13

Aug

Der Tod steckt im Detail: Happy Birthday!

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Folgt nicht…
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Immer wieder

Im ersten Abschnitt wurde der Weg immer wieder von breiten Treppendämmen unterbrochen, die quer zur Straße verliefen und dazwischen ein abgesenktes Areal simulierten mit so etwas wie einem Altar in der Mitte.

In dem Zusammenhang denkt man ja immer sofort an grauenhafte Menschenopfer wie etwa die der Azteken unter einem mondlosen Sternenhimmel, die um etwa 1500 in der Gegend ihr Unwesen trieben.

Gigantisch

Wer jedoch diese gigantische Stadt erbaut haben könnte, die in ihrer Blütezeit um die zwanzig Quadratkilometer auf die Waage des Ruhmes brachte, das weiß bis heute niemand, doch es scheint als gesichert, dass sie zumindest zweitausend Jahre älter ist als jeder aztekische Blutkult.

So gesehen bin ich mir nicht so sicher, ob diese gewaltige und beinah perfekt ausgerichtete Nord-Süd-Achse im Zentrum der antiken Metropole ihren morbiden Namen wirklich verdient. Vielleicht ein bisschen, vielleicht unter einem anderen Bedeutungszusammenhang. Vielleicht.

Transformation

Denn ich befand mich nun an einem Ort, wo Menschen zu Göttern werden, ins’allah, einem der Ort der Transformation, der tiefgreifenden Veränderung, wo in der Tat so etwas wie ein Tod stattfinden muss, damit etwas Neues geboren werden kann, und jetzt hoffen wir einfach mal, dass uns dasselbe Glück beschert sein wird wie dem alten Absolem.

Nicht weit davon versteckt sich nämlich der menschliche Größenwahn im Dickicht wie ein gefräßiger bengalischer Tiger, und der war sicherlich auch mit von der Partie, als das Ding gebaut wurde:

Augenwischerei

Je mehr man sich der über vierzig Meter hohen Stufenpyramide am nördlichen Ende dieses spirituellen Komplexes nähert, dominiert sie immer mehr das Blickfeld, bis selbst der heilige Berg dahinter irgendwann vollständig verschwindet und in ihren Schatten gestellt wird, ein Symbol für die Bezwingung der Natur durch den Menschen.

Klingt vertraut. Mutter Natur lacht sich ob dieser perspektivischen Augenwischerei natürlich ins Hemd und tätschelt nachsichtig das verzogene Haupt ihres hybrischen Auswuchses. Immerhin, es handelte sich freilich um einen besonders eindrucksvollen Versuch, daran besteht nun wirklich kein Zweifel, und das Hemd steckt immer noch voller Kohlenstaub.

Keine Frage

Ähnlich wie das Areal um die Schlangenpyramide wurde die großartige Chaussee an der Seite von zahlreichen Treppenaufgängen eingerahmt, die zu ehemaligen Anwesen führten, von denen zumeist nur die Grundmauern übrig waren.

Wahrscheinlich waren das die Behausungen von im Wortsinn hochgestellten Persönlichkeiten wie zum Beispiel Priestern oder Wirtshausbaronen, so denn jene mysteriöse Kultur, die sich in den Nebeln der Zeit verlor, der unseren einigermaßen ähnlich war. Für einen Bayern wäre das in derlei Hinsicht überhaupt keine Frage, soviel ist klar.

Ameisen

Von rechts lockte das gigantische Monster der Sonnenpyramide, die ich mich kaum getraute anzuschaun, um nicht von meinem fest gefügten Pfade abzuweichen, denn sie wollte ich mir als den heimlichen Höhepunkt für den kommenden Morgen aufheben. Außerdem krabbelten zu dem Zeitpunkt viel zu viele menschliche Ameisen darauf herum für meinen Geschmack.

Nein guter To, bleib standhaft und auf deiner Spur, Augen tapfer geradeaus, der erste Tag soll unserer zarten Luna gehören.
Zu guter Letzt gelangte ich auf einen ausschweifenden Plaza, um den sich wiederum kleinere Plattformen scharten, die das Heiligtum am Ende der Allee flankierten, in der Mitte davor noch ein Altar, sicher ist sicher.

Sicher

Ich kann aber nicht beschreiben, was ich in jenem Moment empfand.
Das lag vielleicht auch an dem unablässigen Fauchen der Jaguar-Pfeifen, mit denen die örtlichen Bauchladen-Start-Ups und Straßenkioske versuchten, sich gegenseitig die Kundschaft an- oder abspenstig zu machen, wie man es nimmt.

Begreifen

Solche Orte übersteigen einfach mein Fassungsvermögen, und sie scheinen wirklich nicht für Menschen gemacht. Es gibt keinen Gedanken, keine Emotion, die dem, was ich dort sah, in irgendeiner Form gerecht werden könnten, allenfalls ein diffuses Gefühl der Schwere, der Gravität.

War da auch ein Stück weit Trauer, …Bedauern vielleicht? Ich weiß es nicht. Es war groß, und von einer tragischen, verblichenen und versehrten Schönheit irgendwie.

Das war wirklich das einzige, was mir in den Sinn kam, als ich mich endlich auf einer der erhöhten Terrassen neben der fantastischen Mondpyramide niederließ und wieder einmal den aussichtslosen Versuch unternahm, all das um mich herum zu begreifen.

Traumbild

Nein. Eigentlich stimmt das nicht. Eigentlich hatte ich ja schon lange gelernt, dass so etwas gar nicht geht. Man könnte sagen, es war ein altersschwacher Mechanismus, der sich dort automatisch regte, ein phlegmatisches Rudiment aus unschuldigeren Tagen.

Gott werden

Nein, ich setzte mich einfach nur hin und beobachtete, ließ jenes seltsam düstere Traumbild auf mich wirken und stemmte mich dabei dem heulenden Wind entgegen, der von Süden her versuchte, mich von meinem Aussichtspunkt zu blasen und dergestalt meine Unverfrorenheit zu kurieren, da ich es wagte, dieses spirituelle Zentrum zu entweihen.

Wusste er denn nicht, dass ich an dem Tag Geburtstag hatte??
Jesses! Das hatte ich vollkommen vergessen. Erst, als der Tag bereits sich seinem Ende neigte, wurde mir doch schlagartig bewusst, dass just für mich ein neues Lebensjahrzehnt begann.

Vierzig Jahre. Gar nicht so schlecht; eigentlich ein guter Zeitpunkt, um ein Gott zu werden. Wär’ auch mal was Neues. Wahrscheinlich wollten mich die Sturmböen nur daran erinnern. Schließlich weiß man doch nie, was die wirklich im Schilde führen.

Allee

Satelliten

Flanke

Nord-Süd

Pfad

Altar oder so

Zu Ende

Blickfeld

Bezwingen

Nähern

Fassungsvermögen

Achse

Herum

Aussichtslos

Metropole

Rudimente

Grundmauern

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Bitte umblättern: Halbzeit…

 

 

 

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