14

Feb

Spieglein, Spieglein: Einsamkeit

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Nirgendwo…
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Heilig

Ja. Ich bin ein Spiegel der Menschheit, auf Gedeih und Verderb ein Mikrokosmos dieser Welt. Ich bin alles und gleichzeitig nichts. Das klingt schrecklich plakativ und nichtssagend, aber wenn man näher darüber nachdenkt (oder in meinem Fall andere auf youtube für sich nachdenken lässt), dann entspringt aus dieser scheinbaren Beleidigung des guten Geschmacks ein ziemlich abgefahrenes Universum. Aber das würde mich vollends aus der Bahn werfen, in mehrerlei Hinsicht. Es wäre vor allem an dieser Stelle zuviel des Seitensprungs in der Schüssel der Erkenntnis.

Zumindest bin ich nicht das, was mein Ego mir einreden will. Aber versuch mal, von einem dreißigjährigen psychedelischen Horrortrip in feinster Trainspotting-Manier runterzukommen. Der Entzug dauert Äonen und verschlingt Weltalle, meint man, bevor man endlich aus der flirrenden Matrix auszusteigen vermag. Nicht gemacht von entfesselten Maschinen, sondern von meinem gefangenen Selbst.

Oh je. Das alles aufgeben? Na, viel Glück damit. Gleichwohl könnte man versuchen, einer Meerjungfrau zu widerstehen, deren Schönheit die göttlichen Windungen der Schöpfung selbst zeichnet, mit Augen aus Sternenmeeren, Lippen wie eine saftige Tropenfrucht und einem Sirenengesang, der die Musik sämtlicher Lebensalter in ihren grenzenlosen Ursprung zurück lockt.

Ich bin zu verwundet zum Leben und zu heil zum Sterben.
Aber das ist es letzten Endes. Jede Reise ist ein kleiner Tod. Jede Unternehmung verändert einen, man lässt einen Teil von sich zurück und bringt etwas Anderes, etwas Neues zurück.

Mmm. Solcherlei melancholischen Gedanken gehören eigentlich eher an das Ende einer Reise. Dabei sitz‘ ich doch grade mal den ersten Tag auf der harten Pritsche meiner Unterkunft in Hyderabad. Weiß nicht mal, wie der Schuppen heißt, wo ich eingecheckt bin. Einer ist so gut wie der andre.

Dekonstruktion

Nein. Ich bin definitiv kein Einheimischer. Nirgendwo. Ich kann mich erst wahrhaftig zuhause fühlen, wenn ich aufhören kann, zu suchen. Vielleicht ist es aber auch nur meine Bestimmung in diesem Leben. Und im nächsten. Was weiß ich.

Je älter ich werde, desto mehr gefällt es mir, nichts zu wissen. Man hat mehr seine Ruhe. Weniger Ballast. Mehr nichts. Mehr alles. Weniger ich.

Welches ich? – Na, all die Bilder und Urteile und Kategorien.
Das ungeheuerliche Konstrukt, das gähnende Monster, die verführende Schlange im Turm zu Babel, zu Füßen der sich knarrend öffnenden Büchse der Pandora. Der erste und einzige große Fall von der immer währenden Gnade.

Dieser kleine, simple und unschuldige Gedanke, dass ich – ich bin. Und nicht Du. Und schon gar nicht dieser stinkende Müllhaufen unserer menschlichen Errungenschaften, herzlichen Dank.

Nein. Ich bin ANDERS. Ich bin BESSER. Ich bin. EINZIG. Artig. Ich bin besonders. GOLLUM! GOLLUM! Steffen ist nicht so wie wir! Spendenkonto 114! Noch immer liegt mir das gellend bösartige Geschrei unerbittlicher Schrazen in den Ohren, ich einer von ihnen. Oh bitte, bitte! Lasst mich Teil von Euch sein!
Denn mit der Besonderheit kommt die Einsamkeit, dieses kalte und beängstigende Gefühl der Trennung von allem anderen.

Mit derartigen Tiraden haben wir früher immer die Außenseiter gehänselt. Woher hätte ich denn wissen sollen, dass mir mit diesem kleinen, simplen und unschuldigen Satz die Schöpfung mitten in die Fresse haut?

Übrigens dürfte David jetzt in etwa so alt sein. Mein kleiner Cousin, der mir zu Weihnachten ein fantastisches Tagebuch geschenkt hat. Auch er ist anders als ich…

 

Schöpfung

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Bitte umblättern: Keine Panik…

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