27

Aug

Toröffnungspanik – Ein Lied von Feuer und Eis

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Blut, Schweiß und…
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In diesem Beitrag sind nur vereinzelt Bilder vorhanden und es werden keine Namen genannt aus Respekt vor der Privatsphäre eines jeden Piraten und Zauberers, einer jeden Hexe und Priesterin, die am Camp teilnahmen. Bilder sind zwar einfacher und oft treffender als Worte, doch an dieser Stelle reichen selbst diese bei weitem nicht aus, das Erlebte auch nur annähernd zu beschreiben.
(Anm. des Sammlers)
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– Der Titel ist eine Hommage an George R.R. Martin, und keine billige Kopie. Nur damit das klar ist. –

Ich weiß nicht, wie… wie lange es dauerte, wie ich es schaffte und wie es kam, dass am Ende der vierten und letzten Runde sich die Mehrzahl meiner fünfzig Billionen Zellen noch immer aneinander klammerten und ich als deren Gesamtheit wie ein schnappatmender, keuchender Partikelblob weiterhin existieren konnte, aber…

Es war so. Als die Türe ein letztes Mal aufschwang, musste ich mich wie noch nie in meinem Leben zusammenreißen, um keine Massenpanik auszulösen und an Körpern und Steinen vorbei in die Nacht hinaus zu brechen wie ein wildes, gefangenes Tier, das endlich seine Ketten sprengt und in einem Anfall panischer Energie explodiert!

Nein. Ich wartete geduldig -atmen-, bis sich zu guter Letzt der schwarz umrissene Körper vor mir -atmen- in Bewegung setzte, um mich dann -aaatmen- gänzlich ungezwungen und nonchalant nach draußen zu begeben, so als ob nichts gewesen wäre.

Das kann ich mittlerweile ganz gut, einer der Vorteile, wenn man früh bereits gelernt hat, sich vor anderen Menschen nicht zu zeigen.
Zu dem Zeitpunkt war das natürlich etwas völlig anderes, aber irgendwo gibt es schließlich Grenzen sowie einen kümmerlichen Rest Stolz im Mark meiner Knochen.

In Flammen

Dabei stand mein ganzer Körper mitsamt seiner Aura im Flammen!
Doch war es ein Höllenfeuer aus klirrendem Eis, das durch meine Adern brandete wie ein kalifornischer Flächenbrand in der Trockenzeit.

Ich konnte nichts anderes tun, als nackt und lohend auf der Wiese zu liegen, die meinen Rücken sanft daran erinnerte, dass unsere Welt in der Tat nicht die Venus war, und ihn dabei kühl liebkoste, während der nächtliche Tau dampfend zu den Sternen entwich.

Mein Inneres aber glich noch immer einem Vulkan aus seltsam sengender Kälte, meine Finger fühlten sich an, als ob kochende Tropfen, gespickt mit schneidenden Eiskristallen, durch sie hindurch flossen, und mein Blut brannte wie damals die Ölteppiche in Kuwait.
…In Wirklichkeit waren das bestimmt nur die Nerven, aber so klingt es poetischer.

Eisfeuer

Zweimal war ich an dem Abend über meine Grenzen gegangen, und zweimal hatte ich den Tod besiegt. Echt jetzt. Ich hatte plastische und greifbare Angst davor, mich vollständig aufzulösen und war am Ende nicht wenig erstaunt, dass ich immer noch ich war. Zumindest ein Ich.

Und wozu das Ganze? All die Qualen und die selbst auferlegte Pein? Bin ich denn nicht besser als all die missgeleiteten Mönche vergangener Epochen, die sich selbst geißelten, um Gott näher zu sein?
Ha… Aber soll ich Euch was sagen?

Als ich langsam und leise zitternd Fähigkeit zurückerlangte, meinen Körper differenzierter wahrzunehmen und meine Welt nicht mehr nur aus dem frenetischen Heben und Senken meines Brustkorbes bestand, der sich anfühlte wie eine bronchitische Dampflok bei einer Andenbesteigung, in dem Moment geschah etwas ganz und gar Erstaunliches.

Es gab da nämlich so einen bockelharten und uralten Klumpen, einen Tonnen schweren Felsblock, so kam er mir vor, der sich in meinen Unterbauch eingenistet hatte, seit ich denken und fühlen kann (also in etwa ab Mitte Zwanzig), und weniger chronisch als vielmehr ewig und unvergänglich zu sein schien.

Ein wackeres Packerl, das ich lange oder die meiste Zeit unbewusst mit mir herum getragen hatte und bei dem ich mir auch gar nicht so sicher war, ob es überhaupt normal und gesund wäre, es nicht zu tun. Ob es überhaupt möglich wäre, ohne jenen zweifelhaften Kompagnon zu leben?

Materie

Und doch, aus irgendeinem Schlupfwinkel flüsterte eine Stimme in mir zu, dass der Weg zu mir selbst und zu meinem Glück dahinter und jenseits davon läge.
Dass er eben nicht zu mir gehörte wie die Krücke zum Gesunden und
somit irdisches Gewohnheitsrecht in diesem speziellen, kosmischen Fall der Entwicklung in der Tat keine Anwendung finden könne.

Und soll ich Euch noch was sagen?
Dieser bedrückende
und erdrückende Leviathan, der stets in schweren Zeiten aus den lichtlosen Tiefen des ewig stillen Meeres in mir nach oben zu steigen pflegt, um mich an die Nichtigkeit, die Nichtswürdigkeit meiner zufälligen, gott- und sinnlos zusammengewürfelten Existenz im primordialen Matsch geistloser Materie zu erinnern und daran zu ketten;

Dieser dämonische Brocken aus den Kerkerdimensionen fing allmählich an, sich zu bewegen, wie ein eingerosteter Drache, der aus einem äonenalten Dornröschenschlaf erwacht. Allerdings hatte ich keine Angst vor ihm, schließlich war er ein alter Waffenbruder und Spießgeselle meines Egos, nein. Ich war seltsamerweise – zufrieden.

Denn zum ersten Mal sah ich mich in die Lage versetzt, seine fürchterliche Macht und Pracht, aufgerichtet und ausgebreitet, anzuerkennen und meinen Hut in vor ihm zu ziehen wie ein alter Pirat, der seinem formidablen Gegner vor dem epischen Gefecht seinen Respekt zollt und mit seinem Degen vor ihm salutiert.

Leuchten

Wenn ich diesen Kampf also verlieren sollte, wenn ich es nicht schaffen sollte, zu überdauern und ihn stattdessen in Wohlgefallen aufzulösen, so könnte ich gut und gerne zusammen mit ihm als einem Teil von mir sterben, das wäre letzten Hemdes dann in Ordnung.

Gar nicht so schlecht, was? Und im Prinzip war das erst das Aufwärmprogramm…
Irgendwann war ich aber auch wieder imstande, wie ein gewöhnliches menschliches Wesen zu funktionieren, und begab mich vorsichtig und mit Bedacht in meine Ecke der offenen Zeremonienjurte.

Ich stellte mit Entzücken fest, dass ich mich wie bereits im letzten Jahr von einem erhabenen Rat aus Weisen umgeben sah, wickelte mich gütlich schmatzend in meinen Schlafsack und ließ dieses körperliche Inferno nachwirken, während das flackernde Leuchten des Lagerfeuers in der Mitte der Jurte langsam vor meinem Blickfeld verschwamm und die samtige Dunkelheit des Schlafes sich über mich senkte.

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Bitte umblättern: Als Großpapa nackert…

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