22

Dez

Circles of Life: Wherre arre you go!

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Nichts wie weg…
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Bunt

Zum Abschluss und Höhepunkt des Abends begab sich unsere Afro-europäische Union zu einem Jazz-Konzert ins „Fendika“, einem wunderschönen Schuppen, dessen gemütliche Einrichtung aus atmendem Holz von warmen Deckenlampen drinnen und draußen von bunten Laternen sowie einem knackenden Lagerfeuer ganz zauberhaft erleuchtet wurde.

Die Location erinnerte mich ein wenig an das alte Backstage in München. Wir tranken den Honigwein „Tej“, Kreisel Numero Vier, während wir den treibenden und frenetischen Rhythmen einer klassischen Combo aus Trompete, Sax, Gitarre, Bass, E-Piano und Drums lauschten.

Menge

Mit der Zeit verlor ich mich im an- und abschwellenden Tempo und den hypnotisierenden Solos der Künstler vor meinen Füßen und schwebte, außerhalb von Zeit und Raum, in meiner eigenen Welt inmitten der gut durchmischten Menge aus hippen Locals, Expats und Travellern.

Eine ganz eigen- und einzigartige Atmosphäre war das, die mich an die gechillten und angesagten Venues in Chiang Mai, Thailand, oder wahrscheinlich überall auf der Welt erinnerten. Zwischendurch wurden sie von Musikern aus der Crowd abgelöst, ein Tanzpärchen sprang und hüpfte ausgelassen und wild unter dem Johlen der entrückten Zuschauer.

Fremd-Art

Am besten gefielen uns die Jungs von „Ethio Color“, die mit ihrer Masinka-Fiedel und der K’rak, einer Art geschrabbelter Harfe, gänzlich fremdartige Töne in den Äther entsendeten und dabei Tradition und moderne Elemente (für mich) meisterhaft miteinander verbanden.

Hab’ ich also doch noch meine Schwarte Kultur abbekommen, wer sagt’s denn, am Ende kommt keiner aus.

Auch mein zweiter innerer Abschied von Äthiopien konnte demnach perfekter und hinreißender kaum sein, aber das scheint in Happys Lichterpegel auch gar nicht anders möglich zu sein. Um halb eins fielen wir glücklich und hundemüde auf unsere Matratzen; so spät war ich seit Monaten nicht mehr im Bett.

Lichterpegel

Jetzt wurd’s aber auch wirklich Zeit. Die Tage wurden immer grauer, mein biologisches Duschgel, das man zur Not auch fressen kann, war fast leer, meine Zahnpastatube spotzelte wie ein leerer Benzintank und meine Wanderschuhe fladerten langsam aber sicher aus.

Was sagt uns das alles? Zuviel Hygiene schadet der Umwelt – nein:
Komm, lass uns nach Hause gehen, Marylou alter Junge.

Wild

Nach einem späten Frühstück mit „Fattira“ (Brot mit Milch und Ei frittert) und Ful (der gut durchgebratene fünfte Kreis) sowie ersten Packversuchen im Anschluss verabschiedete ich mich von Dorota und der Französin, nachdem ich ihnen brav ausführliche Tipps und Ratschläge erteilt hatte.

Letztere war nach mir im übrigen die zweite Person, die ich dort traf und die es wagen wollte, ganze drei Monate in diesen anstrengenden Gefilden zuzubringen. Viel Spaß. Aber sie war blutjung und wild und hätte am liebsten gleich die Häuser eines ganzen Stadtviertels besetzt; die hält sowas aus.

Vor die Tür

Sodann setzte ich mich eine halbe Stunde vor die Tür, „in“ oder vielmehr zu einem der Straßencafés von Gotera, um die beiden allerletzten Schüsseln Bunna meine weinende Kehle hinab rinnen zu lassen. Und dieses nenne ich den sechsten Kreis, der sich auf seiner langen und unebenen Bahn vollendete.

