26

Mrz

Vom Atem der Schöpfung: Zwiderwurz’n

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: …’Cos it’s hotta…
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Humming

Widerwillig und froh bestieg ich die Fähre zum Festland und pflanzte meinen Hintern in einen Bus von Belize City nach Hopkins, keine Ahnung, der Name gefiel mir irgendwie. Er kämpfte sich entlang des Hummingbird Highway über eine schöne und nach all dem drögen Flachland abwechslungsreichen Hügelkette, bevor er wieder bergab Richtung Küste schnaubte. Noch einmal umsteigen in Dangriga, und schon war ich da.

Ich stieg aus und wurde von flirrender Hitze und dem beißenden Geruch trocknenden Teers empfangen, wie nett. Glücklicherweise lag das „Funky Dodo“ gleich ums Eck und hatte noch Betten frei. Ich höre jetzt auf damit, jedes Hostel zu beschreiben, wenn es nicht irgendwie aus der süßen Masse heraussticht, denn ich liefe Gefahr, mich allzu sehr zu wiederholen.

Fonkey Fonkey

Im Grunde sind sie alle gleich: Hängematten, Garten, Geklimper und Gefusel, ein paar Bücher, wenn man Glück hat, auch mal Asimov und Clarke statt Game Of Thrones, Harry Potter und Dan Brown, psychedelische Gemälde und Eco-Showers. Es ist wie mit allem, man gewöhnt sich dran.

Hopkins bestand aus zwei Straßen entlang eines langgezogenen, wenig ansehnlichen Strandes mit ein paar Restaurants und chinesischen Supermärkten. Es scheint hier im übrigen einige Ressentiments gegenüber jenen Einwanderern aus dem Osten zu geben, Angst um Arbeitsplätze, dass übliche deprimierende Trara.
Dabei liegt Asien ja eigentlich westlich von Belize. Lahm, ich weiß.

Lügen strafen

Ich habe es sogar mit dem Strand probiert, aber der glich eher einem Palmenwald mit ein paar verwirrten Pinien, es lag mir zuviel Seegras und Müll herum und der ausdauernde Wind war auf die Dauer ziemlich entnervend.
Dementsprechend dauerte es nicht lange, bis ich mich fragte, was ich hier eigentlich sollte, und die Depression kroch aus ihrem nicht sehr einfallsreichen Versteck hervor.

Und wieder einmal Schwärze, Schwärze, Schwärze. Das schwere, drückende Gewicht in meinem Magen, absolute Freudlosigkeit, die Zukunft nur ein aschfahles Schlachtfeld sinnloser Entscheidungen und Ereignisse, kein Antrieb, an diesem trostlosen Todestanz teilzunehmen. Eine dürre Kälte durchwebte mein Herz, da war keine Hoffnung, nur Leid.

Todestanz

Dann der Moment, in dem die Gezeiten abermals wechselten, fast unmerklich, unumwunden, fundamental. Lediglich ein tiefes Aufwallen unter der Oberfläche meines Körpers nach oben zu meinem paralysierten Herzen, es wurde neu erweckt und begann, scheu zu strahlen, in alle Richtungen, und verband sich wieder mit der Welt. Erleichterung, Lösung, Entspannung, Aufatmen, unsagbare Dankbarkeit.

Blendend

Die Dunkelheit ist nicht besiegt, denn sie kann nicht vernichtet werden, ebenso wenig wie das Licht. Sie ist da, lauernd hinter dem sanften Glanz und wartet auf ihren Moment. Doch dieses Mal zerre ich sie willentlich am Schopf hervor, und sie vermischt sich mit ihrem ewigen Feind, Finsternis tanzt und umgarnt das feurige Leben, doch kann sie niemals obsiegen, ist sie doch nur ein Teil des zweifältigen Sturmes, der vor meinem inneren Auge tobt.

Die Depression des Selbst ist das Schwarze Loch, das alles im Universum seinem unteilbaren Ursprung zurückführt und wo jegliche Vielfalt erlischt.
Und wiederum entspringt daraus in einer unbeschreiblichen, orgiastischen Explosion aus blendendem Licht ein neues All, ein neuer Überfluss, besser, schöner, herrlicher und in nie endender Perfektion begriffen.

Nichts mehr

Ich werde hin- und hergeworfen von diesen mächtigen Strömungen in mir, wie ein Spielball im allmächtigen und stets sich unterwerfenden Ozean unserer Existenz.
Das Leiden führt zu nichts, die Freude führt zu nichts, sie bringen mich auf Dauer um. Lockend singt da eine Sehnsucht nach etwas Neuem: nichts mehr fühlen zu müssen, nichts mehr tun oder erleben zu müssen.

Ich will nicht länger teilnehmen, grübelnd, rätselnd über diesem schrecklichen Tanz, um immer und immer wieder den schmalen Grat zu finden zwischen distanzierter Schau und liebender Verbindung, ja nicht zu weit gehen in irrer Fatalität.

Verheerung

Mein Schatz, stürze nicht in die eisige Kälte und verheerende Gleichgültigkeit der Isolation, wo das nackte Selbst an einem sternenlosen Höllenhimmel brennt wie der silberne Engel des Todes. So verlockend, so süß, so schmeichelnd in seiner tröstenden Umarmung, die mir wie ein zart schimmernder Mantel des Vergessens erscheint.

Der Preis ist lediglich meine wandernde Seele, klein und hilflos unter dem zermalmenden Felsblock aus pechschwarzem Schmerz, ewiger Folter ausgeliefert, nur ein gefühlloses, taubes Loch, wo zuvor mein Herz war, durchtränkt vom Nichts.

Doch ich werde nicht nachgeben, solange ich mich nicht sattgetrunken habe an diesem süßen Nektar der Verheerung, stets gewahr, dass er nur ein weiterer unbedeutender Aspekt von etwas Größerem ist, das für immer unserem Verstand vorauseilen muss, solange die Welt besteht und ihre taumelnden Spiralbahnen durch die endlose Weite des Raums pflügt.

 

 

Ausatmen

Biegen

Atempause

Prime Location

Hopkins proper

 

 

 

 

 

 

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Bitte umblättern: Täuschend echt…

    Comments (2)

  1. Witzig! In Hopkins sind wir auch gelandet, und ebenfalls im Funky Dodo abgestiegen 🙂 Auf der umwerfenden Promenade wurde ich dann gleichzeitig von einem Vogel angekackt und einem Hund angeschlabbert… Und ich saß mit einer kleinen Flasche Rum auf einem Motorrad in einem Gemüsestand 🙂

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