21

Dez

Wenn die Lanze bricht: In Hades’ Gewässern

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Pandora…
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In diesem Beitrag sind nur vereinzelt Bilder vorhanden und es werden keine Namen genannt aus Respekt vor der Privatsphäre eines jeden Piraten und Zauberers, einer jeden Hexe und Priesterin, die am Camp teilnahmen. Bilder sind zwar einfacher und oft treffender als Worte, doch an dieser Stelle reichen selbst diese bei weitem nicht aus, das Erlebte auch nur annähernd zu beschreiben.
(Anm. des Sammlers)
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Aber erst einmal war da kein großes Feuerwerk. Mir wurde nicht einmal schlecht. Ein bisschen flau vielleicht, aber sonst… Naja, aber der Schamane hat ja gesagt, dass es bis zu einer halben Stunde, Stunde dauern kann, bis da was geht.
Kaum hatte ich diesen Gedanken zu Ende gedacht, da fängt mein Nachbar auch schon das Zucken an.

Der Mond fehlt

Ja Herrschaft, der legt aber los.
Na gut, dann schaung mer mal. Aber noch immer lag alles friedlich und ruhig in mir, spiegelglatte See unter einem bleichen Mond.
Mittlerweile waren auch die ersten stöhnenden Laute zu vernehmen, Gestalten krümmten sich und immer mehr Teilnehmer traten den schlingernden Kreuzweg nach draußen an.

Bei mir – nichts. Flaute. Doldrum. Nada.
Najaaa, vielleicht bin ich ja einer der wenigen Glücklichen, bei denen es auch ohne Speim vonstatten geht. Wäre ja auch nicht verkehrt.

In der Zwischenzeit hatte sich mein Nachbar auf alle Viere begeben und angefangen, mit seiner prächtig weißen Lockenmähne wie ein wilder, urbayrischer Löwe zu brüllen, bevor er schluchzend niedersank und daraufhin ein zartes Pflänzlein liebevoll umschmeichelte, das scheu aus dem Boden spross.

Später erklärte er uns auch, warum er das getan hatte.
Nur damit hier keine Missverständnisse entstehen: ich will keineswegs respektlos erscheinen oder mich gar über das, was ich dort sah, lustig machen.

Gebet

Es mag zwar lustig und ein klein wenig absonderlich klingen, aber was ein jeder in dieser Nacht erlebte, erforderte großen Mut, sich überhaupt erst darauf einzulassen und war in der Tat nichts Geringeres als ein zutiefst aufrichtiges Gebet.
Denn es konnte durchaus sein, dass man sich auf einmal nicht nur seinen eigenen, sondern den Dämonen der gesamten Menschheit gegenüber sah. So.

Da kann man schon mal das Schreien anfangen.
Ich hoffe nur, dass meine etwas ulkige Beschreibung dieses Hergangs mit einem ebenso liebenden Lächeln gelesen werden kann, grade so wie er jenes kleine und zerbrechliche Wunder der Natur vor seinen staunenden Augen las und bewunderte.

Sodann richtete er sich wieder auf, ging einmal stolz im Kreis herum, reckte die Arme triumphierend in den Himmel und ließ ein solches Heldengeheul ertönen, dass der gesamte Wald in seinen Grundfesten erzittern musste. Andere jubelten ihm zu oder freuten sich, einfach weil er sich so freute.

Wiederum, ich möchte nicht im Geringsten respektlos erscheinen. Ganz im Gegenteil. Vielmehr war ich gehörig neidisch und eifersüchtig auf ihn, da er augenscheinlich eine aufregende und überaus intensive Reise machte in Orte und Sphären, die mir auch weiterhin verschlossen blieben.

Traumzeit

Mittlerweile wurde ich mehr und mehr Anzeichen, ob visuell oder akustisch, ähnlicher Prozesse bei einigen der anderen Jünger gewahr, ohne dass sich mein träges Bewusstsein auch nur von der Stelle regte: „Auf, Du elendige Made! Schwing’ Deinen faulen Hintern an Deck und setz gefälligst die Segel!“

Nein? Hmpf. Oh, ich fühlte mich durchaus ein wenig schwummrig und beduselt, aber so ein Gefühl kannte ich nach zwei, drei, vier, fünf Halben auch.

Je mehr Traumzeit verstrich und je klarer mir wurde, dass mein eigener Traum vermeintlich ausbleiben sollte, desto trauriger und niedergeschlagener wurde ich. Auch als die zweite und dritte Runde ausgeschenkt wurde, tat sich rein gar nichts in mir, nicht einmal ein Fünkchen.

Dabei war ich doch schon lange unterwegs, nur halt nicht unbedingt dahin, wo ich denn gerne hin wollte.
Denn ganz wie bei dem Auto des einen Teilnehmers, das am letzten Abend um’s Verrecken nicht anspringen wollte, hatte sich Grandma ihren Teil dabei schon gedacht.

Wie er sollte auch ich in jener schicksalhaften Nacht voll und ganz DA bleiben und mich in meiner Misere suhlen. Aber in dem Augenblick wollte ich natürlich nichts wissen von Destiny und Fügung, zum Teufel mit dieser angeblichen Weisheit unserer Ahnen! Was soll denn das? Die waren doch auch nur Kinder so wie wir, was wissen die denn schon!

Ich war enttäuscht, deprimiert und am Boden zerstört. Ich fühlte mich komplett abgeschnitten. Hatte ich etwa die Patientenverfügung unterschrieben, die es diesem Quacksalber erlaubte, mir die Nabelschnur abzuschneiden?? NnnnNEIN!!

Selbst der zur Klärung und Reinigung vorgesehene Schnupftabak, der mir ins Hirn schoss wie ein tollwütiger Hornissenschwarm und Tränen wie ein entfesselter Stausee aus mir hervorbrachen, konnte meine Laune nicht mehr heben.

Kloß

Wenigstens ging ich davon endlich kotzen. Aber selbst das erschien mir nicht wirklich erleichternd. Es war, als ob noch immer ein kantiger Batzen in mir drin steckte, ein kalter und verhärteter Kloß, der sich in meiner unteren Magengrube eingenistet und es sich hübsch eingerichtet hatte, so dass er auf Gedeih und Verderb nicht mehr heraus wollte.

Ist doch alles scheiße. „Und für den Rotz hab’ ich so einen Haufen Geld zum FENSTER RAUSGESCHMISSEN!“
Der Schwabe in mir erwachte. „Und schon mit Fleiß schau’ ich mir den Rest dieser vermaledeiten Veranstaltung auch noch an! Wenn ich schon dafür zahl.“

Ich wollte so gern mit jemandem reden oder mich irgendwo ausheulen, aber wie denn! Wenn alle um mich herum grad entweder mit weißen Hirschen redeten oder sich die Seele aus dem Leib kotzten. Zu spät fiel mir ein, das ich ja zu einem der Schamanen hätte gehen können, die schienen sich einen Gutteil der Zeit über im Griff zu haben.

Doch ich war zu sehr in meiner eigenen Hölle aus emotionaler Eiseskälte gefangen, allein und verlassen in der Finsternis meiner erbärmlichen Existenz.
Aber wie gesagt, genau das war eben der Plan der weisen Großmutter, und ich sage Euch, wenn ich die in die Finger kriege!

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Bitte umblättern: Wieso immer Hafer?…

 

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