14

Mrz

Same same. But diffelent! – Über Zerstreuungen

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Was ist schlimmer…
———————————————–

Rosine

Jetzt aber wirklich, geschlagene vier Wochen nur in einem Sofa? Jahaa! Nein.
So sehr ich mich auch sträubte, zwangen mich meine widerspenstigen Beine dann doch in das eine oder andere der achtzigtausend Klöster, die wie Rosinen auf einer Torte über die Stadt verteilt lagen. Das wiederum lag an der wechselvollen Geschichte von Chiang Mai, sagte mein Reiseführer. Klasse, jetzt weiß ich so viel wie vorher.

Neues Jahr

Oder ich trieb in den Menschenmassen der hiesigen Straßenmärkte und versuchte händeringend, nicht alle der dort ausgelegten Waren zu kaufen. Das galt vor allem in den von roten Lampions beleuchteten Gassen Chinatowns während des Neujahrsfestes. Angesichts der zahllosen Essensstände erlag man bereits einem Magengeschwür, bevor man den Verkäufer auch nur interessiert anschaute.

Obwohl die Altstadt vor Hotels, Tour Agencies, Restaurants mit globalisierten Hintergründen (Ich war erfolgreich nicht in der Bierstube.) und Massagesalons strotzt, verströmt der Ort eine angenehme und entspannte Atmosphäre.

Entspannt

Nicht nur einmal dachte ich mir: „Mensch, an dem Fleckerl könnte ich es für eine Weile echt aushalten“, während ich auf meinem geliehenen Drahtesel durch die sonnigen Straßen fuhr und der Fahrtwind die flirr-sirrende Hitze ein wenig erträglicher machte.

Auch kulturell hatte die Universitätsstadt einiges zu bieten: Jam-Sessions, Musikfestivals mit Blues, Folk und natürlich Jazz sorgten für Kurzweil, während die umliegenden Berge Wandermöglichkeiten sowie erfrischende Badeerlebnisse unter sprudelnden Wasserfällen eröffneten. (Der Werbecharakter ist im übrigen Absicht, warum, weiß ich nicht.)

Jam

Ich war da auch nicht. Und ich weigere mich zuzugeben, dass ich es war, der mit den anderen Giant-Bewohnern auf ein Jazz-Konzert gegangen ist, because!: I hab‘ no time.

Denn bis auf zwei notwendig lethargische Wochenenden lernte und übte ich mich jeden Tag fleißig in den gelenkigen Künsten der Thai-Massage, mal bei Privat-Lehrern in ihrem Heim oder in einem Kloster, mal in einer etwas moderneren Schule – wobei ich diesen letzten Kurs grade noch so vor meinen Abflug quetschen konnte.

Skulptur

Wirklich, am letzten Unterrichtstag hab’ ich meine Zertifikate geschnappt, bin in den Nachtzug nach Bangkok gehüpft und einen Tag später in den Flieger nach Abu Dhabi. Zackzackzack, so geht das.

Ich muss sagen, meine vorhergehende Faszination für diese Massagetechnik hatte mich nicht getrogen, ganz im Gegenteil. Zwar kannte ich diese Art der Druckmassage bereits aus dem Shiatsu (Show Off!), bei der man ohne Öl auf dem liegenden Kunden mehr oder weniger punktuell herumwalkt, bis er nicht mehr weiß, ob er bereits Teil der Matratze oder immer noch ein Mensch ist.

Nahe

Aber von diesen berühmten und, mit Verlaub, hammergeilen Dehntechniken, bei denen man sich so schlangenartig mit der anderen Person verhakt, dass beinah kunstvolle Skulpturen daraus erstehen, war ich restlos begeistert. Mehr mehr mehr! Vor lauter Freude musste ich immer wieder lachen, während ich versuchte, meinen Partner (oder mich selbst?) möglichst effektvoll auszuhebeln.

