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Mai

Chicken Bus durchbricht Lichtmauer – Einstein entsetzt

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Kaiser schlägt…
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Tahiti?

Scheißegal, welchen Chicken Bus man hier in Guatemala nimmt, sie sind alle crrrazy!
Zweimal musste ich umsteigen, aber das ging jeweils so schnell, dass ich es bewusst kaum wahrnehmen konnte; ähnlich wie unterschwellige Werbung ging es unter im Flirren der Straße.

„Vamos, chico, vamos!“ Raus und rein in den nächsten, keine Müdigkeit Private, wir sind hier nicht auf TAHITI!! Man muss genau aufpassen und darf sich nicht ablenken lassen, wenn man das Schicksal seines Rucksackes mit dem Blick wachsamer Augen verfolgen will. Ist er auch gut fest gezurrt da oben auf dem Dach? – Jaja, entspann Dich und jetzt rein mit Dir!

Senna

Und ab geht die qualmende und spotzelnde Chrom-Rakete! Durch die Berge und um verwirrt blinzelnde Ausläufer stob der bunte Blue Bird-Pfeil, rechts und links, links und rechts stramm auf dem Teer, Gaspedal und Fliehkräfte hart am Point of no Return.
Wenn etwas einem Schwarzen Loch entkommen kann, so muss es ein guatemaltekischer Chicken Bus sein, unbeeindruckt und mit wichtigeren Dingen beschäftigt.

Einem Formel 1-Piloten gleich legte sich der frenetisch kurbelnde Busfahrer in die Kurven und hielt sich abwechselnd am Seitenfenster oder am Armaturenbrett fest. Nach außen hin vollkommen ruhig und fast behäbig, brannte tief in ihm jedoch und unauslöschlich der lohende Gott der Geschwindigkeit, serienmäßig mit Allrad-Schwingen und Nachbrenner.

Gut festhalten

Es ist kaum vorstellbar, dass ihr berüchtigter Ruf ihnen vorauseilt, denn die Wahnsinnigen fahren schneller als ihr Schatten. Yo Airbag, bis Du Dich aufplusterst wie ein eitler Pfau, ist der Bus schon längst durch die Massenkarambolage durchgebrettert. Sicherheitsgurte machen in so einem Szenario in etwa soviel Sinn wie Sonnencreme kurz vor der Explosion einer Supernova.

Dieser Typ aber donnerte über die Piste, als ob alle Legionen der Hölle hinter ihm her wären, ihnen voraus die vier Reiter, Baal und Moloch bannerbewehrt auf den sengenden Flanken der verfluchten Heere.
Habt Ihr schon mal erlebt, wie ein bis an die Zähne vollgepackter Bus schnaubend und protestierend reihenweise Autos überholt, und das auch noch bergauf??

Asphalt

Nun, ich schon, und noch immer fröstelt es mich bei dem Gedanken: …Ich ziehe die Beine eng umschlungen an meinen Körper und beginne, nervös zu wippen, während ein Schauer aus Eiseskälte mein in Flammen stehendes Rückenmark hinabrinnt.

Man sollte meinen, dass er wenigstens bei Steigungen über 30° auf die rechte Spur wechselt, ja von wegen! Dieser kranke Spinner rammt nur unwillig einen niederen Gang ins kreischende Getriebe und tritt das Gaspedal so lang durch, bis der Asphalt unter ihm vor Lust und Schmerz anfängt, Funken zu schlagen.

Ideallinie

Dröhnend schlingert der Streitwagen aus Feuer und Bolzen um die nächste Ecke und klammert sich mit rauchschwielig schmelzendem Gummiprofil an die Ideallinie wie Armstrong in seinen Sitz, als unter ihm die Welt explodierte und ihn wie einen überflüssigen Korken in die Leere des Alls schoss.

Im Ernst, vergesst diese sündhaft teuren und komplizierten Zentrifugen, alles gefühlsduseliger Quatsch, das hier ist das beste Astronauten-Training!
Wer diesen infernalischen Ritt in einem Stück überlebt, für den ist ein Düsenjäger ein überkommenes Spielzeug, achtlos in die Ecke geworfen.

Düsen

Und stampf, rampf, dampf weiter ballert Münchhausens Kugel, Reifenmaterial zischt siedend auf der Straße, ausgepumpt, entleert, vergewaltigt, ein grausames Relief ungläubigen Schreckens.
Ich sitze drauf wie der Kojote, armer Idiot, in dessen Augen sich jenes blanke Entsetzen widerspiegelt, welches stets mit der jähen Erkenntnis einhergeht, dass das Ganze eine furchtbare Schnapsidee gewesen ist und niemals, niemals! funktionieren kann.

Aber es ist zu spät Cowboy, der Knopf ist gedrückt, die Weichen sind gestellt, das Feuer entzündet, es gibt kein Zurück mehr, nur völlig losgelöst nach vorne düsen gemüsen wie damals Major Tom, flackernder Irrsinn in den Augen und unkontrolliert schlackernde Backen auf meinem Weg zum brennenden Horizont.

Schüchtern

Menschen und Tiere springen schreiend aus dem Weg, ein Straßenköter war nicht schnell genug: seine rot verschmierten Überreste umrahmen zart die ängstlich zitternden Warnschilder am Straßenrand.
Dennoch steigen sie ein, die Unbelehrbaren, die Schwachsinnigen, die unglückseligen Trottel, so denn Odin’s Hotrod einmal klappernd und röchelnd zum Stehen kommt, ein nasskalter Schlag in Darwin’s fassungsloses Gesicht.

Was für ein grandioser Spaß, wer braucht schon Speedboats und Schluchten?
Zu meinem Erstaunen stieg ich dreieinhalb Stunden später in Antigua aus, zwar etwas wackelig auf den eingeschnappten Beinen, welche sich eben wieder mit herrlich frischem und strahlend rotem Blut füllten, aber immerhin mit allen Gliedmaßen in der richtigen Konstellation und im selben Raum-Zeit-Gefüge.

Photonenstaub

Das ist so einer der Momente, wo ich regelrecht spüren kann, wie die Seele nur noch über eine dünne, silberne Schnur an meinem Körper hängt und wie ein ungeduldiger Staffelläufer die ersten Meter schon mal anläuft, um quasi dann im Lauf den Stab meiner Erfahrungen reibungslos übernehmen und fffffT! abdüsen zu können in die Weiten des Alls; das einzige, was sich noch schneller als der Bus bewegt.

Einstein hätte sich verwundert am Hinterkopf gekratzt und seine Relativitätstheorie posthum revidiert: nicht die Lichtgeschwindigkeit muss die letzte Barriere des Menschen sein, sondern die eines gewöhnlichen guatemaltekischen Busses, der Photonen wie trägen Staub aufwirbelt und sie wie verstört quakende Entenküken zurücklässt in der Dunkelheit des Nichts, während er schon unterwegs ist ins nächste furzende Universum.

Ankommen

Vorbote

Raketen

Wacklige Beine

Omen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Bitte umblättern: Sackgassen…

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