5

Jan

Bull’s Eye – Vom Fleisch und anderen irdischen Gelüsten

Angetan

Nun denn also. Auf ein Neues.
Als ich in der Hauptstadt von Sambia aufschlug, befand ich mich nicht eben in der besten Verfassung, weil ich im Flieger höchstens eine Stunde geschlafen…

– Wie? hatte. Und was ich an diesem ersten Tage von Lusaka sah, war nicht eben dazu angetan, meinen Zustand sonderlich zu verbessern.

Süß

Dieser Eindruck sollte sich in den kommenden Tagen aber rasend schnell ändern.
In der Tat erblickte ich meinen ersten zaghaften Hoffnungsschimmer bereits am und im „Kenneth Kaunda International Airport“, beziehungsweise, das war bereits mein erster Hoffnungsschimmer.

Der kam mir so süß, provinziell und unprätentiös vor, dass ich mir dachte: „Hier kommen bestimmt nicht so viele Leute her.“ Denn das genau war der Plan meines neuerdinglichen Unternehmens gewesen. Irgendwo hinzugehen, wo noch nie (oder selten) keiner (oder kaum einer) gewesen ist.

Infektionsrisiko

Ja, ich kann schon jetzt und mit Freuden berichten, dass sich die Reise ins Herz Schwarzafrikas mehr als gelohnt hat! Denn die Menschen dort waren so unglaublich freundlich und geradezu chronisch gut gelaunt, so dass ich innerhalb weniger Stunden mit ihrer puren, unüberschattbaren Fröhlichkeit infiziert worden war.

Obert, der Manager des Hostels, in dem ich mich, lustigerweise über Couchsurfing, ein„gemietet“ hatte, holte mich sogar vom Flughafen ab. Es war eine Schrottlaube, aber, voll geil. Und nichts anderes hatte ich erwartet und nichts anderes hätte mir gefallen.

Goldschatz

Es war jedoch vor allem der Barkeeper des „Flintstones Backpackers“, Nafdali, der sich imstande zeigte, mir die Tage in der scheinbar geistlosen Betonwüste zu veredeln, denn er war nichts anderes als ein Goldschatz. Das lag nicht nur an den Drinks – nee… nee, echt nich’. Vielmehr bin ich noch immer der festen Überzeugung, dass sein Humor Krebs heilen konnte. Und da war er beileibe nicht der einzige!

Am ersten Samstag schleppte mich Obert mit ein paar Freunden in die Townships Kabwata und Chilenje.
Dabei handelte sich um eine scheinbar kilometerlange Aneinanderreihung von Bars und Clubs, die nur ab und zu unterbrochen wurde von den einfachen Behausungen der Einheimischen, die schüchtern hinter Ziegelmauern hervorlugten.

Einführung

Ich würde sagen, dass unser Kunstpark Ost oder vielleicht sogar die Reeperbahn dem germanischen Besucher wie Kinderspielplätze gegen dieses großzügige und weitläufige Kneipenviertel vorkommen müssen.

Wir probierten einige der – durchaus trinkbaren – lokalen Biere und sogen sie mit gut durchgebratenem Ziegenfleisch und Fisch (Mmmh.) vom Grillrost auf. Ein Typ, den wir dort kennengelernt hatten – oder vielleicht kannten die sich eh alle, keine Ahnung, dieser Typ jedenfalls zeigte mir, wie man sich in adäquater und statthafter Weise zu „Zampop“ (Sambische Vielgeschmäckermukke) zu bewegen hat.

Moves

Dank der überlegenen Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit meiner Hüftgelenke erlernte ich die Moves in nur wenigen Minuten… RMhm.
Und ich der einzige Msungu (Fahlhaut) weit und breit! Das war jetzt kein großspurig angelegtes Party-Ghetto mit Neon und Stroboskop-Nebel, sondern einfach der Kiez, das Viertel, wo sich die Leute aus der Nachbarschaft an den Wochenenden regelmäßig trafen, um ihre Ventile zu lüften.

Mein Glücksgefühl schien sogar den Nachthimmel Lusakas zu überstrahlen, denn ich hatte eine unfassbar gute Zeit mit den Burschen. Da kam der Couchsurfing-Aspekt also doch noch zum Tragen, weil sowas haste halt in ’nem Hostel eher selten, wa. Zu einem kleinen Teil jedoch konnte diese Tatsache auch am Bier gelegen haben. …Konnte? – Konnte.

Glücksgefühl

In der Zwischenzeit fühlte sich mein Verhältnis zu den Jungs und Mädels vom Flintstones eher an wie eine Freundschaft als das eines Kunden. – Nach fünf Tagen. Klar soweit?

Aber auch die Menschen auf der Straße waren so offen und herzlich zu mir!
Ihr breites Honigkuchengrinsen (Nie, noch nie traf dieser Begriff mehr ins Schwarze… Äh, also im, im übertragenen Sinne. – Sorry.) und das Leuchten ihrer glücksunterlaufenen Augen nach dem unerwarteten „Muli Shani?“ (Wie gehts?) eines Touristen war mir über alle Maßen bezaubernd und rührte mein Herz in seinen Grundfesten.

Klar soweit?

Allein der englische Akzent der Locals mutete an wie eine kleine Symphonie. Ihr sorgsam betontes „T“, das sanfte „Rrr“, das wie eine süße alte Dampflok über die fernen Hügel der subtropischen Savanne rollte, das klang alles so… gewählt und vornehm, dass sich ein handelsüblicher Red-Neck-Südstaatler wohl freiwillig in die Sklaverei begeben hätte.

Und die Damenwelt dorten… oh je.
Nun, der To schweigt selbstverständlich. Aber manches Mal kam es mir so vor, als sähe ich nur Augen und Lippen und Haare wie Wasserfälle aus schimmerndem Obsidan.

Drucksen

Wenn Ihr aber den Mega-Overload an Lusakianern erleben wollt, dann müsst Ihr nur zum örtlichen City Market schlendern. Alter, das Teil war massive!

Die ganze Stadt schien sich wie eine schnatternde Antilopenherde auf Betriebsausflug durch die engen Gassen aus Verkaufsständen und auf dem Boden ausgebreiteten Waren zu drucksen und zu wuseln.

Beschleunigen

Ich warne jedoch ausdrücklich vor der Fleischabteilung!
Gell? Man stelle sich nur einmal Reihen und Reihen von Tischen vor mit ungekühlten Tierkadaverteilen, die im afrikanischen Hochsommer vor sich hin garen…

Meine Knie begannen schon zu zittern, bevor auch nur ein Schimmer vom Hauch jenes bestialischen Gestanks in meine armen Nasenflügel dringen konnte.
Vielleicht war das so ähnlich wie bei Blitz und Donner, der eine braucht ja auch länger als der andere. Meine Augen tränten und fühlten sich an wie die Nordsee, auf der mein Magen „Gule Wamkulu“ (ein traditioneller Maskentanz) tanzte.

Ich musste wirklich beinah brechen, und deshalb beschleunigte ich mich, so schnell es meine wabernden Beine zuließen, aus diesem blutgetränkten Nebel des olfaktorischen Grauens hinaus.

Kiez

Fünf Tage

Feuersteins

Ausgelegt

Oh je.

Lusakianer

Stände

Lüften

Statthaft

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Bitte umblättern: Über die erstaunlichen…

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