Same same

Da kommt man sich unwillkürlich derart nahe manchmal, dass es theoretisch schon aus Versehen zum Happy End kommen könnte.
Ganz ehrlich? Mich wundert es gar nicht, dass diese würdevolle und alteingesessene Behandlungsmethode gelegentlich doch in jenen zwielichtigen Branchenzweig ab-ehm-gleitet.

Anders betrachtet könnte man Thai-Massage auch als Kampfsport betreiben.
Tatsächlich vergleichen die Lehrer oder „Ajahns“ einzelne Elemente der Massage immer wieder mit dem Thai-Boxen: „Same same. But diffelent!“
Oooh ja, der Spruch musste ja einmal kommen, und wenn er noch so ausgelutscht, noch so ausgefladert ist.

Alltag

Das ist aber auch gut und richtig so, denn für mich erhält er seine Daseinsberechtigung allein durch die Tatsache, dass die Thais ihn ständig, und eben nicht (nur) zum Posen vor geiernden Weißbauchträgern, sondern in einem ganz alltäglichen und nonchalanten Sinne, benutzen und befindet sich somit jenseits allen Spotts.
Mei, und es stimmt halt einfach.

Energiebahn

Ein T-Shirt hab’ ich mir aber trotzdem nicht gekauft.
Wie im Shiatsu arbeitet man entlang von Energiekanälen, die es laut Ansicht von Schulmedizinern gar nicht gibt, obwohl genauso wenig Beweise dagegen wie dafür sprechen. Egal, das Blöde und Entnervende daran ist, dass es funktioniert.

Nur sind es etwas andere Energiebahnen, da die Thai-Massage im Vergleich zu seinem japanischen Gegenstück weniger von der Traditionellen Chinesischen Medizin als vielmehr von der indischen Prana-Lehre beeinflusst wurde.

Temperament

Diese Geschichte basiert nun einmal auf (tausendjährigen) Erfahrungen, die bis in die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts weder institutionalisiert noch groß vereinheitlicht, sondern lediglich von einem Meister an seine Schüler weitergegeben wurde.

Deswegen streiten sich sogar die unterschiedlichen Thai-Schulen um den exakten Verlauf einzelner Energiebahnen. (wobei „streiten“ vielleicht etwas stark formuliert ist, wenn man Temperament und Gepflogenheiten der Thais bedenkt.)

Dehnen

Im Grunde geht es bei jenem Disput um den südlichen „Wat-Po“-Stil, bei dem weniger gedehnt und mehr gedrückt wird, im Gegensatz zum nördlichen „Lanna“-Stil, der im übrigen vom Vater des derzeitigen Direktors der Shiva..ma…ra…undso-Schule begründet wurde, bei der ich eben meinen letzten Kurs absolvierte. Gar nich’ so lange her, wa?

Den etwas abgekürzten Theorie-Unterricht bekamen wir denn auch vom ehrwürdigen Schulleiter persönlich gepresst. …Stellt Ihr Euch jetzt gerade einen rüstigen, sehnigen und vor kerniger Gesundheit strotzenden Weißbart vor, aus dessen funkelnden Augen Euch vergnügt das Universum entgegenlacht? – Hihi! Aaaauuuu contraire, meine Freunde.

Ein kerniger Hampelmann mit ordentlichem Bierbauch war das!
Echt, der hätte Kabarettist werden sollen. Der würde den Moustache Brothers glatt den Rang ablaufen! Je mehr wir lachten, desto mehr verstieg er sich in komische Faxen und seine aberwitzigen Gesichtsverrenkungen.

Sein „Ja, richtige Antwort!“ bestand aus einem gedehnten „Öööööh“, allerdings nicht unser offenes „Ö“, sondern so halb vermischt mit einem „Eeeeeeh“, mit halb geschlossenem Mund und eher aus dem Bauch beziehungsweise Rachenraum kommend, so dass man nicht wusste, ob er jetzt zufrieden oder vielmehr angewidert war; herrlich!

Lanna

W(h)at

Achtzigtausend

Treiben

Chinatown

Vibe

Altehrwürdig

Verhakt

————————-

Bitte umblättern: Die Macht ist…

Post a Comment