12

Nov

Ein Licht in der Dunkelheit: How much?

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Weißblaue Schelmenstreiche…
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Bauernhof

Maps.me fand ich ja schon immer praktisch und – bisher – auch im Detail ziemlich exakt, aber an jenem Tage pries ich es über alle Maßen, da es mir diesen glorreichen Ausflug überhaupt erst ermöglicht hatte.

Auf einem Bauernhof kehrte ich bei einer netten Familie auf einen Bunna ein, der war auch ganz vorzüglich dunkel und schwarz. Und so kam ich noch einmal in den Genuss des vollständigen Herstellungsprozesses vom duftenden Rösten und Mahlen bis zum Aufbrühen, wenn man es schon gar nicht mehr erwarten kann.

Bescheiden

Und meine sympathischen und bescheidenen Gastgeber verdienten wiederum ein paar Birrsen, win-win.
Wisst Ihr, so liebe ich das Reisen: ohne diesen ganzen Zinnober und Hickhack, den ich bis hierher bereits einige Male erwähnt habe. Aber das ist sooo schwer und selten in Äthiopien, dass mir da und dort erst richtig bewusst wurde, wie sehr ich es vermisst hatte.

Danach ging es nämlich gleich wieder steil in die andere Richtung, weil sich auf’s Neue ein paar Lausbuben an mich kletteten und mir „den Weg zeigen wollten“.
Ich glaube, bestimmt zwei bis fünfmal verklickerte ich ihnen sowohl auf Englisch als auch Amharisch, dass ich einen Guide weder wollte noch brauchte, geschweige denn mehrere, außerdem „money yelem“, klar soweit?

Verschlagen

„Chigarilo, no problem!“ Zahnlückengrinsen, mit einem Schuss Verschlagenheit.
Na, wir werden ja sehen. Erwartungsgemäß waren sie dann vollkommen fassungslos, zutiefst enttäuscht und aufrichtig beleidigt, als ich ihnen am Schluss tatsächlich nichts abgeben wollte.

Aber genauso funktioniert es eben nicht! Die Rotznasen riefen mir noch irgendetwas Unflätiges hinterher, aber das konnte ich Gott sei Dank nicht mehr verstehen.
Obwohl, bis zu dem Zeitpunkt war es mir eh schon Latte, weil für den Tag hatte ich gut und gerne sämtliche Emotionen durch und war allein aus Erschöpfung wieder ausgeglichen.

Weitergehen

Zumindest glaubte ich das in meiner abgrundtiefen Naivität. Aber gehen wir erst mal weiter. Mit Scheuklappen auf Hochwasser marschierte ich geradewegs und stur zum Alten Schorsch und setzte mich zu seinen ehrwürdigen Basaltfüßen in eine dieser schnuckligen Wandnischen, das wollte ich schon lange ausprobieren, und… atmete aus.

Schau

Ruhe, Entspannung und innige Schau.
Ich glaube, eine Touristin machte von mir ein Bild; vielleicht glaubte sie sogar, ich sei ein Einheimischer. Teh, das konnte ich ihr nicht einmal verdenken mit meiner weißen Kopfbedeckung, und dreckig und verlottert genug war ich allemal, dass ich mich im Schatten für einen armen, äthiopischen Pilger hätte ausgeben können: „Money?“

Kleine Eidechsen wuselten über die polierten Wände, aber sie waren zu schnell. Ich konnte sie nicht fangen.

Als ich wenig später wieder oben saß und Tagebuch schrieb, unterhielt ich mich kurz mit einem Italiener, der ebenfalls sichtlich unter der Schikane und den Belästigungen der „Gastfreundschaft“ im äthiopischen Tourismus zu leiden hatte und sich aus reiner Verzweiflung und Erschöpfung einen Guide genommen hatte.

Ruhe

Denn dann hat man wenigstens seine Ruhe. Er meinte auch, er habe schon umpzig Länder besucht, aber so etwas sei ihm noch niemals untergekommen!

Meine alte Theorie, dass Menschen in touristischen Regionen tendenziell feinfühliger, weil erfahrener im Umgang mit Weißhäuten sind, bewahrheitete sich zwar, aber sie erstreckte sich anscheinend leider nicht auf Tour-Anbieter, Ticketwärter und die Bewohner der näheren Umgebung.

Schlüssel

Das ist das Ding mit vielerlei Orten in diesem Land. Wann immer ich mich mit Leuten unterhielt, die auf die eine oder andere Art mit Locals unterwegs gewesen waren, schwärmten die geradezu von traumhaften und wundervollen Erfahrungen.

Gute Guides oder besser noch Privatpersonen scheinen somit als Schutzschild, Puffer und darüber hinaus als Schlüssel zur wahren äthiopischen Seele zu fungieren, die nicht von Gier oder vielmehr von der verzweifelten Hoffnung auf ein bisschen Kohle vernebelt und verrammelt wurde.

Aber wie bereits angedeutet, zahlt man eben auf die eine oder andere Weise fast immer dafür, denn alles in diesem Land muss seinen Preis haben, ob materiell oder psychisch-emotional. Und diese gefühlte Tatsache langweilte mich immer mehr.

Vorbei

Das bestätigende Beispiel folgte auf dem Fuß. Als mich der Wärterheini um Punkt 18:00 Uhr darauf hinwies, dass das Areal um die Georgskirche jetzt „geschlossen“ sei, da fragte ich ihn höflich und mit einem güldenen Lächeln, ob ich vielleicht noch ein wenig bleiben und mir den Sonnenuntergang anschauen könne, ich täte freilich auch niemandem etwas zuleide.

… „Money?“ – Gnnnn – „How much?“ – „100 Birr.“ – Hrmpf. – „No.“ – „Fifty.“ – „I give you maximum 20 Birr.“ – „No.“ – „Then I go. Can I take one last foto?“ – „No.“ – Lächeln vorbei.

Herzlichen Dank. Nicht einmal im weiten Umkreis seines Blickfeldes wollte er mich wissen, aber grad mit Fleiß blieb ich genau da und machte demonstrativ ein paar Aufnahmen, weil der Sunset war in Wirklichkeit eh scheiße. Aber der Vollpfosten konnte mich mal kreuzweise, also hab’ ich’s ihm halt reingedrückt.

Welcome to Lalibela! Habt Ihr schon genug? Nein? Keine Sorge, denn der Tag war noch lange nicht vorbei…

Gastfreundschaft

Schorsch

How much?

Rösten

Geduld

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Bitte umblättern: Gott gemetzelt…

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