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Mrz

Sind Sozialismus und Selfies vereinbar? – Bitte recht freundlich

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Roger. Over?…
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Rauschen

Diese Region war seit jeher, zumindest seit Indien‘s Unabhängigkeit ein Brennpunkt zum Teil bewaffneter Arbeiterkämpfe und Bauernaufstände, und überall prangen Hammer und Sichel an den Straßen, während Karl Marx, Engels, Lenin, ja selbst Mao und Stalin mit ihren altehrduseligen Rauschebärten die Büros der verschiedenen UPSI-Zentralen zieren.

Denn das haben die Linken noch immer nicht gelernt. Kaum gibt es einen unliebsamen Konflikt, spalten sie sich schneller als ein schlotterndes Atom mit Platzangst. So gab es „die eine“ UPSI, „die andere“ UPSI (Sie hatten noch nicht mal Zeit, sich einen neuen Namen zu überlegen.) und die OUPSI. Erstaunlich.

Doch umso größer war der Verdienst der Nationalen Zubereitertruppe, dass sie es schaffte, alle drei Zankhähne an einem Tisch zu vereinen, um dieses einmalige und in dieser Region nie dagewesene Event über den Tisch, will sagen die Bühne zu ziehen.

UPSIs

Zumindest, bis sich auch die letzten aufgewühlten Feinstaubpartikel wieder zu ihren Gesellen auf den Baumwollfeldern gelegt haben. Ob sie jedoch noch immer einträchtig händchenhaltend in den Sonnenuntergang spazieren oder sich mittlerweile gegenseitig die Augen ausgekratzt haben, das vermag ich nicht zu sagen.

Kumpels dürfen das ja hier. Aber wehe, man umarmt eine lange nicht gesehene Genossin! Das war auch ganz anders als am Strand. Da haben sich alle offenherzig und vor aller Augen geliebt, hier gibt es dazu verschlossene Türen.
Selbst Rauchen ist auf offener Straße strengstens verboten, und das meine ich bitterernst.

Mahlzeit

Denn hierher verirren sich wenige bis wohl eher gar keine Touristen, so dass die Leute erst ganz schön blöd aus der Wäsche schauen, wenn man es wagt, mit der linken Hand zu essen. Doch sobald sie ihre Fassung wiedergewonnen haben, weisen sie einen mit bösem Blick darauf hin, dass das in ihren Augen eher ekelhaft ist.
Zu dumm, wenn man wie Karladriel Linkshänderin ist.

Es ist wieder was passiert…

Gegen Selfies haben sie freilich nichts. Im Gegenteil. Wenn man irgendwo hinkommt, kann man sich erstmal eine halbe Stunde gar nicht bewegen, weil ungefähr zwei Volksstämme in den unterschiedlichsten Konstellationen drei bis acht Fotos mit einem machen wollen: Hochformat, quer, schick schräg, oh kein Blitz und hör mir auf.
Man kommt einfach nicht vom Fleck, denn wie von Zauberhand steht sofort der nächste da, noch während man dem anderen kopfwackelnd die Hand schüttelt.

Das ist gefährlich! Leute verdursten und verhungern deswegen, ehrlich.
Fast täglich sieht man Gerippe in der Zeitung abgebildet, deren brüchige Knochenhand noch immer den Pappbecher mit kaltem Chai umklammert in dem verzweifelten Versuch, ihn zum ausgedörrten Mund zu führen.

Sorry

Selbst ich, der ich über die Jahre die Geduld eines mittleren Gebirges aufgehäuft habe, musste einige Male schwer schlucken und auch die letzten Reste meiner erodierten Contenance zusammenkratzen, um meine Mundwinkel zu einem gequälten und insgeheim rachsüchtigen Lächeln zu verziehen, das wenig vertrauenserweckender wirken konnte als das vom Joker.
Abarbeiten eines Karmas, verseucht mit jahrelangen, heimlichen Einheimischen-Portraits.

Andere Sitten

Arbeiter

Keine Gerippe, Gott sei Dank

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Bitte umblättern: Zweifelhafte Motive…

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