1

Dez

Hinter den Spiegeln; Oder: Gedanken entstauben

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Gottes Werk…
———————————————–

Verve

Aber bis dahin, so schien es mir, war es noch ein weiter Weg. …Teh.
Folgerichtig ging ich eher missgelaunt und aus Pflichtgefühl meinen sehenswürdigen Tätigkeiten nach, ohne große Lust oder gar, wie heißt das, „Verve“.

Sobald mir ein anderer Tourist ins Bild latschte, bekam ich schon das Kotzen. Wenn ich auf einem Stein ausrutschte, verdammte ich das verflixte Konglomerat in die Hölle, und so weiter. Was einem eben so einfällt, wenn man eine verbichste Zwiderwurzn ist.

Beeindruckend

Dabei waren die Stelen wirklich, wirklich beeindruckend.
Aber jetzt machen wir erst einmal das hier fertig. Ob Ihr’s glaubt oder nicht, aber Axum ist im Vergleich zu Lalibela aber sowas von entspannt. Gar keine Frage, gar kein Vergleich. Okay?

Man kann es hier wirklich ein paar Tage aushalten, ohne großartig belästigt zu werden außer von ein paar, fast schon devot, sich zurückhaltenden shoe shine boys.
Mei, im Prinzip hatten sie ja auch Recht. Meine Schuhe sahen wirklich aus, dass der Sau graust. Aber was bringt’s? Ende März war es dort noch immer so staubig, dass man sie jeden Tag hätte wienern können.

Zünfte

Was selbstverständlich genau deren Geschäftsidee entsprach und jene Branche in Äthiopien derart berühmt oder vielmehr berüchtigt gemacht hat, dass den jungen Burschen sogar irgendwo eine Statue gewidmet wurde. Fragt mich jetzt aber nicht, wo ich die gesehen hab’ – in Addis? Scheißegal.

Ein waschechter Berufszweig und eine gestandene Zunft also war das, was wie gesagt nur konsequent und naturgemäß erscheinen muss in einem Land, wo einem der Staub für zwei Drittel des Jahres so unaufhaltsam und schleichend in die Schuhe dringt wie wie halbscharige Gedankenfetzen ins stotternde Hirn um sechs Uhr morgens.

Laid Back

Ich bin mir sicher, hätte Terry Pratchett von den Jungs gewusst, er hätte ihnen gewiss ein eigenes Viertel in Ankh-Morpork gewidmet, vielleicht in der Art eines obskuren Geheimbundes, der in Wirklichkeit die Fäden und Geschicke der größten Stadt auf der Scheibenwelt in den verkrusteten Händen seiner Mitglieder hält.
Ja, ich denke, das würde gut passen.

Jedenfalls, Axum war ziemlich laid back und so, ne?
Wobei, das ist wirklich interessant und stützt darüber hinaus meine These vom Innen wie Außen, die ich oben kurzen angerissen habe:

Stimmung

So etwas stellt sich dort in der Tat für jeden anders und zuhöchst individuell verschieden dar. Beispiel: Balthasar fand Gondar ziemlich stressig und unkommod, für mich wirkte es eher gechillt im hustenden Vergleich zu Lalibela, wo mir die Galle in der Speiseröhre explodierte, wenn Ihr Euch erinnern könnt.

Dieses Drecksloch wiederum fand ein sympathischer Berliner, den ich in Axum im Vorbeigehen kurz kennenlernen durfte, ganz vorzüglich geradezu, dem im Gegenzug Axum nicht so recht schmeckte. Und das war mir selbst also völlig unverständlich.
Seht Ihr, was ich meine? Deshalb würde ich sagen, lasst Euch am besten selbst überraschen, nicht wahr?

Strange

Der Franzose, den ich in Dire Dawa traf, meinte nur, viel Spaß im Norden, da sei es ja noch schlimmer als im Süden. Mit Ausnahme von Laliprella ging es mir aber genau umgekehrt. Naja, und so weiter.

