7

Jun

Wer ist geiler? Bob Ross oder Pink Floyd?

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Zweierlei dreierlei…
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Sagenhaft

Aber erst einmal genug vom Moloch.
Viel bedeutsamer war, was sich in den drei Tagen danach abgespielt hat. – Eigentlich nicht, aber damals war ich noch der Ansicht.

Arnold und ich hatten nämlich, aus den gleichen Gründen wie zuvor, noch eine Tour gebucht. …Ja, scheiß drauf. Denn die führte uns auf die sagenhafte, gigantische und allem gesunden Menschenverstand ins Gesicht spuckende -TSSSCHSCH!- Große Mauer!

Spazieren

Also wow. Wowowowowow!! Das war mit Verlaub eine der schönsten Watschn meines Lebens, die sich augenweidlerisch gewaschen hatte. Auf und nieder spazierten und kraxelten wir entlang den Wehrgängen der alten Mongolenwälle, mal hier, mal dort, mal neben, doch meistens eben auf der sechstausend Kilometer langen Lauer.

Sechs-tausend! Herrschaftszeiten, wie kriegt man derart viele Menschen über so lange Zeit hinweg motiviert, um so etwas Wahn- und Aberwitziges zu erschaffen? Reicht da die Angst vor Mord, Vergewaltigung und Folter wirklich aus?
Muss wohl. Wahrscheinlich ham’s halt auch a bissl was zum Fressen gekriegt, wer weiß das schon? Trotzdem:

Schöner

Also gut, Burschen und Mädels, passt amal auf. Wir ziehen jetzt eine Mauer vom Meer bis nach Mittelasien, zehn Meter hoch und vier Meter breit, damit das Ganze auch eine Form hat, gell? Und die bauen wir aber nicht im Tal drunten, wo es schön eben wär’, sondern wir setzen sie auf unsere Bergspitzen, weil die Aussicht schöner ist. Und wegen dem Sport, der Gegner soll ja auch was davon haben. Greift, oder?“

Und wir so: „Jaja. Du! Du nimmst jetzad fein Deine Pillen, so, und spielst a bissl Mensch-ärger-Dich-nicht, und dann wird des schon wieder, hm?“ – Mal ehrlich, so ein Unternehmen ist doch krank! Einfach nur, krank.
Aber hey, ich will nicht undankbar erscheinen:

Unermesslich

Für einen Wanderer gibt es natürlich nichts Besseres als eine umfunktionierte Autobahn über die unermesslichen Bergkämme des scharf gefalteten Yanjing-Massivs, das sogar Bob Ross noch das Fürchten lehrte.

Abgesehen von kurzen und deftigen Taldurchquerungen, in denen es vergleichsweise wenig zu sehen gab, konnte ich mich kaum entscheiden, ob ich mit meinem Blick für immer in der Unendlichkeit kleben bleiben oder vielleicht doch ab und zu mal nach unten auf meinen Tritt schauen sollte. Schließlich ging es da doch ein paar Meter nach unten, nicht wahr?

Leuchtfeuer

So oder so, mein Kehlkopf stand allemal auf Dauerdurchzug.
Denn alle fünfhundert Meter sprenkelten dicke Wachtürme dieses unsägliche Monstrum aus Stein. Klar, irgendwo mussten die ganzen Truppen ja auch Mäxle spielen, bis es irgendwann einmal Action gab. Selbst die Mongolen konnten nicht die ganze Zeit und auf der ganzen Front angreifen.

Vergesst die Leuchtfeuer von Gondor, das war der echte Shit!
Jetzt könnte man natürlich sagen, ja gut, aber selbst das muss doch nach ein paar Tagen langweilig werden: „All in all it’s just a-nother brick in the wall…“

Erdhügel

Was? Nee, mit Pink Floyd hat das nichts zu tun. Ist mir auch nur grad so eingefallen im „freien Assoziationsblaster“ (nach Klaus Heindl, Carbonierter Hohepriester des Fliegenden Spaghetti-Monsters; Anm. d. Sammlers).
Jedenfalls, niemals!

