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Sachte

Kein Porridge zum Frühstück, dafür Pfannkuchen; ein bissl viel Ei, ansonsten sehr lecker. Gegen acht brachen wir auf zum letzten Abschnitt der Wanderung, immer sachte ansteigend über die weit gewellte Ebene mit ihren famosen Lobelien (die Pflanzen) als Spaliere um uns herum.

Höhepunkt

Lobelia (die Furie) fiel schon bald wieder hinter uns zurück, was wohl für alle Beteiligten sowieso am besten war. Doch konnten wir ihren siedenden Atem in unseren Nacken spüren wie eine schwarz gefiederte Schlange.
Nein wirklich, ich meine, auch sie hatte so mehr Spaß, da sie nicht ständig unserer Gruppe hinterher dackeln musste.

Was für eine Wohltat, als die Sonne endlich über die Berge stieg! Denn es war empfindlich kalt gewesen in der Früh; Nacktyoga zwischen Kühen und Eseln ging da wohl nich’.
Nicht lange und wir erreichten unseren letzten und höchsten Aussichtspunkt auf knapp 4.000m, der jedoch alle anderen abgrundtief in den Schatten stellte. Sein Name war „Imet Gogo“.

Riesenkaries

In der Tiefe des alten abyssinischen Hochlands vor uns erhoben sich senkrechte Felszacken wie das Gebiss eines Titanen, der noch nie eine Zahnarztpraxis von innen gesehen haben mochte. (Wie auch, er ist ja viel zu groß dafür.) Weiter drüben ein einsamer Backenbeißer von einem Tafelberg, egal wohin ich blickte, es war der schiere Wahnsinn!

Schlagzahl

Sodann trennten wir uns von Abraham, denn er hatte als Guide wie immer das kürzeste Los gezogen und musste Lobelia noch einen weiteren Tag ertragen, während Ian, Aseni, Gali, Ohad und ich mit dem alternden Scout Vitali kehrt und zurück Richtung Straße machten. Seine leuchtenden Augen vor uns sandten Güte und Wohlwollen in die Welt.

Wir schlugen ein ordentliches Tempo an mit Aseni als verkannter Schrittmacherin, die sich nach drei Tagen Entzug wohl sehr auf eine ordentliche Mahlzeit freute. Ian meinte, bisher sei in ihrem Leben kein einziger Tag vergangen, an dem sie nicht zumindestens einmal Injera gegessen hatte.

Unter Dach

Schweren Herzen sagte ich also jener anmutigen und doch dramatischen Landschaft mit ihrer einzigartigen Vegetation Ade, bevor wir eine Senke durchquerten und wieder unter das behütende Dach eines Zauberwaldes tauchten. Man könnte die Stämme vor lauter Moos kaum mehr erkennen.

Blumenmeer

Als wir wieder ans Tageslicht traten, krähten Ian und ich nach einer Trinkpause, denn so langsam fuhr uns Asenis Schlagzahl in die müden Knochen. Meine Socken fühlten sich mittlerweile an wie eine zweite Haut, feuchttrocken und am Abschälen.
Das war im übrigen in den Bale Mountains nicht anders, aber der Spruch war mir erst jetzt eingefallen.

Ein gutes Stichwort, denn in der Folge erging es mir ähnlich wie dorten, da wir erneut in ein fantastisches Blumenmeer traten übersät mit weiß leuchtenden Blüten, die aussahen wie unsere Gänseblümchen, dazu allerdings mit fiesen Stacheln bewehrt waren. Eine Augenweide, gar keine Frage.

Hänge

Etwas später wollten wir es uns auf ein paar Felsen an einem leicht abfallenden Hang eben zum Lunch gemütlich machen, als Ian auf einmal aufgeregt nach vorn deutete! Wahrhaftig. In etwa fünfhundert Meter Entfernung schritt tatsächlich ein stolzer äthiopischer Wolf durch unser Blickfeld, kaum größer als ein Fuchs.

Als wir Abraham einen Tag später in Gondar trafen, meinte der, dass es sich viel eher um einen gewöhnlichen Schakal gehandelt haben muss, aber ich bin nach wie vor felsenfest davon überzeugt, dass es ein Wolf war.
Noch einmal für die Akten: es war definitiv, ausschließlich und unzweifelhaft ein ausgewachsener, zähnestarrender Wolf. So. Haken.

Pixel

Mir war es sogar klopfenden Herzens gelungen, ihn auf meine Speicherkarte zu bannen, und es wäre sicher ein schönes Bild dabei herausgekommen, wenn diese vermaledeite Kamera einen anständigen ZOOM hätte! Hundsdeifi.
So also fürchte ich, werden es nur ein paar verschwommene und orientierungslose Pixel sein.

