14

Mai

Trophäen hinter Mauern: Über notgedrungene Schönheit

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Stammesgewusel & Marktkonflikte…
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Einsamer Berg

Und so landen wir endlich in Konso, weit im Süden mit seinen zauberhaften ummauerten Dörfern. Eines davon tauchte unversehens auf wie ein verstecktes Elbenreich unter Staub und Fels, umringt von eindrucksvollen Hängen, die fast vollständig mit Terrassen zum Anbau von Kaffee, Chat, Sorghum (??) und tropischen Früchten verziert waren.

In deren Mitte erhob sich aus dem tief eingeschnittenen Tal ein einsamer Berg, um dessen Flanken sich die Mauern und Behausungen von Busso klammerten. Ein wenig erinnerte mich Szenerie an Erebor, Heimstatt und Königreich der Zwerge.

Hänge

Wahrlich, jenen Anblick werde ich so schnell nicht mehr vergessen können, denn er trieb mir Tränen der Freude in meine verklebten Augen, und meine Lippen erbebten von den wilden Hammerschlägen meines aufgeregten Herzens.

Fangen wir oben an.
Laut den Angaben meines Guides sei die Spitze des Berges seit jeher den Ältesten vorbehalten, von dem aus sie wie Moses allzumal mit Naturgottheiten palaverten und sodann der Bevölkerung mit lauter Stimme ihre Beschlüsse bekannt gaben.

Stufen

Somit erging es den Einwohnern von Busso um einiges besser als dem armen Arthur Dent, der sich gezwungen sah, einen dunklen Keller mit kaputten Treppen hinunterzustolpern, um endlich zu erfahren, dass sein Haus unglücklicherweise dem Bau einer Umgehungsstraße weichen soll.

Direkt eine Ebene unter dieser vergeistigten Sphäre wurden im Anschluss die ersten traditionellen Rundhütten, die sogenannten „Tukuls“ gebaut und der erste Mauerring gezogen, um sich gegen lebensmüde Angreifer verteidigen zu können.

Pittoresk

Ja komm, allein der bloße Aufstieg bringt einen außer Puste! Wenn ich mir die Kraxlerei auch noch mit dem Gewicht von Waffen und Rüstung sowie unablässigem Steinhagel von oben vorstelle, so könnte ich auch eben mein Grab selbst schaufeln, mich hineinlegen und zu Tode meditieren, das wär’ unstressiger.

Nostalgie

Mit der Zeit wuchs das Dorf aber immer weiter nach unten, und dementsprechend mussten neue Dorfmauern gezogen werden. Auch die einzelnen Anwesen und die schmalen Pfade dazwischen waren mit pittoresken Zäunen aus teils natürlichen Ästen befestigt, deren spitze Enden sich abwehrend nach außen neigten.

Eine formidable Festung, die nur über eine enge Rinne erstürmt werden könnte, in der keine zwei Krieger nebeneinander Platz finden.
Übrigens scheint es auch heutzutage noch ab und an noch Konflikte und Querelen der Konso mit anderen Tribes zu geben, nur nehmen sie mittlerweile eher Knarren statt ihrer alten, romantisch traditionellen Speere her.

Doch all die aggressive Wehrhaftigkeit, all die menschliche Ingenieurskunst schien auch dort fast vollständig unter einem üppigen Blätterdach zu verschwinden.
In regelmäßigen Abständen gelangten wir zu einem freien Platz für Tänze und Zeremonien, auf dem auch eine Art Gemeindehaus stand. Unter dessen Schatten durften sich die Ältesten und die Kinder ausruhen, während der Rest draußen auf den Feldern schwitzte.

Dorfmitte

In dieser Art Dorfmitte befanden sich auch kleine, gravierte Steinsäulen, eine jede von ihnen Zeuge des Sieges über einen lokalen Rivalen. Mit acht von diesen Dingern gehörte Busso wohl zu den erfolgreicheren Dörfern; Olanta, der zweite Ort, den wir besuchten, hatte nur drei.
Hat zumindest gereicht, immerhin gab es ihn noch.

Außerdem wird alle 18 Jahre eine lange Stange in den Boden geschlagen anlässlich der Wahl eines neuen Stammesführers, der allerdings nur von seinen männlichen – sorry Ladies – Altersgenossen ausgesucht werden darf.

Mal achtzehn

Abgesehen von dem frappierenden Gender-Fauxpas ist das ganz praktisch, weil es sind immerhin genau die Burschen, die im Notfall unter seiner Fuchtel leben müssen und dann quasi selber schuld sind an ihrer eventuelle Misere. Außerdem behalten sie so die Zeitrechnung einigermaßen im Blick: Anzahl der Stämme mal achtzehn, kinderleicht.

Für dieses einzigartige Erlebnis hatte sich der horrende Preis von fast zwanzig Euro für einen halben Tag mit Führung doch fast gelohnt; im Gegensatz zu dem etwas ambivalenten Trip nach Key Afer.

Immerhin, ich hatte dort viel Spaß mit dem Pärchen aus England (Mark) beziehungsweise den Vereinigten Staaten (Jaren). Die waren jedoch nach Kenia unterwegs, so dass sich unsere lose verwobenen Wege schnell wieder trennten.

 

 

 

Wandel

Blätterdach

 

 

 

 

 

 

Offene Festung

Trophäen

Schatten

 

 

 

 

 

Flanken

Anwesen

Verwachsen

 

 

 

 

 

Tarnkappe

Eindringling

Mauerring

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Busso

 

 

Kompliziert

Wasserstelle

 

 

 

 

 

 

Hervorragend

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