker, für dessen Heimspiel ich zuständig war. Morty, Prabakers langjähriger Freund und Mentor, war der eigentliche Dolmetscher für Euphorius, weil er früher mal an der Sorbonne studiert hat.

Und wer ist Reynbold? Reynbold war ebenfalls Berater von Andarion, Schriftführer und Disziplineur extraordinaire. Er hat geschaut, dass wir immer zu allem möglichem pünktlich sind und der Zeitplan eingehalten wird, was trotz seiner übermenschlichen Anstrengungen gründlich in die Hose ging. – Wir sind hier in Indien, hallo?

Gettin‘ real

Dazu kamen noch einige Funktionäre oder so sowie Mitglieder der Nationalen Vorbereitungsgruppe Indiens, welche aus dem verzauberten Irrwald der hiesigen linken Gewerkschaftsbewegung der Bergarbeiter rekrutiert wurden. Dies also war unser marxistisch-leninistischer Stoßtrupp.
Seid Ihr jetzt einigermaßen verwirrt? Sehr schön.

Am Flughafen gab’s erst mal einen kleinen Schluckauf, weil ich völlig vergessen hatte, dass man zur Einreise in Indien ja eine Adresse parat haben muss, wo man sich denn zumindest die ersten Tage theoretisch und offiziell befinden täte.

Kennenlernen

Die hatt’ ich natürlich nicht im Handgepäck. Also hat die freundliche Dame am Info-Schalter den Namen eines nahebei gelegenen Hotels auf den Zettel gekritzelt und mich gefragt, ob ich denn eine inländische Telefon-Nummer wüsste… „IRGENDeine“.

Im Vorbeigehen hatte ich durch Zufall auf einem Werbeplakat eine Handy-Nummer gesehen und sie ihr nach bestem Wissen und Gewissen diktiert, dann aber meinte sie, es fehlten noch zwei Zahlen.
Ich: „Dreiii… fünf?“ Ok, ab zum Schalter, der sich keine zehn Meter weit weg befand und von dem aus der zuständige Beamte in Ruhe zuschauen konnte, was wir da fabrizierten. Seit geraumer Zeit bereits war ich der Allerletzte bei der Passkontrolle.

Interview

Das war ihm wohl doch ein wenig zu viel und hat mich spontan an seinen Kollegen verwiesen. Der schaut mich eingehend an und klatscht schließlich den Stempel drauf. Easy.

Zudem hatten mein Abholer und ich uns irgendwie verpasst. Das wollte ich Prabaker per Mail mitteilen, aber um das wifi dort benutzen zu können, braucht man wiederum eine indische Handy-Nummer, was nur natürlich und sehr sinnvoll ist auf einem internationalen Flughafen. Im dortigen Hotel hab ich dann zwei Euro bezahlt, um herauszufinden, dass ich mich nicht in meinen Account einloggen kann.
Aaah, ich bin endlich wieder unterwegs.

Mein guter Prabaker

Nach ein paar Stunden ruft mich dann Prabaker auf meinem deutschen Handy an und sagt mir kostenbedingt kurz angebunden, ich solle schnell in ein Taxi steigen, dem Fahrer die angezeigte Nummer geben, damit er Prabaker anrufen und sich von ihm zu seinem Haus lotsen lassen kann. Irgendwie geht’s immer.

Circa eine Stunde und 180 Hindi-Beschreibungen später sitze ich nach meiner ersten Kübeldusche und dem ersten vollkommen authentischen und zum Heulen leckeren indischen Mahl im Heim meines sprachlichen Schützlings mit einer Tasse Chai in der Hand und unterhalte mich angeregt mit Morty, während Prabaker hin und herflitzt und unerklärliche Dinge tut.
Ich bin angekommen.

Look therre

————————-

Bitte umblättern: Studie über Zauberwürfel…

Post a Comment