Ebene

Zum Schluss zogen wir ähnlich wie am Morgen über weites, offenes Gelände mit grasenden Pferden und Mauleseln und noch hartnäckigeren, in graue Lumpen gehüllte Bauernkinder, die eigentlich auf ihre Ziegen und Kühe aufpassen sollten. Aber eine stinkende, dreckige und doch in ihren Augen goldschillernde Schar ferenji war da natürlich um einiges interessanter.

Wir aber, geprüft und gesotten in den Feuern der hiesigen Aufmerksamkeitskultur gegenüber Ausländern, stapften mindestens ebenso stoisch und dickköpfig den schmalen Pfad entlang unseres Wegs, bis am frühen Nachmittag endlich die rettende Straße vor unsere Augen sprang und ein weiß leuchtender Minibus (ähnlich wie die Blumen) uns bereits sehnlich erwartete.

Schaffen

Ab, rein in die Karre und nichts wie weg über Debark Richtung Gondar, Zwischenhalte nur zum Pinkeln! Obwohl ich hundemüde war und gähnend wie ein römischer Präfekt auf den hinteren Sitzreihen unseres privaten Automobils loungierte, raffte ich mich noch einmal auf, um zwischen undurchdringlich dichten Baumreihen hindurch einige Schnappschüsse von den vorbeiziehenden Feldern und ihren schaffenden Bauern zu machen.

Schokoladenseite

Das gelbe Stroh der Felder wich nun immer mehr einem etwas weniger pittoresken Dunkelbraun umgepflügten Bodens, aber mei, Mutter Erde zeigt sich auch nicht immer gerne von ihrer Schokoladenseite.

(Und wenn mir das einer als rassistische Ausdrucksweise als respektvollem Reisenden in einem afrikanischen Land ankreidet, so soll er als Folterknecht der Inquisition wiedergeboren werden und sein somit unnütz gewordenes und vergeudetes Karma mit vielhundertfach gärendem Seelenfron vergelten!)

Nationalpark

Und endlich, endlich! Nach der gut dreistündigen Fahrt, deren erstes Stück uns auf der groben Schotterpiste durch den Nationalpark ordentlich durchschüttelte*, standen wir glücklich und kaputt vor unserem erlösenden Hoteleingang, der uns wie die stählerne Pforte zum Himmel erschien.

*Der Fahrer nannte das eine afrikanische Massage, und unweigerlich musste ich müde schmunzeln und an meine armen, ebenso gebeutelten Kunden denken, wenn ich mit ihnen vorne in der Fahrgastkabine meiner ungefederten Rikscha über das harte Kopfsteinpflaster der Münchner Altstadt pflüge. Haargenau denselben bescheuerten Spruch lande ich nämlich auch immer, wenn sie sich gequält grinsend darüber echauffieren.

Eingerahmt

Zur Feier des Tages (und weil nichts anderes mehr frei war) gönnte ich mir ein Loft-ähnliches Zimmer im vierten Stock mit einer heißen Dusche, King Size-Bett inklusive rosa Plüschkissen, kein Witz, sowie einem Balkon, der sogar um die Ecke führte und großzügig den Blick freigab über Gondars von Bergen eingerahmte Szenerie. Von da oben konnte man sogar das Schlossareal sehen.

Aufgerissen

Nach ebenjener himmlischen Dusche mit anschließender Meditation, Spaghetti auf Injera (Ja klar!) sowie einem späten Bunna war ich fix wiederhergestellt und bereit für zwei Feierabendbiere zu je fünfzig Cent mit meinem kameradschaftlichen Fußvolk, die mir durchaus ein wenig ans Herz gewachsen waren in den wenigen Tagen.

Ein gemeinsamer Feind schweißt eben dufte zusammen.
Baca, schön war’s. Zwar nicht gar so abwechslungsreich wie meine erste Wanderung durch das äthiopische Hochland, dafür weitaus spektakulärer und an der Zahl aufgerissener Augenlider kaum zu überbieten.

Moment

Aber das stand ja eh so im Prospekt. Ja, wie auf Katzenpfoten beschlich mich auch langsam das Gefühl, dass es mir nach dieser Reise mit Bergen erst einmal langen wird, denn ganz Äthiopien scheint im Grunde ein gigantisches Gebirge zu sein.
Auf der anderen Seite handelte es sich wieder einmal nur um eine Momentaufnahme meines recht ausgefransten Geistes.

…Trotzdem, wer hätte gedacht, dass ich so etwas einmal sage? Aber da sieht man’s, in der Tat ist nichts unmöglich, und es gibt immer ein erstes Mal.
Wie wohl das letzte sein mag?

Fransen

Einzig

Ähnlich

Abyssinien

Senke

Wahnsinn

Grasen

Weiß leuchtend

Satt

Imet Gogo

Gebirgsdüne

 

 

 

 

 

Ziellos

Erwischt

Gänsemarsch

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