18

Mai

Sandsturm versus Kamel – Wer gewinnt?

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Teufelspakt…
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Grün

Drei Tage lang wurde uns der Weg nach Süden in Richtung Wüste gebahnt. Fast unmerklich änderte sich das Bild am Seitenfenster von verschneiten Gebirgssteppen über die berühmten, schweifenden Hügellandschaften der Mongolei bis hin zu den kargen Steinebenen der Gobi-Wüste.

Je nach Bodenbeschaffenheit und Bewuchs erschien uns das Land mal braun, rot oder gelb, ein anderes mal schwarz wie Kohle und, sogar mitten in der Wüste, lebendig grün, da zu dem Zeitpunkt noch immer ausreichend winterliches Schmelzwasser zum Gedeihen von winzigen Gräsern vorhanden war.

Popp

Ich bekam ein recht gutes Gefühl für die endlosen und vielbedichteten Weiten dieses Landes. Stundenlang bewegten wir uns nur über flache Ebenen, und gerade wenn ich glaubte, dass deren Eintönigkeit nimmer enden wollte, poppte wie aus dem Nichts eine pittoreske Hügelkette oder sogar ein ausgewachsener Gebirgszug aus dem Erdboden und erfreute mein müdes Auge.

Das vermochten auch die Schafe, Ziegen, Kamele, Pferde, Rinder und Yaks, die in Myriaden darüber verteilt waren und die bis heute die traditionellen Zuchttiere als auch die einzige Lebensversicherung der Nomaden darstellen. Auf einen Einwohner kommen an die zehn Tiere, klar soweit?

Umgeben

Natürlich brachten Bata und Gala uns zu den Hauptsehenswürdigkeiten, die auf unserem weiten Weg lagen. Zum Beispiel besuchten wir die Ruine eines alten Klosters, das von einigen schüchternen Geröllhügeln umgeben war und von den Kommunisten während ihrer Säuberungen zerstört wurde.

Einmal, da spazierten wir durch ein wunderschönes Gebirgstal in der Südgobi, in dem es vor kleinen Nagetieren nur so wimmelte. Mit unseren Blicken erhaschten wir außerdem ein paar Bergziegen und sogar zwei Widder, während über uns ein ganzer Schwarm von Geiern kreiste.

Ausreißen

Da wir kurz zuvor geduscht hatten, war ich fast vollständig davon überzeugt, dass sie nicht wegen uns kreisten.
Ach, am liebsten wäre ich ausgerissen, um über die dicht mit Wacholdersträuchern bewachsenen Hänge zu stiefeln, immer weiter und weiter in Meilen bis über den Horizont… ins Nimmerland.

Immer wieder staunte ich über kuriose Felsformationen mitten im Nirgendwo und kam mir vor wie in einer fremartigen Marslandschaft. Manche waren so kurios, dass sie aufgrund ihrer markanten Farbe die „Flaming Cliffs“ genannt wurden.

Formation

Anscheinend hatten sie eben dort in den 20ern und 30ern des letzten Jahrhunderts zahlreiche Dinosaurierknochen ausgebuddelt: allein acht der bisher zwölf bekannten Gattungen waren damals in der heutigen Mongolei vertreten.
Ist das nicht faszinierend und vollkommen nutzlos?

Den Höhepunkt aber bildeten die bis zu zweihundert Meter hohen Sanddünen, die sich zwischen zwei Gebirgszügen der südlichen Gobi, in der Nähe von Dalanzadgad befanden. Dort verbrachten wir zwei Nächte und gelangten in den ruckligen und zweifelhaften Genuss eines Kamelrittes.

Sehr lustig

Naja, also, die anderen fanden es wirklich sehr lustig, war es eigentlich auch, aber ich kannte das ja schon aus Marokko. Mwaha.
Nein. Doch. Das eigentlich Enttäuschende für mich war, dass wir eine Stunde lang über eine uns wohl bekannte, topfebene und absolut langweilige Steinebene geradewegs in eine Richtung ritten, und dann eine Stunde lang genau den gleichen Weg wieder zurück.

Es ging wirklich nur rein um das Erlebnis, einmal auf so einem Viech zu hocken, und dementsprechend nicht etwa prickelnd, wenn man das schon gemacht hat. Der Weg in die andere Richtung durch die schönen und romantischen Dünenlandschaften war uns leider versperrt, da schon die allerersten Hänge direkt vor unserer Nase viel zu steil waren für die Tiere.

Letzte Nacht

In der letzten Nacht erfuhren wir auch den Grund für diesen Sachverhalt. Denn mit einem Mal setzte ein derart höllischer Sandsturm ein, dass er mir allein durch den Lärm, den er verursachte, den Schlaf raubte. Auch nach unserem Frühstück am andern Tag wollte er nicht aufhören, also ließen wir dieses Inferno schleunigst hinter uns.

Verwachsen

Wenn man an jenem Morgen die Jurtentür aufmachen wollte, musste man wirklich gut auf der Hut sein, weil ansonsten hätte einen selbst die zaghafteste Bö dieser Mutter aller Stürme mit einem mordsmäßigen Ruck und samt der Tür nach draußen geschleudert, um erst wieder auf dem Mond zu landen.

Verirrte Zicklein irrten hilflos umher auf der Suche nach ihrer Mutter, wohingegen die Kamele keine Miene verzogen und weiter gelangweilt und stoisch vor sich hin kauten, als ob sie mit dem Erdboden verwachsen gewesen wären.

Degradiert

Echt, das war irre!
Ab da musste ich
mich also nicht mehr fragen, welche Gewalten nur dazu imstande sein konnten, derart massive Wallmauern zu schaffen, von denen selbst die Bewohner von Jericho nur hätten träumen können und die die Chinesische Mauer zu einem Rinnstein degradierten.

Denn der Frühling ist in der Mongolei die Saison der stärksten Winde, und die konnten in der Tat so einiges. Selbst unter der schon ordentlich auf Halbmast brutzelnden Sonne brauchte man sich ohne drei Lagen Klamotten und dicke Wollhandschuhe bei einem solchem Getöse nicht nach draußen trauen.

Flaute er irgendwann einmal, meistens so gegen den Abend, aber ab, trieb mir allein schon der Anblick eines hauchdünnen T-Shirts den Schweiß auf die Stirn. Zu der Zeit trafen dort wirklich Extreme aufeinander.
Vielleicht braucht man deswegen die Kamele, als Vorbild und als Gegenpol.

Gegenpol

Vorbild

Naja

Schmelzwasser

Gelb – Rot

Mars

Sehenswürdig

Gebirgszüge

Wacholder

Erhascht

Fast

Nimmerland

Steppe

Verschneit

Ruine

Versicherung

Weite

Gebirgstal

Zucht

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