20

Mai

Zitadellen & Elfenbeintürme: Von falschen Tatsachen

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Brütend

Ausgezeichnet. Wie wäre es jetzt mit einigen seichten Landschaftsbeschreibungen, nach all dem handfesten Geseiere und den Verhöhnungen?
Ooh ja, das machen wir.

Die brütende Senke des Rift Valley lag da, in respektvollem Abstand eingerahmt von verwaschenen Berghängen. Je weiter ich nach Süden vordrang, wandelte sich die Vegetation zunehmend und wurde spärlicher, savannenartig.

Recken

Aus der Ferne wirkten die prallen Avocado-Bäume und die ewig anmutigen Akazien mit ihren flach nach allen Seiten hin strebenden Wipfeldächern wie Pockennarben auf dem blutroten Ocker von Mama Africa.

Vor allem die Gegend um Konso und Yabelo südlich des Chamo-Sees war übersät von eindrucksvollen Termitenbauten: Säulen, Türme und schlanke Zitadellen, teilweise übermannsgroß, reckten sich wie erhobene Zeigefinger in den flirrenden Himmel.

Verschläge

Sie schienen im Einklang zu existieren mit den hübschen Rundhütten und den kleinen, windschiefen Bastverschlägen, die ein ums andre Mal nur noch von Stützbalken vor dem Einsturz bewahrt werden konnten; als ob ein unbarmherziger Sturm über sie hinweggefegt sei. Zu den mannigfaltigen Ziegen, Kühen und Eseln gesellten sich vereinzelt ein paar Kamele mit schmutzig-weißem Fell, eine willkommene Überraschung.

Üppig

Im Zuge meiner Umrundung der Grabenseen wandte ich mich wieder nach Norden in Richtung Dilla und zurück nach (H)awassa, und der Bus schnaufte ächzend und krachend hinauf in die Berge und in den allmählich dichter werdenden Bewuchs aus Pinien, Eukalyptus, einigen Palmen sowie Bananen und „enset“, einer Art „falschen“ Bananenstaude, von der anstelle der Früchte ihre Wurzeln verzehrt werden, meist gekocht. Voll crazy.

Wo die Straße nur noch aus Staub und Sand bestand, war die Welt mit einer dicken Schicht bedeckt, die das Leben selbst zu dämpfen schien, und beugte sich müde unter deren Gewicht. Zwischen die Hütten gesellten sich dort auch goldbraune Lehmhäuser, die dem Anschein nach ein Stück Sonne verschluckt hatten, mit bunten Verzierungen an Fenstern, Türen und Stützbalken.

Treiben

Geschäftiges Treiben belebte die Ortschaften, bis ich endlich in meinem nächsten Etappenziel Dilla anlangte, mich so schnell wie möglich dem lärmenden und bedrückenden Gedärm des Busbahnhofes entzog und mich auf Hotelsuche begab.

Es dauerte denn auch nicht lange, bis ich auf das göttliche Himmelbett meines nüchternen, jedoch im Vergleich zu den rudimentären Zellen in Konso praktisch herrschaftlichen Zimmers fiel. Wie eine Luxussuite aus Mahagoni und Marmor kam es mir vor, und die wunderbar erfrischende Dusche in der „Tesfamlak“-Pension trug mich sanft in wattig kristallene Sphären.

Nicht viel

Meine viertägige Odyssee in die schlammigen Niederungen des Backpacker-Daseins fand dergestalt ein süßes und überaus komfortables Ende.
Dilla selbst gab wiederum nicht viel her außer einem netten Café.

Die hatten da sogar Kuchen, aber der gab auch nicht viel her außer geschmolzenem Zucker. Als sie einmal keinen traditionellen bunna servierten, bestellte ich mannhaft und kühn einen Cappuccino.
Das war furchterregend. Ich bin bis heute davon überzeugt, dass sie das Getränk mit lauem Kaba verwechselt hatten.

Schnapsidee

Die sanft an- und abschwellende Hintergrundkakophonie der „ferenji frenzy“, die Reisende in Äthiopien auf Schritt und Tritt begleitet, schwoll dort zu einem mächtigen Orchester an, das mir meine Ohrmuschel aufgrund des donnernden Crescendo Feuer fing: „YouyouyouyouYOU! Wherre arre you go! YOU!“

Ächz. So laut, und agro irgendwie. Schnell wieder zurück ins „Lem Café“ verstecken.
Das war, als ich einmal leichtsinnig über den Markt geschlendert bin, eine hehre Schnapsidee war das. Auch meine demonstrativ zur Schau getragene, durchgeistigte Versonnenheit vermochte die Locals nicht von ihren akustischen Peitschenhieben abzuhalten.

Markt

Mein Abendessen wiederum nahm ich bei einer zauberhaften Familie ein, wo sich abwechselnd Tochter und Sohn rührend um mich sorgten.
Doch reichten diese kleinen Oasen der Ruhe und der Befindlichkeit nicht aus, um mich länger dort zu halten.

 

 

 

 

Busbahnhof

Flucht

 

 

 

 

 

 

Eingerahmt

Vordringen

Süden

 

 

 

 

 

Savanne

Einklang

Narben

 

 

 

 

 

Bunt

Rundhütten

Abwechslung

 

 

 

 

 

Schicht

Grün

Ocker

 

 

 

 

Norden

Windschief

Straßen

 

 

 

 

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