23

Feb

Überschwemmung zu Neujahr

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: SIMsalabimm…
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Immer noch recht früh empfing mich die weiche Morgensonne sowie eine anständige Armada Auto-Rikschas (hierisch für Tuk-Tuks).
Also schön Jungs. Zeigt mal, was ihr drauf habt.

Ruinen

Nicht viel. Der Bus von Hospet nach Hampi setzte mich inmitten der Ruinen der mittelalterlich herrschaftlichen Ruinenstadt Vijayanagar ab, gespickt mit zwei imposanten Hindutempeln; ich fühlte mich wie ein Mikrowellen-Entdecker. Das anliegende Dorf bestand zum großen Teil aus Gästehäusern, Restaurants, Souvenirläden und Wechselstuben; der typische Touristenslum.

Mein Reiseführer jedoch empfahl mir die Hippie-Insel auf der anderen Seite eines Flusses, welcher sich malerisch durch das von Steinhügeln umrahmte Tal schlängelte. Jene Anhöhen waren von rundlichen Felsen bekränzt, die dem Zufall amüsiert in sein peinlich berührtes Gesicht spuckten und mit der Gravitation Verstecken spielten.

Es war bereits sehr heiß, und noch während ich die Stufen der Ghats hinunterstapfte, grübelte ich darüber, ob es sich überhaupt lohnt, die strapaziösen zehn Minuten Fußweg inklusive Flussübersetzung in Kauf zu nehmen. Doch bereits an der Fähre lernte ich einen netten einheimischen Touristen kennen, mit dem ich mich alsdann bestärkt auf Zimmersuche begab.

Reinemachen der Seele

Das war freilich nicht einfach. Denn ich bin extra einen Tag früher aus Hyderabad abgereist, um zu erleben, wie Rainbow Warriors und Iyengar-Extremisten mit Pump-Action Didgeridoos im Anschlag Silvester feiern. Jene famosen Recken sahen sich aber indischen Freischärlern gegenüber, welche wie ein ausgelassenes Gurkha-Bataillon auf Junggesellenabschied herzhaft einen ihrer wenigen freien Tage im Jahr begingen.

Das lahme Ende meiner ausgiebigen Ausschweifungen zeigt sich nun in der unwiderruflichen Tatsache, dass aufgrund des Feiertages die Zimmerpreise flugs nach oben schnellten wie Popeye nach einer ordentlichen Ration Spinat. Was fast schon egal war, da eh alles ratzeputz ausgebucht war.

Eines der letzten und günstigsten Zimmer belief sich auf stolze 1.500 Rupien (etwas über 20 Euro)… Solche Wucherer wären vor 600 Jahren geteert und gefedert und mit Schimpf und Schande aus der Stadt gejagt worden.

Heimelig

Einen Tag später, als der lärmende Massenspuk vorbei war, checkte ich ganz entspannt in das gemütliche Ravi Teja Guest House für bodenständige 350 R‘s ein.

Hm? Ob ich also die anrüchige Summe für die eine Nacht bezahlt habe? Natürlich nicht! Lieber hätte ich mich zu den Tempelaffen auf einem der Aussichtshügel gesellt und mit ihnen Shithead gespielt.

Da oben saß ich im übrigen am liebsten und starrte besonnen und verglückt auf die riesigen Felsen inmitten der weitschweifenden Wälder und Ländereien, welche wie Spielbälle dorthin geworfen zu sein… worden… schienen.

Verwandtschaft

Sie vermengten sich in der fahlen, so typisch scharf umrissenen Scheibe der untergehenden Sonne zu einem ätherischen Gemälde, bevor diese sich bescheiden und ohne jegliches Fanfarengeläut zwischen dem diesigen Nebelschleier am Horizont verlor.

Dort oben herrschte eine paradiesische Stille, wenn man von dem schüchternen „Chai?“ oder „Black Tea?“ der geschäftstüchtigen Burschen absieht, die ab und an wie aus dem Nichts zwischen den Steinen und Sträuchern aufzutauchen – schienen.

Als wir buchstäblich bei der letzten Unterkunft ankamen, erging es uns wie seiner Zeit Josef und Maria.
Die überaus sympathischen Mitarbeiter wiesen uns einen Stall in Form zweier Matratzen im dortigen Restaurantbereich zu, wo wir die Nacht umsonst verbringen durften:
„It‘s New Yearr, so anyway nobody sleeps tonight.“
Sehr entspannt. Vielleicht ersetzte mein eulenhafter Rehaugenblick den Effekt von Maria‘s ausgebeultem Bauch, aber das ist nur meine bescheidene Theorie.

Flucht

Jedenfalls verbrachten wir dort die wohl teuerste Nacht des Jahres, ohne auch nur einen Groschen zu berappen, was ich schon ziemlich shanti fand.
Bis um etwa drei Uhr morgens, als das Gekreische und Gescheckere der Inder mit Augen auf Dreiviertelmond, das jedem aufrechten Piraten in Tortuga vor Entsetzen die Rumflasche um sein Holzbein gedrechselt hätte, mir unversehens weit weniger drollig erschien.

Ich versuchte, den Preis meiner hyperventilierenden und unter Melatonin-Durchfall leidenden Hypophyse konzentriert zu ertränken, aber mit diesem liederlichen Kingfisher kannst nicht mal eine frisch geschlüpfte Fruchtfliege unter den Tisch saufen. Leg sie für drei Wochen in der lauen Brühe ein, und sie schüttelt nur gelangweilt ihre Flügel und legt, ohne mit der Wimper zu zucken, einen schnalzenden Donauwalzer auf‘s Parkett.

Vorgarten

Die siebte Plage verzog sich jedoch rascher als ein biologisch abbaubares Deodorant, und bald kehrte Ruhe ein in das von Kokosnusspalmen bestandene Reisfeld, um das sich die mannigfaltigen Guest Houses kuschelten.
Sie erschienen allesamt wie aus einer Schablone gestanzt. Wahrscheinlich kriegen die ihre Einrichtung alle beim gleichen Händler, der sich wohl schon überlegt, welches Land er sich als nächstes kaufen soll.

Ohne Zeit

Lichterdunst

Halb versteckt

Hindu-Tempel

Ein Stückerl Kultur

Flanke

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Bitte umblättern: Entspannungskrämpfe…

 

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