25

Aug

Blut, Schweiß und Tränen – Atmen nicht vergessen

In diesem Beitrag sind nur vereinzelt Bilder vorhanden und es werden keine Namen genannt aus Respekt vor der Privatsphäre eines jeden Piraten und Zauberers, einer jeden Hexe und Priesterin, die am Camp teilnahmen. Bilder sind zwar einfacher und oft treffender als Worte, doch an dieser Stelle reichen selbst diese bei weitem nicht aus, das Erlebte auch nur annähernd zu beschreiben.
(Anm. des Sammlers)
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Ich war ja dieses Jahr wieder bei diesem Medizincamp.
Weil ich letztes Mal vieles bereits darüber verfasst habe, was es ist und halb so schlimm, wie es funktioniert, will ich mich mit Äußerlichkeiten und Erscheinungsformen heuer etwas zurückhalten und mich stattdessen lieber darauf konzentrieren, was denn alles so geschehen durfte und musste, im Innen wie da drüben im Außen.

Es war etwas anders aufgebaut als das Camp im vorigen Sommer, zum Beispiel dauerte es sechs anstelle von fünf Tagen. Zwar gab es sowohl eine Feuer- als auch eine Wasserzeremonie, um die beiden Aspekte unserer Existenz zu veranschaulichen, aber dieses Mal besuchte uns Großmama nur einmal und ließ am andern Tag stattdessen dem Großvater den Vortritt.

Das klingt vielleicht kryptisch und nach Eso-Kitsch, und ich weiß nicht, wie es Euch dabei geht, aber mich würd’ sowas krass nerven, wenn ich es lese, aber an der Stelle soll es so sein und darf nicht darüber hinaus gehen. Außerdem kommt es der Wahrheit immerhin so nahe, dass mein Höheres Selbst nicht das Kotzen anfängt.

Seele

Das Camp wurde dieses Mal auch nicht mit einer Schwitzhütte eingeleitet, sondern im Rahmen einer Bewegungs- und Tanzmeditation, an die ich mich jedoch kaum mehr erinnern kann. Für mich begann die Reise spürbar erst am zweiten Tag, als endlich das Fankerl für die Hüttenzeremonie entzündet wurde.

Viele bekannte Gesichter standen dort im Kreis, aber es hatten sich auch einige (noch) unbekannte Seelen darunter gemischt.
Schon zu dem Zeitpunkt fühlte ich eine gewisse innere Unruhe und Anspannung; im Gegensatz zu letztem Jahr hatte ich dieses Mal gehörigen Respekt vor den Zeremonien, da ich wusste, was mich erwartete. Oder eben auch nicht.

Und so nahm ich den Rat vom Schamanen als ein schwangeres Omen, als er sagte, dass wir mit all unseren Kräften versuchen sollten, alle vier Durchgänge der Schwitzhütte auszuhalten und wirklich nur abzubrechen, wenn es gar nicht mehr anders ginge und wir praktisch kurz vor dem Kollaps stünden.
Naja, etwas übertrieben und ausdramatisiert der Ausdruck, aber das geht in Ordnung.

Baldachin

Ich nahm mir also vor, aufgrund meiner vorausgehenden (und vielleicht sogar vorausahnenden?) Erregung nicht unbedingt den heißesten Draufgängerplatz im Schoß von Mutter Erde auszuwählen, aber das hatte ich aufgrund der hohen Anzahl an Teilnehmern und der diesbezüglich dicht gedrängten Platzorganisation im Inneren nur soweit bis bedingt unter Kontrolle.

Folgerichtig musste ich unbedingt am allerheißesten Sitzplatz vor allen anderen anlanden. Ausgezeichnet.
So lasset die Spiele beginnen! – Oh, ich wähle diese Bezeichnung nicht von ungefähr, denn wahrlich, schon an diesem ersten Abend gab es ein zelluläres Gemetzel vom Feinsten.

Die ersten zwei Runden waren noch ganz annehmlich, wir taten, was wir eben taten und reisten im Dunkel unter einem Baldachin aus alten Bundeswehrdecken. Meine Poren öffneten frohlockend ihre Pforten und der Schweiß kullerte fröhlich meinen salzig glänzenden Körper hinunter.

Vortrefflich

Aber noch im zweiten Durchgang spürte ich, wie sich allmählich Mauern und Widerstände in mir auftürmten, und wie es mir in der Folge immer schwerer fiel, die zunehmende Hitze auszuhalten.

Wir hatten ja Glück, dass die Schwitzhütte überhaupt hatte stattfinden können, weil das alte Weidengeflecht beim Versuch des Aufbaus zusammengekracht war. Praktisch in letzter Minute mobilisierte Petra ihr schwäbisches Noteinsatzkommando, zu dem einige ganz vortreffliche Burschen gehörten.

Geflecht

Sie zauberten in Windeseile ein wunderschönes, neues Sommer-Iglu aufs Feld, und da es sich bei ihnen zudem um erfahrene Lichtkrieger handelte, die es schon gewohnt waren, ihrem Herzen bedingungslos zu folgen, nahmen sie spontan einfach am Medizin-Camp teil. Aho!

Aber zurück in die gegenwärtige Vergangenheit. Für mich selbst ging es also ans Eingemachte. Ab der dritten Runde pfiff ich aus allen Löchern, während ich ein heroisches Duell mit meinem inneren Schweinekampfhund ausfocht. Das Wasser drang mir nicht mehr nur aus dem Körper, sondern ich hatte vielmehr das Gefühl, wie ein hilfloser Gletscher im postmodernen Frühling zu schmelzen.

Ich wusste nicht mehr, wie ich mich hinsetzen sollte, ohne dass mein ganzer Körper schrie und schrie und in den lodernden Flammen seiner Qualen verging. Ich versuchte, mich nach vorn zu beugen und mit meinem Kopf so nah wie möglich an diesen köstlich kühlen Erdboden zu gelangen, ohne dabei das Bewusstsein zu verlieren.

Köstlich

Ich dankte dem Herrn und allen Winden, als endlich, endlich! die Türe geöffnet wurde, und ein herrlich süßer und lindernder Hauch aus prall gefüllten Sauerstoffmolekülen mein geschundenes Erdenvehikel umspielte. Ich sog gierig und ungestüm die kalte Waldesluft ein wie ein Ertrinkender, nachdem er, gerade noch rechtzeitig, die Wasseroberfläche durchbrochen hatte, und ich fühlte, wie neues Leben mich erfüllte und meinen ganzen Körper von innen her küsste.

Doch es war noch nicht überstanden! Mit dem Öffnen der Türe gelangten auch neue Steine, neue Altäre aus sengendem Hitzetod in die Kuhle unserer Mitte, und ich wollte schon verglühen wie eine Sternschnuppe unter dem Nachthimmel. Aber irgendwo fand ich noch ein letztes Quentchen Kraft und Durchhaltevermögen und klammerte mich mit aller Gewalt an jenem letzten Strohhalm fest.

Niemals würde ich aufgeben! Nicht solange noch ein letzter Tropfen dampfenden Blutes meine Adern benetzte! Nicht solange- oh, ein fliegender Elefant.
Atmen, Atmen. Not yet, Kameraden. Not yet! Atmen. Wahrnehmen. Erleben. Atmen! Atme, verdammt!!!

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Bitte umblättern: Toröffnungspanik…

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