Aber an jenen, lass sagen, zwei Tagen, wo ich so drauf war, begegneten mir selbst dort, in dieser, auch was den Touristen-Hazzle angeht, eher unscheinbaren Stadt fast nur unangenehme und strange Zeitgenossen, die mir meine Laune nur noch mehr verdarben. Zwielichtige Gestalten und ganz und gar ekelhafte Charaktere waren das, die einem den Tag vergällen wie der Brief vom Finanzamt, so als ob ich sie irgendwie „magisch“ angezogen hätte.

Genuss

Die Krönung erfolgte, wieder einmal, in den Hügeln um Axum, quasi auch in geografischer Weise trefflich, wo ich einige Gräber sowie eine langweilige Kirche besichtigte; eigentlich nur, um die Aussicht von dort oben zu genießen.

Wo wir es vorhin von Naturgesetzen hatten: Selbstverständlich kamen einige aufgescheuchte Dorfjungens auf mich zugerannt mit leuchtenden Dollaraugen, um mir den Weg zum nächsten Kloster zu zeigen. Und was ich bekomme ich zu hören für mein entschiedenes und bereits präventiv genervtes „No guide. Money, no!“?

Hügel

„Fuck you, fuckyoufuckyou…“ Herzallerliebst – und dabei hochinteressant.
Aber in dem Moment hatte ich es halt immer noch nicht vollends geschnallt.
Nein, in dem Moment war ich nämlich vollauf damit beschäftigt, sie um Gottes willen nicht sehen zu lassen, wie sehr ich schon wieder innerlich brodelte und kochte. Geschweige denn, sie nicht in zarte Streifen Kinderfilet zu filettieren.

Stattdessen machte ich es wie die Milch: „Setzt den Hut auf, sagt Ade.“
Das hat meine Oma immer gesagt, wenn ihr wieder mal mein heiß und innig geliebter Milchreis übergekocht war, und sie ergeben die Arme in die Luft warf.
Schnell also wieder hinunter in die sichere und vergleichsweise entfiliasierte Zone der Stadt und raus aus dem Radarkreis dieser kleinen Schimären!

Schimären

An jenem Abend, sei es eine Art Eingebung gewesen oder weil es mir grad langweilig war, schaute ich seit langer Zeit wieder ein Video von Eckart Tolle, der wie immer wie über seinen berühmten Moment des „Now“, dem Hier und Jetzt philosophierte.
Oder mit Aldous Huxley: „Here and now, boys! Here and now!“

Und da ich sonst wie gesagt nichts zu tun hatte, befolgte ich kurzerhand seine Anweisungen, an sämtlichen Gedanken und Gefühlen vorbeizugehen, sie ordentlich zu grüßen, aber eben vorbeizugehen und einfach… präsent zu sein. Und aufmerksam, eine Art wachsame Stille im inneren Gebälk zu wahren.

Präsenz

Und wann immer Bilder oder Gesichte durch mein Bewusstsein flatterten, sie als das zu erkennen, was sie in der Tat waren: Fragmente des Egos. Und sobald ich das dachte und mir „darüber bewusst“ wurde, so schnell verzog es sich auch wieder, mein flutschiger Alter, diese aalglatte Schlange.

Denn solange man in der Gegenwart vollkommen präsent ist, kann das Ego nicht bestehen, darf es praktisch nicht existieren. Und da hat Tolle verdammt Recht, das stimmt wirklich, probiert es aus.
Beides zusammen geht nicht – aber vielleicht hat das auch was mit Multitasking zu tun.
Wobei, dann müssten ja einige Frauen damit ganz schön Probleme haben, oder nicht? Keine Ahnung.

–- Teh, der Moskito, den ich letzte Nacht vor die Türe gesetzt habe, fliegt am Fenster vorbei und will wieder rein. –-
Das tat gut. Das entspannte.

Grab

Noch ein Grab

Hier und Jetzt

Nächste Kirche

Um Axum

Ansporn

Shoe Shine

 

Innen wie Außen

Aushalten

Multitasking

 

 

 

 

 

————————-

Bitte umblättern: Flow-Zustände kompensieren…

 

 

Post a Comment