Die alte Dame sorgte schon für genügend Abwechslung:
Die Bandbreite reichte von beinah gänzlich verfallenen und verwitterten Erdhügeln wie zum Beispiel im Abschnitt von „Gubeikou“ bis hin zu den grandios inszenierten und aufgedrechselten Sektionen bei „Jinshanling“, wo wir demgemäß auch auf die meisten Kniestrumpf-Touristen trafen.

Garten

Aber laut unserem Guide hatte sich in den letzten zehn Jahren die Gunst der Reisenden zugunsten der eher „unberührten“ Mauerteile geändert, und die chinesische Regierung beeilte sich wohl umgehend, die andauernden Restaurierungsarbeiten einzustellen.

So präsentierte sich „Huang Hua Chen“ am letzten Tag mit einer ganz eigentümlichen Mischung: Büsche und ganze Gärten wuchsen auf den alles in allem recht gut erhaltenen Wehrgängen, wohingegen die zerfallenen Türme wie mystische Ruinen leer ins Zeitalter blickten.

Quer

Das einzige, was mir wirklich ein bisserl quer einfuhr, war die Tatsache, dass wir leider nicht alles an einem Stück abgehen konnten. Stattdessen mussten wir zwischen den einzelnen Tagestouren mit dem Auto von einem Dorf (nach dem der jeweilige Abschnitt zumeist auch benannt ist) zum nächsten gebracht werden, da sie

a) zu weit auseinander lagen und es sich
b) bei manchen Bereichen um militärisches Sperrgebiet handelte.
Aber mei, das werde ich irgendwann schon einmal verarbeiten können, da bin ich sicher.

Spektakel

Dafür durften wir sogar eine Nacht in einem der alten Wehrtürme campieren, inklusive zweier schallernder Sonnenspektakel. Für den Aufgang hätte ich mir nicht einmal den Wecker stellen müssen, weil ich so schlecht geschlafen hab’ dorten auf den Steinen, dass es ein Graus war, aber es war soooo, so geil!

Kurzweilig

Unser Guide Aaron war aber auch geil. Und was für ein lustiger Vogel!
Unglaublich erfahren und versiert, bewandert in Geschichte und Politik, aber er führte sich auf wie ein aufgeplusterter, junger Kakadu und zeigte sich, zumindest in seinem täglichen Rollenverhalten, geradezu köstlich und darüber hinaus stock-schwul – was die ganze Erfahrung überaus kurzweilig werden ließ.

Und das meine ich als Kompliment, goddam’ it! Hier, ihr ganzen überdrehten Menschenrechtler ihr, Schnauze halten, das passt schon so.
…Manches Mal wurde er mir aber fast schon zu kurzweilig, weil ich geistig wie körperlich einfach völlig kaputt war und seinen kapriziösen Ausschweifungen nicht mehr zu folgen vermochte.

Sinfonie

Der redete etwa so: „Okay. So, you wanna fight, wight? So, you go to your soldiers and tell them: Wight, you go here and you go there, wight, so, and now, please: fight. AHAAAhahahahaha!“ Alter, ich weiß nicht, ob das rüberkommt, aber der war zum Schießen.

Außerdem versorgte er uns mit dem bombastisch besten Essen, das ich mir je in meine Mundhöhle hab’ stopfen dürfen. Es ist eine gärende Sünde, dass ich etwas derart Ruchloses auch nur in Erwägung ziehe, zu Ende zu denken, aber.

Manche Gerichte schmeckten mir fast besser als meine geliebten indischen Thalis, für die ich ohne zu Zögern Greueltaten begehen würde.
So! Bitteschön. Es ist raus, und dafür werde ich mich jetzt schneiden. Aber ich bleibe dabei: Eine wahrhaft gaumenklingende Sinfonie war das, keine Frage.

Guide

Tritt

Kraxeln

Wehrtürme

Inszeniert

Abschnitt

Bergkamm

Inklusive

Autobahn

Mäxle

Dauerdurchzug

Unendlichkeit

Massiv

Vergleichsweise

Tal

Übernachten

Ruine

Gunst

Another brick

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Bitte umblättern: Doch, schon…

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