8

Sep

Zwischen und vor allen Dingen – Gegen unendlich

Zu schnell? Einmal zurückblättern, sehr gern: Easy breezing…
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In diesem Beitrag sind nur vereinzelt Bilder vorhanden und es werden keine Namen genannt aus Respekt vor der Privatsphäre eines jeden Piraten und Zauberers, einer jeden Hexe und Priesterin, die am Camp teilnahmen. Bilder sind zwar einfacher und oft treffender als Worte, doch an dieser Stelle reichen selbst diese bei weitem nicht aus, das Erlebte auch nur annähernd zu beschreiben.
(Anm. des Sammlers)
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Wir befanden uns bereits in der Nachspürphase, lagen still und ruhig da und ließen unsere Empfindungen auf der Leinwand unseres Bewusstseins ablaufen, als sich etwas in mir auf einmal veränderte, und das… auf fundamentale Art und Weise, kein Scheiß.

Auch dieses Etwas begann recht unscheinbar. Meine vorderen Oberschenkelmuskeln sowie der Unterbauch, im Prinzip die gesamte Leistenregion, schienen sich nacheinander und allmählich zu entspannen. Das war an und für sich bemerkenswert, war mir doch in meinem Leben nicht einmal bewusst gewesen, dass dort überhaupt eine Anspannung vorlag.

Sonnensturm

Aber Burschen und Mädels. Das war wahrlich erst der Kieselstein, der eine Lawine von den Ausmaßen eines Sonnensturmes lostrat!
Erinnert Ihr Euch an den inneren Gefühlsbrocken, diesen ganz persönlichen innerdeutschen Schutzwall, der im Zuge der einleitenden Schwitzhüttenzeremonie langsam ins Kullern gekommen war? Yep, genau der war es.

Ich spürte, wie er abermals anfing, sich zu rühren, zu scheren und zu wälzen, bis er sich… in einem Funkenregen, einem ausgewachsenen Monsun!, der mir jeden einzelnen Wirbel meines Rückgrats und in der Folge meinen gesamten Körper wie mit rauschendem, flüssigem Gold füllte, vollkommen und restlos auflöste! (For now…)

Ihr hättet meine ungläubigen und frühlingshaft aufgerissenen Seelenfenster sehen sollen in diesem ewigen Moment, den ich in seiner Großartigkeit und Allumfassenheit niemals, niemals für möglich gehalten hätte.

Die Wucht jener inneren Implosion und der anschließenden Supernova begann mich nun vollends zu überwältigen. Ich sog gierig und bewusst den Atem ein, weil das das einzige war, das mich noch in dieser Welt zu halten, mich davor zu bewahren schien, endgültig und ratzeputz ausgelöscht zu werden.

Supernova

Ein Fräulein neben mir erkundigte sich vorsichtig nach meinem Wohlbefinden, allein, ich sah mich lediglich dazu imstande, debil zu grinsen und desorientiert mit dem Kopf zu rucken. Aber das schien ihr als Bestätigung auszureichen.

Das – das war so schön, soo… mächtig und einfach noch nie dagewesen, dass ich mir nicht anders zu helfen wusste als lauthals anfangen zu lachen.
Aber das reichte nicht. Lachen war einfach nicht stark genug oder ausreichend
oder angemessen, um wirklich auszudrücken, was da in mir geschah. Nicht, dass ich mich hätte mitteilen können – aber das musste heraus, sonst hätte es mich, fürwahr, zrissen.

Also fing ich an, aus der Tiefe meiner Tiefen zu schluchzen, laut zu heulen und mich zu guter Letzt in einem Wasserfall heiß glühender Tränen auf das Feld vor den bayrischen Bergen zu ergießen. Dabei erfüllten mich Freude, grenzenlose Erleichterung und eine fast schon sakrale Glückseligkeit, die ich in der Tat nicht anders beschreiben kann.

Lang und breit

Worte müssen an der Stelle leider restlos versagen; was wiederum eine charmante Ironie in sich birgt, da ich immer noch lang und breit versuche, dieses unfassliche Erlebnis in eine Reihe von Buchstaben zu quetschen. – Hm, sei’s drum.

Aber, könnt Ihr Euch das vorstellen? Ihr tragt, seit Ihr fühlen und denken könnt, einen harten, schmerzhaften und doch unerkannten Klotz mit Euch herum, einfach, weil Ihr es nie anders gelernt habt. Gut, vielleicht nicht jeden Tag und jede Sekunde ohne Pause, dafür aber jahrzehntelang?

Mittelpunkt

Und könnt Ihr Euch dann vorstellen, wie dieses Höllentrum auf einmal anfängt, langsam und pulsierend zu wabern und schlussendlich einfach zu verschwinden?
Das war ein Gefühl, als ob ich die ganze Zeit davor gar nicht wirklich gelebt hätte.
Wahrlich, an jenem denkwürdigen Tag wurde ich neu geboren.

Ich war vollkommen befreit von allen Sorgen und Nöten und Ängsten, mein Geist funkelte rein und klar wie ein frisch entzündeter Stern und alles, was jetzt noch kommen konnte, waren Sahnehäubchen. Alles, alles was die Zukunft bringen mochte, war mir gleich und in Ordnung, tat aber auch rein gar nichts zur eigentlichen Sache und interessierte mich nicht.

Ich war nur da, im Gras, in meinen Tränen, und im Mittelpunkt meiner Erde.
Das, wonach ich mich mein Leben lang gesehnt hatte, wofür ich so lange hin gearbeitet und mich dafür in allen möglich und unmöglichen Heilmethoden und -ansätzen verstiegen hatte; alles hatte mich dort hingeführt, zu diesem glockenhellen Tag, diesem Moment silberner Trompeten vor Anbeginn der Zeit.

Zerrspiegel

– Ja griaß di!, da war er wieder.
Der göttliche Trickster, kosmischer Hofnarr, hielt mir einmal mehr seinen frivolen Zerrspiegel vor Augen. Was ich in der Tat nicht alles unter- und genommen hatte, um auch nur andeutungsweise in einen derartigen Zustand zu gelangen…

Aber was mich am Ende wirklich dorthin brachte, das war (frei nach dem Schamanen) das einfachste, das natürlichste und elementarste, was es auf der Welt nur geben kann:
mein eigener Atem.

Und da musste ich dann doch herzhaft, tief grollend und schallend lachen, mitten durchs Herz meiner Schluchzarien und Heulattacken. – Das war gar nicht so einfach in der Koordination.
Alter Komödiant, hast mich also endlich erwischt.

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Bitte umblättern: Katharsis baiuwarensis…

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