3

Mai

Innehalten: Von Höhlen und Menschen

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Geschnitten oder…
———————————————–

Moment

Die Region um Shiraz war siedlungstechnisch wohl schon zu früheren Zeiten beliebt, sage und schreibe an die 1.000 verschiedene antike Stätten wurden hier entdeckt. Dementsprechend viel gibt es zu sehen.
Ich bin ja ganz blauäugig mit der Vorstellung nach Shiraz gefahren, mir
nur kurz die Stadt und Persepolis reinzudüsen und dann fix weiter zu ziehn.

Neinneinnein: Bishapoor, Firuzabad, Naqsh-e Rostam, Pasargad, um nur ein paar zu nennen. Ruinen, Reliefs, Gräber und Tempel in schlaraffiger Fülle gab es da. Mein Entdeckerherz blutete heftig, aber es half nichts. Ich könnt’ mir das alles geben und dann nix mehr vom Rest des Landes haben. Und das wäre entsetzlich.
So setzte ich zitternd und schluchzend den Rotstift an…

Zeitfenster

Was jedoch nie und nimmer!, unter keinen Umständen und auf überhaupt gar keiner Liste fehlen darf, ist ein Besuch der fabelhaften Nasir Ol-Molk Moschee – zur rechten Zeit. Weil sie bunte Fensterscheiben hat, die im Laufe des Tages mit dem einfallenden Sonnenlicht einige magische Flitterstunden verleben und das Innere der Gebetshalle in ein farbendurchtränktes Wunderland verwandeln.

Und es passiert etwas, dessen man als Tourist wirklich selten Zeuge werden darf:
Nach all den Knips-Orgien und Selfie-Masturbationen (und da nehme ich mich selbst nicht aus – ok, bis auf die Selfies. Ein Quäntchen Stolz ist mir dann doch noch verblieben, vielen Dank.) lassen die Leute ihre objektiven Waffen sinken und setzen sich… für eine Weile… einfach hin.

Anmut

Und schauen jene still fließende Symphonie, diese lautlos klingende Harmonie, dieses hohe Fest der ungehört wispernden Schwingungen unseres gebrochenen Sterns. Es war… etwas ganz Besonderes.

Außer unsere lieben Asiaten. Die scheinen von einer Eiseskälte durchwebt und abgestumpft und posen gänzlich ungeniert, bar jeglichen Fädleins menschlichen Gefühls.
Doch ich glaube fest, dass ganz tief drinnen in einem versteckten Kämmerchen ihres fernöstlichen Herzens eine hauchdünn zarte Saite singt wie eine sehnsuchtsvolle Fee beim Aufgang des silbern schimmernden Mondes.

Wissen

Ja klar. Sonst würden die ja nie in einer Woche durch Europa kommen. Manchmal ist es gut, gewisse Schubladen lieber geschlossen zu halten.
Was das in all seiner Tragweite bedeuten mag, das weiß eben vielleicht der Weise vom Berge.

Zu Beginn hatte ich ja einen seltsamen „Philosophenhügel“ wohl erwähnt, es jedoch schändlicherweise unterlassen, diesen Ausdruck näher zu erläutern.
Folgt mir nun, meine lieben Reisegenossen im Geiste. Doch gebt gut Acht, denn was jetzt folgt, erhebt sich jenseits der Gefilde baren Rucksacks.
…Und doch liegt es in seiner Essenz.

Kuscheltier

Die rasch wachsende uns bisher anderthalb Millionen persische Köpfe zählende Stadt kuschelt sich nämlich in ein weites Tal inmitten den Ausläufern des Zagros-Gebirges. Auf einen dieser Hügel nun kann man leichten Fußes hinaufklettern, um die schöne Sicht über die nüchternen Flachdächer jenseits der verhüllten Perlen in ihrem Herzen zu genießen.

Das tat ich denn eine gute Weile, bevor ich mich wieder an den Abstieg machte. Doch auf halbem Weg winkt mich ein sonderbarer, weißbehaarter Kauz zu sich, augenscheinlich… auf einen Kaffee?
Ich musste meine Augen eine ganze Weile gegen die Sonne abschirmen, um schließlich zu erkennen, dass dieser vortreffliche Zeitgenosse tatsächlich in einer kleinen Höhle über seinem niedlichen Terrassengärtchen wohnte, zusammen mit seinem Hund Jessie.

Ganz nach oben

Der urbane Eremit hieß mithin Moshallah, war früher Architekt gewesen und arbeitsbedingt lange Jahre durch Europa getingelt: unter anderem verbachte er zwei Jahre in einem unsäglichen Kaff in Nordrhein-Westfalen. Dann kam er zurück nach Hause, wo ihm Khoda (Gott) beschieden hat, fürderhin dem weltlichen Leben (bis auf Kaffee und Zigaretten) zu entsagen und sich genau hier, am Hang über der großen Stadt niederzulassen.

Jetzt wisse er alles und könne auf alles eine Antwort geben, ich solle ihn nur fragen. Und obwohl ich das nicht tat, fing er damit an, mir seine Sicht der Welt in einer harsch bunten Mischung aus Inglisi, Almani und Farsi darzulegen. Ich wiederum hörte schmunzelnd zu, schlürfte mein Käffchen und ließ meine Blicke über das hupende und dröhnende Land schweifen im an- und abschwellenden Rhythmus des Städtemeers.

Garteln

Nasir Ol-Molk

Magie

Hochzeit

Am Fuße

————————-

Bitte umblättern:  Ein Schritt zurück…

Post a Comment