15

Jan

Verlorene Welten im Busch; und was sie einen kosten

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Perspektivischer Burnout…
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Schwarz vor Augen

Außer ein paar versprengten Peace-Corps-Volontären und grimmig drein schauenden Businesstypen aus China war mir noch weit und breit keine andersfarbige Seele begegnet. Dementsprechend wurde ich von den Einheimischen mit Mäulern auf Durchzug angeglotzt. Sie wollten immer nur eines wissen:
„Wwhat du yu work hea?“ – „No, nothing, I’m just travelling.“ – Unverständiges Staunen.

Auch die Verpflegung driftete immer stärker in Richtung „Nshima“.
Das ist so ähnlich wie Kartoffelpüree, nur fester und weiß, obwohl es aus Mais ist. Schmecken tut es nach fast nichts, und man muss es strategisch essen, weil man sich sonst so dermaßen die Griffel verbrennt, dass einem schwarz vor Augen wird…

In Acht

Das ist so wie bei Lava. Am besten wartet Ihr, bis sich eine ausreichend dicke Kruste an der Oberfläche gebildet hat, bevor Ihr Euch eingehender mit dem Zeug befasst und bis auf unter fünf Metern annähern könnt.

Dazu wird meistens verschiedenes Gemüse, vom simplen Kohl bis hin zu exotischen Süßkartoffelblättern, sowie astronomisch leckeres Hühnchen oder gegrillter Fisch gereicht. In der Tat sollte man sich beim Verzehr vor Gräten und Knochen in Acht nehmen, was allerdings darauf hindeuten könnte, dass die fleischige Masse auf dem Teller wirklich einmal gelebt haben könnte.

Gaah.

Leider konnte ich von den angepriesenen Wasserfällen nur einen besuchen, da mir mein Gönner sein Auto spontan doch nicht leihen konnte. Dennoch kam ich in den Genuss der eindrucksvollen „Ntumbachushi Falls“, zu denen er mich großzügig kutschierte.

Gut versteckt im Dickicht der blühenden Savanne, ergossen sie sich in zwei Hauptfällen dreißig Meter tief in ein Becken, das wiederum von einer traumhaft üppigen und fast schon tropisch anmutenden Landschaft eingerahmt wurde. – Schon so: „Gaah.“

Einladung

Über dem Wasserfall gab es noch einige kleinere Kaskaden mit geeigneten Stellen, die durchaus zu einem relativ gefahrlosen Bad einluden. Da musste mich Mama Africa nicht lange bitten, und so begab ich mich in meinem Adamskostümchen ins kühle Nass, das mir in der Reflektion, ungewollt passend und solidarisch, ziemlich dürr und ausgezehrt vorkam.

In der Tat war das die beste Methode, um mir das Hirn freizublasen, und das effizienteste Gegenmittel an jenem trockenen, sengend heißen Tag. …Tihihi. Also ich, splitterfasernackt und mit einem leichtsinnig breiten Grinsen, plantschte irgendwo im afrikanischen Gebüsch herum. Das gefiel mir schon irgendwie.

Abstecher

Die Rückfahrt in einem Shared Taxi (Sammeltaxi) erwies sich einmal mehr als ergiebig und bereichernd, denn bevor die Karre nicht zu 250% überfüllt war, fuhr der Typ nicht los. Keine Chance, der war da eisern.

Durch die unzähligen Stopps zum Ein- und Ausladen der rege wechselnden Passagiere sowie einem großzügigen Abstecher in den Busch, um Gepäck abzuholen, war wiederum gewährleistet, dass ich jene unschätzbare Erfahrung voll und in ihrem ganzen Ausmaß genießen konnte.

Fußball

Eigentlich war das schon ziemlich nervig, aber dort, auf einer weitläufigen Lichtung befand sich eine Schule, wo die Kids unter einem mächtigen Baumvater Fußball spielten.

Dorfbewohner pumpten von Hand Wasser aus einem Brunnen in ihre Eimer, ein kleines Mädchen in einem Kleid mit mehr Löchern als noch ein paar Fetzen Stoff schob happy und zufrieden einen Fahrradmantel vor sich her; das schien ein beliebter Zeitvertreib der Kleenen zu sein. Ein entrücktes und ganz zauberhaftes Bild tat sich da auf einmal vor meinen erwachenden Augen auf.

Zeitvertreib

Dahingehend warf mich die Tatsache nicht allzu sehr aus der Bahn, dass aus den dreißig Minuten Hinfahrt auf dem Nachhauseweg zwei Stunden wurden, obschon derart laute Musik aus dem Autoradio plärrte, dass selbst die harten Burschen von „Manowar“ zerknirscht und Halt suchend einem Kirchenchor beigetreten wären.

Mein Innenohr kam um Gnade flehend aus meinen beiden Nasenlöchern geflossen, vor lauter Schrecken und Desorientierung.
Ich weiß ja nicht, ob in Sambia alle schwerhörig sind. Unterhalten tun sich die Leute jedenfalls normal.

Umso mehr muss es sie verdutzt und erschreckt haben, da ich sie nach der Fahrt nur noch anschrie, um überhaupt und annähernd einschätzen zu können, was ich da von mir gab. Aber auch solche zwei Stunden gehen irgendwann einmal vorbei.
Zerrüttet und geschunden wankte ich zu guter Letzt glücklich in mein Motel.

Zerrüttet

Vorbei

Aus der Bahn

 

Geduld

Am Brunnen

 

Lichtung

Zauberhaft

Solidarität

Irgendwie

Üppig

Gegenmittel

Savanne

Gebüsch

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Bitte umblättern: Stranger Things…

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