20

Mai

Einfach so: Sahnehäubchen & I-Tupfen

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Sandsturm versus…
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Nich so

Also, Kamelreiten war demnach nicht so der Burner, aber die majestätischen Dünen zu erklettern… wiederum schon. Der absolute und alles in den Schatten stellende Höhepunkt war jedoch genau das Gegenteil, nämlich, als wir durch den weich dämpfenden Sand wieder hinunter sprangen und hüpften, free style und auf ganz infantile und glorreiche Art und Weise.

Nach oben gab es dahingehend natürlich einen negativen Effekt. Ich kam mir vor wie damals im Himalaya kurz vor der Überquerung des Thorung-La-Passes auf fünftausend Meter Höhe, weil ich auch da alle zehn Schritte stehen bleiben musste, um gierig nach Luft zu schnappen und meine empörten Gliedmaßen zu entsäuern.

Bilderbuch

Allerdings wurden wir auf dem Dünenkamm oben rundherum mit Bilderbuchpanoramen belohnt. – So viel Sand… und keine Förmchen.
Aber auch viel Wind. In der Tat zuviel, um da oben ein Bier aufzumachen. Aber das war nicht so schlimm, wir hatten ja eh keines dabei.

Mein ganz persönliches Zuckerl in jenen scheinbar toten und ausgemerzten Landen war aber lustigerweise die Fahrt zu den Dünen. Denn Seite an Seite mit dem Bus vom „Golden-Gobi-Hostel“ stoben wir über die flache Ödnis der nördlichsten Wüste der Welt wie die Vorhut der barbarischen Touristenhorden im Hochsommer.

Vollkommen

Die Sonne schien, und meine Ohren wurden wieder einmal und überaus passend von den stampfenden Rhythmen einer ganz bestimmten Folk-Band umspielt: „…and I’ve been travelling oh so looong… I’ve been travelling oh so loong…“

Alles war gut und… perfekt.
Es war einer von diesen goldenen Momenten, die platzen wollten vor Glück und Vollkommenheit, und er erinnerte mich so sehr an meine
unfreiwillige Nachtfahrt durch die nördlichen Savannen von Sambia im Jahr davor.
…Aaaah sorry, das sollte jetzt kein Show Off werden, aber, mei. Es ist halt so…

Kaff

Dieses Gefühl wurde noch verfeinert und mit ausreichend Serotonin bereichert durch die bunte Vielfalt an Süßigkeiten, mit denen wir uns zuvor versorgt hatten.
Dank der Globalisierung findet man ja auch im hinterletzten Wüstenkaff, wo selbst die Gespenster anfangen, aus Langeweile Schach zu spielen,
findet man einen Mini-Mart, indem zumindest ein Regal existiert, randvoll mit Storck’s Riesen und Was-wollt-ihr-dann-Maoam.

Schneller noch als der DeLorean katapultierten sie mich zurück in meine eigene Vergangenheit, als ich vor nunmehr etwa zwanzig Jahren im Schulbus saß, hormondurchflutet und vor Pickeln strotzend, auf meinem unfreiwilligen Weg zum Max-Planck-Gymnasium im architektonisch vergewaltigten Heidenheim an der Brenz.

Surreal

Aber das war natürlich nicht unsere einzige Verpflegung (obwohl keiner von uns etwas dagegen gehabt hätte). Morgens servierte Gala uns stets und brav ein kontinentales Frühstück, bestehend aus Kaffee, Tee, Labbertoast, Marmelade UUND! einen von diesen gemischten Nutella-Verschnitten.

Die kennt Ihr schon noch oder, diese braun-weißen Aufstriche? Fast so künstlich wie Esspapier? Ja, eeeeeendsgeil… Ich hätt’ ihn abbusseln können, einfach dafür.

Einmal

Zum Lunch stoppten wir meist in einem von diesen surrealen Nestern und speisten in einem plastiknüchternen, aber klein feinen Familienrestaurant, die nicht nur einmal extra für uns den Herd anschmeißen mussten (weil da ja sonst niemand hin will außer ein paar gehirnzerwuzelten Touristen). Währenddessen beeilte sich Bata, mongolische Karaoke zum Besten zu geben. …Das hat er aber Gott sei Dank nur einmal gemacht.

Oft gab es gesalzenen Milchtee, und „Boods“, das sind allenthalbene Teigtaschen, die mit Hammel gefüllt werden. Abermals streckte mein armes Schweizer Gedächtnis seine Fühler aus und knüpfte eine weitere, zittrige Verbindung zu meiner Zeit in Nepal, nur dass sich die endemische Snackwelt dort um Buttertee beziehungsweise „Momos“ drehte.

Unterkunft

Zum Abendessen bekochte Gala uns höchstpersönlich in unserer jeweiligen Unterkunft, und das gar nicht mal schlecht. Nur viel zu wenig gewürzt, aber das war in der Mongolei immer so.

Und auch nicht weiter schlimm, weil in dem Land wird traditionell zu jedem Gericht sowohl Maggi als auch Ketchup gereicht. Kein Scheiß, Maggi. – Ja, und aus IRGENDeinem Grund klatschte er auf fast jedes Gericht einen Haufen aus kaltem Dosen-Thunfisch.
…Ich habe mich nicht getraut, zu fragen.

Abendessen

Das war jetzt offensichtlich keine Sterneküche, aber dafür sehr lecker und immer reichlich. Selbst ich musste mich vorbereiten und in Topform sein für seine Portionen, die Mädels starrten ihre Teller nur fassungslos an.

Er sah das aber auch nicht ein: „How many dumplings do you wan’?“
Arnold & ich: „Eight.“
Stef: „I’ll take six.“
Katy: „Fffive mmaybe?“
Gala: „Okay, I think, eight fo’ eve’ybody vill be good.“
Vielen Dank für’s Nachfragen.

Dergestalt schlugen uns wir also unsere wertvolle Zeit um die Ohren. Inzwischen waren sechs Tage vergangen, als wir schlussendlich die Richtung änderten und wieder nach Norden in Richtung Zentralmongolei zuckelten.
Doch das war just zu dem Zeitpunkt wirklich keine gute Idee…

Richtung

Ödnis

Keine gute Idee

Kamelreiten

Hüpfen

Entsäuern

Free Style

Kamm

Rundherum

Panorama

Oben

Hinterletzt

Seite an Seite

So viel Sand

Einfach so

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Bitte umblättern: Im Fegefeuer…

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