14

Mai

Die Welt steckt voller Gefahren – Gibt’s dafür ’ne Tour?

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Kein iPad…
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Übermalung

Naja, fast. Die endemischen Autofahrer waren jedoch in der Tat die aggressivsten, die mir bis dahin auf meinen Reisen untergekommen waren. Es war jetzt nicht an sich gefährlich (Schließlich habe ich den Zug genommen, Oma.), aber selbst bei grünen Fußgängerampeln musste man beherzt und selbstsicher ausschreiten, um die Blechkübel in ihre Felgen zu zwingen.

Mit anderen Worten, die Ampeln in Ulan Baatar dienten eher zur Unterhaltung sowie zur farblichen Untermalung einer grauen Tristesse als zur Signalgebung. Im Grunde galt wie damals in Indonesien nur eine Regel: Wer sich als erster auf einen bestimmten Straßenabschnitt drängelte und schob, der hatte Vorfahrt.

Klötze

Viel eher noch als irgendeine russische Stadt, die wir auf unserem Weg gesehen hatten, erinnerte jene skurrile Ansammlung aus Betonklötzen an die berüchtigten Molochs aus Sowjet-Zeiten. Echt, so schnell wie möglich weg von da!
Dort sah es so aus, als ob irgendein depressiver Stadtplaner ein Tschakka-Seminar zuviel besucht hatte; schlimmer noch als Heidenheim an der Brenz.

Irgendwie bekam ich die scheinbar wahllos zusammengewürfelten Gebäude nicht richtig fokussiert: hier ein Plattenbau, rechts davon ein altertümliches und beinahe hübsch anmutendes Herrenhäuserl, und dahinter schoss auf einmal so ein Glasmonster in die Höhe!

Gegenüber

Weiter drüben befand sich auf der einen Seite einer Schnellstraße ein ehrwürdiges buddhistisches Kloster, während gegenüber ein notdürftiges Armenviertel vor sich hin faulte. Überall wurde gebaut und dann auch wieder nicht. Sehr seltsam.

Aber keine Frage, Ulan Baatar wuchs. Zu dem Zeitpunkt lebte ein Drittel der gesamten Landesbevölkerung bereits in und um ihre schwärende Hauptstadt.
Das geht ganz einfach in einem Nomadenland: Man stellt einfach sein „Ger“ (Jurte) an den Stadtrand und baut vielleicht noch einen scheppsen Holzzaun drum herum, so dass es irgendwie nach was aussieht, und fertig.

Hackordnung

Es gab auch Hybriden.
Das waren Bürger, die sich in der goldenen Hackordnung des freien Marktes offenbar schon etwas weiter nach oben gebohrt und getreten hatten, denn diese Schlawiner besaßen sowohl ein festes Steinhaus als auch ihr altes Ger.
Vielleicht um der alten Zeiten willen, denn Steppenblut schien nur langsam zu verwässern.

Oder es liegt am Wetter. Das „Land der blauen Himmel“ empfing uns nämlich mit einem Schneegestöber vom Feinsten. Solche Flocken waren mir in Deutschland schon seit Jahren nicht mehr untergekommen.
(Na gut, im Winter war ich ja auch fast nie -inyourface- da.)

Zum Beispiel

Aber ein bissl was schauten wir uns schon an, gell. Zum Beispiel die Statue vom Dschingis Khan am zentralen „Sükhbaatar“-Platz, zu beiden Seiten flankiert von Sohnemann und Enkel. Dessen Namensgebung wiederum verwies auf einen berühmten und beliebten mongolischen Unabhängigkeits-Kämpfer vom Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts.

Denn das mit der Unabhängigkeit war und ist keine leichte Sache:
Wie bereits angedeutet, werden etwa 2,5 Millionen Mongolen konstant von einem Vielfachen an Russen und Chinesen eingekeilt und bedrängt.

Gigantös

Im Prinzip müssen sie sich immer mit dem einen gut stellen, damit er sie vor dem anderen beschützen möge. Und bei den Japanern kann man ja auch nie sicher sein, was die sich einfallen lassen werden.
Arnold und ich ließen uns jedoch einfallen, zum gigantösen Markt von „Naran Tuul“ zu marschieren, weil, asiatische Märkte sind immer geil.

Dieser war vor allem vergleichsweise entspannt, weil man nicht ständig so ein nach Tögrök (Landeswährung) heischendes Zwetschgenmanschgerl am Funktionshosenzipfel hängen hatte. – Nein, die Mongolen bewahrten dahingehend einen gewissen Stolz, wahrscheinlich wegen der Statuen.

Höllenmäßig

Das war jetzt politisch vielleicht völlig verfehlt, aber ich bin karmamäßig noch fett im Plus und mag den Ausdruck vom Gerhard Polt so gern.
Außerdem nennt man so etwas Zynismus, und dann ist es wieder in Ordnung, wegen seiner inhärenten Kritik an der eigenen Arroganz. Damit kann man sich immer rauswindern.

Also war der Markt war allemal sehr erbaulich, und es machte mir höllenmäßigen Spaß, mit meinen zwei Händen und fünf Vokabeln mit den kichernden Standlerinnen zu verhandeln. Das kann ich jedem nur wärmstens empfehlen.

Immer geil

Dort gab es alles: von Full-Suspension-Bikes, Fernsehern, Satellitenschüsseln sowie ganzen Großgrundbesitzer-Plantagen aus Klamotten, Ramsch und Kleinkram bis hin zu kompletten Wohneinrichtungen. – Vergesst sämtliche Shopping Malls auf der Welt, dieses Teil war massive.

Nach einem kurzen Lunch im „Berlin Burger kauften wir noch Proviant ein für unsere Tour ins mongolische Outback, die von Besitzerin unseres Hostels persönlich organisiert und natürlich niemals in diesen Eintrag passen würde.

Karma

Denn sie bildete das zuckersüße Sahnehäubchen unseres Aufenthaltes im Sunpath:
Insgesamt hatten wir nämlich ein Zeitfenster zwischen dem 01. und dem 18. Mai für die Mongolei reserviert (ich weiß, furchtbar), und Dolgmaa hatte tatsächlich eine Tour in ihrem Repertoire, die vom 03. bis 16. Mai andauern und uns zudem in genau die Regionen führen sollte, nach denen es uns am meisten verlangte in der viel zu kurzen Zeit, die uns zur Verfügung stand!

Bittersüß

Vielleicht war das gar nicht so ungewöhnlich, weil das waren praktisch sowieso die Highlights, sprich, jeder Trottel rennt da wahrscheinlich hin.
In der Tat wurde die Tour schon vor Monaten von zwei endsgechillten Mädels aus dem Mittleren Westen der Vereinigten Staaten geplant und gebucht.

Das heißt, die waren noch schlimmer als wir.
Arnold und ich mussten also nichts weiter tun als „Tijmee“ (Ja) und Amen zu sagen und uns gar nicht groß bei anderen Tour Agencies umschauen, weil der Nagel war ja quasi schon im Kopf. – Äh.

…Und wieder einmal sang das Schicksal sein bittersüßes Lied, aber davon später.

Kämpfer

Ganz einfach

Cousin oder so

Flankenschutz

Vom Feinsten

Hybrid

Wachsen

Vorführeffekt

Fokussieren

Wtf

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Bitte umblättern: Teufelspakt…

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