Blieb mir nur noch meine Chakren abzuchecken, bevor ich zu guter und seelenvoller Letzt meinen lieben Freunden Ade sagte: lange, tiefe Blicke in glänzende Augen, wehmütig vor Trauer und in Freundschaft glücklich, besiegelt mit strengen Umarmungen und ineinander gefalteten Händen.

Lange Reise

Im La Parisienne wünschte ich Elvis Lebewohl und alles nur erdenklich Gute auf seiner langen Reise über Kenia und Uganda nach Ruanda, während ich eine sündige Pizza verspeiste.

Ich freute mich so sehr für ihn, da er, wenn alles gut läuft, endlich, endlich wieder seine Frau und seine Kinder in den Arm nehmen darf.

Um die ganze Chose energetisch gebührend abzurunden, besuchte ich vollgefressen noch einmal Happys Yoga-Stunde und entbot auch ihm von Herzen Adieu. Aber der war das ja gewohnt als kampferprobter Couchsurf-Veteran.

Tackern

Bevor ich jedoch in meinen überfüllten Minibus stieg, tackerte völlig unerwartet noch ein siebter und letzter Kreis daher, der im Anfang wiederum sein Ende fand:
ein einsames Bajaj im buckelnden und lärmenden Meer des Großstadt-Dschungels.

Na bitte. Eine hübsche, mystische Zahl, die von Weisheit und höchster Glückseligkeit, von Vollkommenheit und von Übergängen erzählt.

Fix-ed Prrice

Ein beruhigendes Omen, insh’allah, das mich dazu bewog, noch ein letztes Mal um den naturgemäß überteuerten Fahrpreis zu feilschen, aber der erfahrene Steuermann blieb stockstur: „Fix-ed prrice!“ Ergeben und versöhnt erwiderte ich nur:
„Yayaya, fix-ed ferrenji-price!“ – Da musste sogar er grinsen.

Immerhin brachte er mich als letzten, einsamen Fahrgast in seinem Bus direkt vor das Terminal vom Bole International Airport. Fair enough.
Oder vielmehr: ischschi.

Begegnungen

Wenn ich also die letzten Monate- Oh, ein Stromausfall auf einem Flughafen, das ist ja interessant… – Wenn ich also die letzten drei Monate ähem, kurz überschlage, so meine ich, dass da im Prinzip alles dabei war, was zu einer aufrechten und gepfefferten Reise mit ordentlich Bodenhaftung gehört.

Denkwürdige Ereignisse an seltsamen Orten, emotionale Achterbahnfahrten holla die Waldfee, und am wichtigsten und wertvollsten: Begegnungen, die in der Erinnerung überdauern. Das alles bereichert die Seele. – Und vielleicht, ja vielleicht bin ich innen drin wieder ein kleines Stückerl gewachsen.
Ein kleiner Babyschritt auf der Straße, die immer fort und fort gleitet…

Babyschritte

Ich glaube, den Schluss habe ich schon einmal benutzt. Passt aber auch so gut!
Und was soll ich machen, mich wegen Eigenplagiat selbst verklagen? – So ein Schmarrn. Stattdessen wuchtete ich lieber meinen Rucksack auf die Kontrollwaage, der von satten drei Kilo Premium Bohnenkaffee, sowie von anderen Dingen, schwanger war.

Wow, gar nicht so schlecht geschätzt. Statt der vermuteten und gefühlten 21kg waren es halt 21,6, anderthalb Kilo unter dem Maximum.
Glernt isch halt glernt, gell. Aber gar so knüppelhart und stressig muss es fei nimmer sein. Nächstes Mal wieder mehr Strand…

So. Das war der dritte mögliche Schluss, sucht es Euch aus.
Ich hab’ jetzt noch 200 Birr und sieben Stunden bis zu meinem Flug. Ein Walia-Lager kostet 20, Ihr wisst also- „You!! Wherre arre you go!“, wo Ihr mich findet.

Flug

Glernt

Fort und fort…

Anschwellen

Combo

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Bitte umblättern: Zwischen Himmel und Erde…

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